Beiträge von Mephisto

    Das solltest Du auf jeden Fall mit dem Arzt besprechen.


    Die Wirkdauer von MPH ist individuell extrem unterschiedlich, die 3-4 Stunden sind daher ein Anhalt, aber keine exakte Grenze.


    Ein anderes Problem ist das Betroffen oft keine gute Eigenwahrnehmung haben, die vermeidliche Verbesserung kann von Aussenstehenden auch anders empfunden werden. Ich kenne persönliche Fälle bei denen die nicht betroffenen Partner viel früher merkten das die Wirkung nachlässt als der Betroffene selbst.


    Und dann sollte man auch immer bedenken das es durchaus zu Schwankungen der Wirksamkeit je nach Tagesform und anderen Umständen kommen kann. Also besser keine Entscheidung aufgrund eines Tages fällen.

    Und, wie schon gesagt, ist das ein Thema das man mit dem behandelnden Arzt besprechen muss.

    Ich kenne diese ADHS - Stressreaktion Theorie und auf mich wirkt sie sehr schlüssig.

    Dazu kommt das ich an mir selbst bemerke das ich nach Stress viel längere Erholungsphasen benötige als "Normale".

    Und das Stress langfristig zu erheblichen, teilweise irreversiblen Schäden führt ist inzwischen auch allgemein akzeptiert.


    Ich denke das es nicht nötig ist alle ADHSler statistisch zu erfassen, ob es 5, 7 oder 12 % sind spielt keine so grosse Rolle wenn man feststellt das 20, 30 oder 40% der Erkrankten ADHS haben.


    Dr. M. Winkler hat vor einiger Zeit gemeldet das bei ca. 40 % der Patienten Psychosomatischer Kliniken in Norddeutschland eindeutige ADHS Symptome vorlagen. ADHS ist in unserer Gesellschaft leider ein großes Risiko für weitere psychische Probleme.

    Ich spreche inzwischen nur noch mit sehr wenigen Ausgewählten über ADHS, die meisten Nichtbetroffenen verstehen es ohnehin nicht.


    Das bedeutet auch das ich vieles überhöre, mich nicht auf jedes Gespräche einlasse.

    Wenn es darum geht mich selbst zu schützen spreche ich dann von "ich kann mich bei so grossen Runden nicht gut konzentrieren" oder "ich komme mit Ablenkungen oder vielen Unterbrechnungen nicht klar". Das gab bisher eigentlich nie Probleme und so wird auch akzeptiert das ich mich aus einigen Veranstaltungen komplett raushalte.

    Erstaunlicherweise muss man sich viel seltener Erklären als man es selbst glaubt, insbesondere wenn man konsequent bleibt und keine Ausreden benutzt.

    "Ich würde gerne zu Deinem Geburtstag kommen, aber so große Runden lösen bei mir einfach zu viel Stress aus, da komme ich lieber ein anderes mal, wie wäre es am Sonntag in 3 Wochen?"


    Sehr oft erwarten wir von uns selbst viel mehr als wir es von unseren Freunden erwarten.

    Auch die Barmer MUSS bei begründetem Verdacht die Kosten für eine ADHS Diagnose übernehmen, da gibt es keine Zweifel. Natürlich nur bei kassenzugelassenen Stellen wie Psychiater oder ADHS Ambulanzen. Da wird auch kein Antrag auf Kostenübernahme gestellt, die Ärzte müssen in dem Fall ja auch vor der Verschreibung von MPH eine sichere Diagnose stellen.


    Wenn es ums "berufliche Überleben" geht, dann wäre eine weitere Möglichkeit ein Reha-Antrag bei der Rentenversicherung. Auf so einer Reha habe ich meine Diagnose bekommen. Bei Verdacht auf ADHS würde ich heute jedoch eine Fachklinik mit" ADHS bei Erwachsenen" Angebot angeben, das ist im Rahmen der Mitwirkungspflichten möglich und wird i.d.r. auch problemarm bewilligt. Die Rentenversicherung ist nicht daran gebunden, muss die Ablehnung der gewünschten Klink aber sachlich begründen können.

    Die Chancen auf Bewilligung sind deutlich höher wenn der eigene Psychiater sich auch für eine Reha ausspricht.

    Wenn man überlegt wie viele Probleme man mit so einem Training verstehen, vermeiden und vielleicht sogar überwinden kann, dann ist das nicht so viel Geld.

    Ich habe mit meiner Frau ein Seminar bei Fr. Neuhaus besucht, zusammen waren das 1200 € (plus Übernachtung und Anreise). Trotzdem war das wirklich jeden Euro wert. Man kann den psychischen Stress durch das Unverständnis und die damit verbundenen Streitigkeiten mit Geld nicht aufwiegen. Mal ganz zu schweigen von den alternativen Folgen. Bei mir war das ein ADHS-Partner Seminar über 6 Tage und für einige Paare war das "der letzte Versuch" vor einer Trennung. Ich kann nicht sagen was danach passiert ist, aber am Ende haben alle verstanden was ihre Probleme auslöst und sie haben Hilfestellungen bekommen wie sie daran arbeiten können.


    Ich bin mir sicher das mein Leben anders verlaufen wären wenn ich in der Schulzeit mehr über mich und mein ADHS erfahren hätte. Ich kann mich über mein Leben nicht beschweren, aber ich hätte wirklich gerne auf den andauernden Stress, die Zusammenbrüche, Depressionen, Selbstwertprobleme und Früh-Verrentung verzichtet. Letztlich ist ADHS keine "heilbare Krankheit", aber je früher "man sich versteht" desto größer sind die Chancen die schlimmsten Folgen zu vermeiden.


    Ich/wir haben im Nachhinein fast 60 % der Kosten von der KK erstattet bekommen, das war natürlich schön, aber auch ohne das würde ich jedem (der es sich irgendwie leisten kann) so ein Seminar empfehlen.

    Das kann man aus der Distanz sicher nicht unterscheiden. Es kann natürlich auch beides sein, ADHS und Pupertät, das könnte sich gegenseitig verstärken.


    Was Du beschreibst würde bei mir auch einen ADHS Verdacht begründen. Da würde ich abwarten was der Psychologe sagt.


    Ausserdem, wer sagt den das Kinder immer rein logisch handeln?

    Sollte sich der Verdacht bestätigen, dann wird es sinnvoll sein Kommunikation und Verhalten entsprechend zu verändern, auf BEIDEN Seiten.