Brüllen oder nicht brüllen, aber wie...?

  • Wer kennt es nicht, das Problem, überhaupt beim Kind "anzukommen" mit normalem Tonfall. Man muss quasi erstmal einen Satz im Brüllton sagen und dann, wenn das Kind überhaupt wahrnimmt, das man mit ihm redet, mit normaler Stimme sagen, dass man ja eigentlich nicht brüllen will, und das man jetzt normal weiter reden kann. Das Kind fordert ja, daß man nicht immer brüllt, bloß hört es auch nicht hin, wenn man nicht brüllt.


    Es muß nicht unbedingt ein eigenes Eltern Coaching sein, um so etwas anzusprechen. Zumindest im Rahmen der Therapie für meinen Sohn werden die Eltern sehr flexibel mit einbezogen.


    Entweder es gibt mal einen ganzen Termin für die Eltern oder zu Anfang einer Sitzung mit meinem Sohn gebe ich mal einen Themen Vorschlag, bevor die Sitzung losgeht. Dann bespricht die Therapeutein es mit meinem Sohn unter vier Augen, manchmal bleibe ich auch drin und wir sprechen zu dritt. Quasi eine moderierte Aussprache.


    Jedenfalls werde ich dieses Thema auch mal mit aufnehmen.


    Was sind Eure Erfahrungen?

  • Bei der MuKi (Mutter Kind Kur in Baltic Großenbrode) ist das Thema "Mütter in der Schreifalle" gerade dran.


    Die Muttis bekommen gelehrt, dass Initial nur ein klar formulierter 3-Wort-Satz beginnen soll, der nicht zu laut und direkt mit dem Sicht zum Kind herausgebracht werden soll.

    (Beiläufige Sätze, während der Kopf im Kühlschranksteckt kommen weder bei Männern, noch bei Kindern an.)

    "Max hör zu!"; "Bärbel komm her!"; "Karl bleib stehen!"


    Da die Kinder ihren Namen für gewöhnlich kennen, reicht es nicht aus den Namen ohne Kommando zu brüllen (siehe Bundeswehr)


    Es ist auch möglich schon von klein auf, Dialoge zu trainieren, die auf Körperkontakt basieren. (das haben wir mangels Kenntnis vom eigenen ADS und dem des Kindes leider versäumt, nun ist Körperkontakt eher kontraproduktiv)


    Hat man die Aufmerksamkeit, kann die Botschaft in klaren Sätzen ohne zu viele Kommas so lange transportieren, wie das Kind schaut. Schaut es weg, Text abbrechen.


    Mit "Scheifalle" ist übrigens gemeint, dass die Kinder den lauten Dialog irgendwann als normal akzeptieren und ebenfalls nur noch schreien.


    Ich selbst bin erst seit MPH und in der Wirkungszeit auf die Emotionen (bei mir zum Glück schon ab 10mg und bis weit nach Rebound) in der Lage die Kommunikation so zu führen.

    Bei meiner Frau wird es wohl erst mit der Kur beginnen und den gleichen Stand wie bei mir erreichen, wenn sie ebenfalls Diagnostiziert ist und behandelt wird.


    Übrigens ist es kontraproduktiv, das Kind permanent laut unter Verwendung ihres Namens zu ermahnen. Sie werden "Namensresistent".


    Das haben unsere beiden Omas geschafft. Sie haben den Namen des Kindes so inflationär für sinnlose und beiläufige Ermahnungen genutzt, dass es nicht mehr auf die Stimmen der beiden reagiert. Nicht mal in Gefahrensituationen.


    Im Vergleich dazu ist seine Aufmerksamkeit bei meiner für gewöhnlich ruhigen Stimme sofort da, wenn sie etwas lauter wird.



    Da wir noch viele weiter Defizite haben, werde ich mich mal genauer mit der Thematik beschäftigen.

    Dr. Cordula Neuhaus und Dr. Klaus Skrodzki haben schon viel darüber geschrieben.

  • Ja es gibt ja diesen Film "Die Brüllfalle", der ist wirklich sehenswert.


    Ich kenne seit 9 Jahren den Rat, Körperkontakt und Augenkontakt aufzunehmen. Aber dieser Satz "schau mich an" ist zu abgegriffen, für mich und meinen Sohn. Im Alter von dre, vier Jahren haben wir den übetstrapaziert.


    Und bei zwei Kindern kann ich mich nicht zerreißen. Im Grundschulalter möchte ich nach und nach dieses einfache Schema hinter mir lassen. In der Schule nimmt der Lehrer auch nicht Körper- und Augenkontakt auf...


    Aber ich bin gespannt, zu hören, was Deine Frau noch weiter berichten wird.


    Wie soll denn ein konkreter Dreiwortsatz aussehen? Enthält er den Namen und 2 andere Wörter?

  • "Drei Wort Satz." ist nur der Aufhänger, der bedeuten soll, nicht zu viel Redeschwall in die Initiale Kommunikation zu stecken.


    "Aufmerksamkeitsdefizit" heißt eben, dass sich diese erst mal finden und sammeln muss.


    In unserem Fall ist es so, dass der Junior

    ..."Björn-Kevin-Ole-Gandalf* , mach mit bitte die Tür auf." ... nur scheinbar nicht versteht.


    Mitunter wird nicht prompt, sondern mit ein paar Sekunden Verzögerung ausgeführt (ja das ist mitunter schwer zu ertragen) und wenn man dann die Einkaufstaschen abstellt und zur Tür greift folgt ein Wutausbruch, da es ja seine Aufgabe war.



    *= nein der Name ist eigentlich kürzer. Aber hier würden sich die Kreationen der ... fürchterlich rächen.

  • Schön, dass man bei solch einem, zumindest einmal bei mir zum Haare raufenden Thema, auch herzlich lachen kann. Toll geschrieben Stefan!! :thumbup:


    Aber wie auch ihr kenne ich dies nur all zu gut und ich muss zu meinem Beschämen sagen, dass meine Zwillis sich z. T. meinen eigenen "Tonfall" bereits angeeignet haben. X/

    Leider ist es bei den beiden schon immer so gewesen, dass sie nicht reagieren, wenn ich sie im "normalen" Ton anspreche, auch nicht, wenn ich ihren Namen davor setze. Egal ob Aufforderung oder Bitte, das geht zum einen Ohr rein und zum anderen wieder raus. Bei meinem Sohn ist es mitunter so, dass er mich sogar anschaut, wenn ich mit ihm rede und wenn ich ihn dann frage, ob er verstanden hätte, was ich meine, meint er nur, was ich denn gesagt hätte? Da muss ich dann erst einmal ganz tief Luft holen oder schnell mal raus gehen. :cursing:Da kommt sogar bei meiner Tochter (ADHS) mehr Input rüber! Wir waren sogar beim Pädaudiologen weil wir dachten, dass sie beide eine auditive Wahrnehmungsstörung hätten, aber alles paletti.


    Aber so amüsant das klingt, es geht wirklich an die Substanz, wenn man das tag täglich mitmacht.

    Man ist ständig am schimpfen (vorausgegangen ist meist ein netter und bittenden Ton aber ohne jegliche Reaktion.) und schlussendlich wenn gar nichts mehr geht und man sich zum X-Mal wiederholt hat, man seiner eigenen Ohnmacht unterliegt und dann brüllend versucht die Aufforderung oder Bitte durchzusetzen. Bei mir ist das dann wie ein Strudel, ich komm da nur sehr schwer und langsam wieder raus.


    Um so interessanter zu wissen, was man tun kann um es besser zu machen. Danke Stefan für den Bericht! Das werde ich morgen gleich einmal ausprobieren!


    Ich meine zwar, ich hätte dies bereits auch schon probiert, aber vielleicht sollte ich es mal wieder bewusster tun.



    VLG

  • Ich war schon "damals" bei den ersten 10mg deutlich ruhiger.

    Die emotionale Ruhe ist die bisher einzig wirklich lang andauernde gute Wirkung, die auch nach dem Rebound recht lange nachklingt.


    Alle anderen Ziele der Medikation klappen noch nicht so recht.

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