Lars stellt sich vor

ADHS-Zentrum ersetzt keinen Arztbesuch oder andere Fachkraft aus Pädagogik und Recht oder eine sonstige Beratung. Ob der Inhalt bei Ihnen oder ihrem Kind zutrifft, muss jeder für sich im Einzelfall abwägen und eigenverantwortlich entscheiden / prüfen lassen.
  • Guten Morgen liebe Forumrunde.


    Meine Name ist Lars, ich bin 44 Jahre alt, verheiratet (sehr glücklich! :) ).

    Wir haben drei Kinder (und zwei Hunde!). Diese sind 17, 14, und 8 (wird am 25.01. 9 Jahre!) Jahre alt.


    Mit unserem Jüngsten kämpfen wir seit geraumer Zeit in der Schule. Er war in der Vorschulklasse, da man ihn mit 6,5 Jahren noch nicht reif genug sah für die 1. Klasse. Nun ist er in der 2. Klasse und im Laufe der Zeit haben sich immer mehr Schwierigkeiten in der Schule und bei den Hausaufgaben zu Hause gezeigt.

    Irgendwann waren wir dann soweit, zu erkennen, dass etwas einfach nicht ganz normal ist. Mit unseren beiden älteren Kindern jedenfalls kannten wir derartige Probleme nicht.

    Also haben wir über Beziehungen sehr schnell einen Termin bekommen und nach den entsprechenden Tests, Gesprächen und Auswertungen nun seit gestern das Ergebnis.

    Es wurde bei unserem Sohn eine leichte Form von ADHS festgestellt.

    Wir sind recht froh, dass wir ein Ergebnis und somit einen Status Quo haben und nun gezielt ansetzen können.


    Grund für das anmelden hier in diesem Forum ist in erster Linie natürlich der Austausch mit erfahrenen Usern und das beantworten vieler Fragen, die uns nun im Kopf herumschwirren.

    Insbesondere die Art und Weise der Therapie - Medikamentengabe oder nicht?

    Meine Frau ist Kinderkrankenschwester und war/ist strikt dagegen mit Medikamenten zu arbeiten. Ich war das ebenfalls.

    Vor allem meine Meinung dazu entstand weniger aus fundierter Recherche sondern eher aus im Alltag zusammengetragenen Informationsfetzen. Fundiertes Halbwissen also! ;)

    Nach unserem Abschlussgespräch gestern mit der Psychologin bin ich/sind wir sicher ein stückweit aufgeklärter, so dass wir jetzt zunächst einmal "belastbare" Informationen sammeln wollen.


    Wir freuen uns auf einen regen Austausch, viel Informationen und noch mehr Erfahrungen...

  • "Informationsfetzen" sind leider sogar bei Fachleuten die einzigen "fundierten" Information.


    Hallo Lars,


    neben meiner eigenen Diagnose mit 45 Jahren hat die Analyse der zunehmenden Probleme meines Juniors (7) nun auch bei ihm das selbe Ergebnis gezeigt.

    ADHS-Kinder kannte ich früher aus dem Bekanntenkreis und glaubte, dass ich und mein Sohn ja unmöglich davon betroffen sein können, weil wir ja eben nicht oder kaum hyperkinetisch sind. Ja ok, etwas aktiver.

    Dass es auch ein ADS, also den Zappelphillip im Kopf und nicht in den Beinen, gibt, weiß ich erst seit dem letzten Jahr.



    Dich in diesem frühen "Stadium" mit Fakten zu überhäufen würde wohl zu Argwohn führen. Also ließ Dich mal quer und gern meinen Blog über meinen Junior und das Unterforum Kinder im Allgemeinen.


    Egal wohin die Reise geht, wichtig ist das Verhalten betroffener Kinder genau zu studieren, die Ursachen und Auslöser zu kennen und an den richtigen Stellen zu lenken und zu unterstützen.

    Strafen, wie es die "Kaisertreue Fraktion der Erziehungsfachleute" raten, bringen beim ADS-ler (vermutlich meinst Du das mit "leichte Form") nichts als einen massiven Knick im Selbstwertgefühl des Kindes.


    Eine Mitgliedschaft im ADHS-Deutschland e.V. kann ich Euch anraten, da hier die betroffenen Eltern mit Coaching und Informationen versorgt werden.

    Auf der Seite findet man auch Selbsthilfegruppen betroffener Eltern, die gern ihre Erfahrungen bzgl. Medikation bzw. Therapieversuche ohne Medikation weiter geben. http://www.adhs-deutschland.de…n-Selbsthilfegruppen.aspx


    Auf https://www.adxs.org/ hat ein Betroffener ein immenses Kompendium an fundiertem und belegtem Fachwissen und Erfahrungen andere Betroffener zusammen getragen.

    Objektive Informationen bekommt man auch unter https://www.adhspedia.de/wiki/Hauptseite



    In Sachen Kinder halte ich Bücher von Dr. Cordula Neuhaus, Dr. Klaus Skrodzki oder Dr. Martin Winkler für immens Wertvoll. Gerade eine Krankenschwester aber auch der betroffen Vater können ihr aus langjährigen Erfahrungen der behandelnden Ärzte schöpfen.


    Die Erfahrungen von betroffenen Persönlichkeiten wie Eckart von Hirschhausen, Jan Ullrich, Benjamin von Stuckrad-Barre, Kathrin Weßling, usw. zeigen auf, wie ein erfolgreiches Coping, ein aufmerksames Elternhaus und eine über überproportional oft erhöhte Intelligenz im besten Fall zu einem erfüllten Erwachsen leben führen können.


    Ihr habt nun viel Arbeit vor Euch!

    Ich wünsche Euch Kraft.


    VG

    Stefan

  • Noch ein Tipp an die Fachfrau.


    DSM IV und ICD 10 wurden weiter überarbeitet und auch die S3 Richtlinie von 2018 ist noch recht aktuell.


    Ein Studium der DSM V und ICD 11 sollte ihr mit dem Fachwissen einer Krankenschwester möglich sein und ein objektives Bild der von Medizinern zusammen getragenen Fakten vermitteln.

  • Hallo Stefan,


    herzlichen Dank für Deine ausführliche Antwort.

    Ich werde das heute Abend mit meiner Frau intensiv besprechen und wir werden uns gemeinsam belesen.

    Grundsätzlich sehe ich die Diagnose nicht negativ und bin auch dementsprechend nicht "am Boden"!


    Es ist für uns alle vielmehr eine Chance unserem Sohn gerecht zu werden und nun gilt es die Möglichkeiten und Instrumente zu finden unseren Sohn glücklich zu machen - denn dann sind wir es auch...


    Gruß

    Lars

  • Wir waren wegen der Medikamente auch sehr besorgt. Es bleibt einem da nichts anderes übrig, als die Medienberichterstattung auszublenden, und sich mit anderen Eltern auszutauschen. Rückblickend wird da viel Panik um nichts verbreitet.


    Der Tipp mit den Selbsthilfegruppen vom Stefan ist gar nicht schlecht. Das habe ich am Anfang auch gemacht. Beim ersten Besuch war es noch komisch, aber man wird herzlich aufgenommen. Und man lernt andere Eltern kennen, die einem zwischendurch auch mal helfen. Man ist unter Seinesgleichen.

  • Wir waren wegen der Medikamente auch sehr besorgt. Es bleibt einem da nichts anderes übrig, als die Medienberichterstattung auszublenden, und sich mit anderen Eltern auszutauschen. Rückblickend wird da viel Panik um nichts verbreitet.


    Der Tipp mit den Selbsthilfegruppen vom Stefan ist gar nicht schlecht. Das habe ich am Anfang auch gemacht. Beim ersten Besuch war es noch komisch, aber man wird herzlich aufgenommen. Und man lernt andere Eltern kennen, die einem zwischendurch auch mal helfen. Man ist unter Seinesgleichen.

    Dahingehend sind wir tatsächlich schon viel entspannter. Wir hatten wirklich nur dieses Horrorszenario im Kopf, dass unser Sohn nach der Einnahme von Ritalin o.ä. zu einem Zombie wird.

    Das das ganz offensichtlich nicht der Fall ist, wird immer offenkundiger, je mehr wir uns damit beschäftigen und einlesen.


    Vielen Dank also auch nochmal an Dich für diese Unterstützung.

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