Was tun gegen einen latenten Selbstzerstörungstrieb?

  • Hallo zusammen,


    hat jemand von euch damit Erfahrung, eine Art "Kick" in Dingen zu finden, die euch schaden? (z.B. exzessives Arbeiten, Essstörungen, ...) Wie geht ihr damit um? Medikamente helfen, schaffen das aber nicht komplett ab...


    Danke für eure Beiträge

    Starbuck

  • - im Grunde kaum bewusst.


    Ich gehe zu spät ins Bett und nur die Müdigkeit an einem der nächsten Tage holt mich zurück.

    Ich arbeite zu viel, weil es mich selbst bestätigt und mir der positive Kick, endlich mal was geschafft zu haben (bin zu selbstkritisch) die Seele streichelt. Die Arbeiterei ist wie eine Sinuskuve. Hyper voll Power und dann wieder hypo depri weit in den Keller weil Körper und Konzentration nicht mehr mit machen. Bis zum Burny vor 4 Jahren war das sogar noch deutlich exzessiver.

    Ich mache wenig bis keinen Sport, obwohl ich ihn als Ausgleich für das Büro bräuchte.

    Ich esse Nahrungsmittel die nicht gesund für mich sind, obwohl ich weiß, dass sie mit schaden.


    Du bist hier also in bester Gesellschaft.

    Das Thema Arbeiten bekomme ich seit meinem Burnout nur langsam in den Griff, da ich mich noch immer sehr selbstkritisch sehe und einfach nicht entspannen kann. Eine Stunde auf der Sonnenliege ist für mich die Hölle, da mein Hirn in der Zeit 6 Projekte plant und Lösungen für 10 Fehler findet, die ich fürchte wieder zu vergessen.


    Außerdem hängen wir AD(H)S-ler sehr an Emotionen, sowohl dem inneren Lob als auch dem Lob anderer Personen. Rennt man dem unterbewusst hinterher, kann das nur in Überarbeitung uns Selbstzerstörung münden.


    Ich wünsche mir manchmal wie ein Rastafari auf Jamaika (Stereotyp) eine Tüte zu rauchen und dem dahinfließen der Zeit zu zuschauen.

    Oder ein Französischer Bauer, der mit Käse, Rotwein und Baguette vor einer verfallenen Hütte im Weinberg sitzt und mit geschlossenen Augen den Vögeln lauscht, die durch die Reben hüpfen.

    Das wäre ein so schönes Ziel, doch ich schaffe es nicht danach zu greifen, sondern habe doch wieder Freude an meinem Hamsterlaufrad.

  • "verwachsen"?

    Lasst mich mal überlegen.


    Bei mir nicht. Wobei ich bis letztes Jahr nicht wusste, dass es ADS ist.


    Dieses "verwachsen" ist das, was man als "Coping" bezeichnet.

    Die Probleme bleiben, aber als Kind lernt man damit umzugehen und hat als Jugendlicher zunehmend die körperliche Kraft, die man braucht um gegen die Symptome anzukämpfen bzw. sich aktiv zu konzentrieren.


    Zum Abi oder Studium kommt dann der erste oder nächst Zusammenbruch, weil das Coping allein (ohne Medikamente) nicht ausreicht.


    Dann kommt eine Zeit als Erwachsener, in der man "nur" seiner Familie schadet, weil man immer wieder impulsiv und zu gefühlsgesteuert agiert.


    Wird man dann älter fehlt die Kraft, um sich aktiv zu konzentrieren, gegen die vielen Impulse anzukämpfen und dann noch Kinder, Enkel und den Haushalt zu schmeißen.


    Ich selbst werde mehr zum Messi, weil einfach zu viel von dem liegen bleibt, was ich begonnen habe. Die Verwandtschaft und Freunde werden mehr und mehr vernachlässigt, weil die Kraft fehlt.


    "Verwächst" sich also AD(H)S????

  • eine Art "Kick" in Dingen zu finden, die euch schaden? (z.B. exzessives Arbeiten, Essstörungen, ...)

    Hi Starbuck,

    hast du das vielleicht schon mal ärztlich genauer abklären lassen?


    Mir käme da das Thema Verhaltenstherapie in den Sinn, mit deren Hilfe man z.B. lernen kann auf solche Situationen einzugehen ("Skills" genannt).

    Diese "Skills" sind so zusagen Fähigkeiten oder Fertigkeiten die man erlernt, um gezielt in solchen Situationen selbst darauf eingehen zu können, z.B. um sich selbst Alternativen zu diesen Dingen schaffen zu können.

    Oder auch, zu lernen bestimmte "Trigger" (Auslöser) frühzeitig zu erkennen um dadurch gegensteuern zu können, bevor man in so ein schädigendes Verhalten kommt.


    LG Cube.

  • Hi Cube,


    also es gibt keine speziellen auslösenden "Trigger", ich hab eher das Gefühl, dass das in meinem Charakter irgendwie verankert ist. Irgendwas scheint es mir zu geben, "an den Anschlag" zu gehen. Aktuell ist es so, dass ich oft nicht genug esse. Ich hatte vor Weihnachten 5 kg abgenommen. Ich bin sehr schlank, aber nicht besorgniserregend dünn, aber ich WILL oft einfach nicht essen. Ich kann aber nicht sagen, warum das so ist. Ich kann es nicht auf Appetitlosigkeit schieben oder auf "Vergessen". Im Gegenteil: Ich spüre, wie es meinen Körper manchmal schlaucht. Ich habe heute eine Viertelportion Nudeln mit Ketchup und ein paar Stücke Schokolade gegessen. Ich weiß, dass der Tag morgen dadurch anstrengender wird, aber irgendwie habe ich das Gefühl, mir immer wieder sowas abverlangen zu müssen.

    Genauso verhält es sich manchmal mit dem Arbeiten. Ich arbeite mich immer mal wieder an meine Belastungsgrenze und putsche mich dann mit Red Bull und Medikamenten auf, um noch mehr zu schaffen. Dabei geht es nicht unbedingt um Selbstbestätigung oder Erfolg. Es geht einzig und allein darum, meinen Körper an seine Grenzen zu treiben.

    Da ich Familie habe, habe ich das alles einigermaßen im Griff, ich frage mich nur, ob das andere auch kennen und warum das so ist.

  • Hi Starbuck,

    es kann z.B. auch vor längerer Zeit einen Auslöser gegeben haben, und man steckt seitdem dauerhaft in solchen Verhaltensweisen drin.

    Du erzählst, dass dir das eine Art "Kick" gibt, somit könnte es einen Grund geben, weshalb dein Körper meint, diesen "Kick" zu brauchen und ihn sich immer wieder holt.


    Medikamente helfen, schaffen das aber nicht komplett ab...


    Medikamente beseitigen nicht den Grund, da müsste man vielleicht mit einer Verhaltenstherapie den Grund für diese Verhaltensweisen suchen und dann daran arbeiten.


    Daher auch meine Frage, ob du das schon Mal hast ärztlich abklären lassen.

  • Ja, das hab ich, ich bin eigentlich austherapiert mit 3 Jahren tiefenpsychologischer Therapie und 7 Wochen Klinik. Mein jetziger Arzt sagt, er kann mir nicht helfen, weil ich selbst ja mein Problem erkannt habe. Wahrscheinlich ist es wie immer das Problem eines negativen Selbstbilds, weil mir v.a. das Hungern gerade ein Gefühl der Stärke verleiht... Irgendwelche Tipps, die da helfen?

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