Starbuck stellt sich vor

ADHS-Zentrum ersetzt keinen Arztbesuch oder andere Fachkraft aus Pädagogik und Recht oder eine sonstige Beratung. Ob der Inhalt bei Ihnen oder ihrem Kind zutrifft, muss jeder für sich im Einzelfall abwägen und eigenverantwortlich entscheiden / prüfen lassen.
  • Hallo zusammen,


    ich bin Starbuck, 38, verheiratet, zwei Kinder mit 5 und 2, Lehrerin. Soweit ein paar Randdaten.


    Kurz vor der 1. Schwangerschaft vor 6 Jahren bekam ich die ADHS Diagnose - die Erklärung für meinen bis dahin langen Leidensweg aus Ritzen, Essstörungen, Depressionen und totaler Erschöpfung.


    Seit September bin ich wieder richtig im Job und das maßvolle Arbeiten fällt mir ziemlich schwer. Ich pendle zwischen Hyperfokus und Perfektionismus, was mir denkbar viel Zeit und Kraft raubt.


    Seit zwei Tagen arbeite ich nach Plan, damit ich nicht abschweife, im Hyperfokus versinke oder dem Perfektionismus verfalle. Es hat jetzt gut geklappt, aber in zwei Tagen geht die Schule wieder los.


    Ich hoffe, dass mir dieses Forum dabei hilft, auch bei Durchhängern dranzubleiben.


    Ich grüße euch alle!

    Starbuck

  • Hm, das klingt wie ich vor meinem Burnout. Das war vor 4 Jahren. Bzw. wie auch heute noch.


    Willkommen in der Runde,


    ich wurde im Sommer 2018 mit 45 diagnostiziert und meine Sohn vor ein paar Tagen mit 7. (Siehe meine Bloks.)


    Mir schoss eben durch den Kopf, dass es ziemlich wenige Lehrer gibt, die auf ADHS-Kinder spezialisiert sind. Dabei fällt es mir als ebenfalls Betroffenem Erwachsenen sogar sehr leicht mich in die Gefühlswelt der kleinen Rumpelstilzchen hinein zu versetzen.


    Nach Plan....: Ja, eine große Checkliste macht mir ebenfalls vieles leichter. Die abdriftenden Gedanken fangen sich irgendwann wieder und ich bekomme doch noch was fertig.

  • Dann ist das alles recht neu bei dir... Wobei ich sagen muss, dass ich das ganze Thema in der Babypause auf Eis gelegt habe und mich auch erst seit Frühjahr 2018 überhaupt damit auseinandergesetzt habe.


    Ja, deinen Blog habe ich teilweise gelesen, da geht es vorwiegend um Medikamenteneinnahme und Befinden, oder?


    Was sind deine Baustellen?


    Hast du Tipps zu meinem Arbeitsverhalten? Ich brauche das Arbeiten am Limit ja leider auch irgendwie, verstehst du?

  • Tipps sind recht schwer zu finden, da Du mit den 2 Kindern weniger gut ausklinken kannst wie ich.

    Neu:

    ADS/ADHS ist neu aber dank hoher Begabung habe ich mir in kürzester Zeit für Wissen angelesen. Die Begabung hat mit auch zu einem guten Coping verholfen, das mir vor dem Burny eine satte Karriere ermöglichte. Das Extrem gute Langzeitgedächtnis hilft mir, das neue Wissen in die Ereignisse einzubinden und so bei bisheriges Leben im Kontext besser zu ordnen und für die Zukunft andere Ableitungen zu finden als vor der Diagnose.


    Bei mir gibt es eine Sanduhr als Timer am Arbeitsplatz.

    Wichtige Themen stehen groß und sichtbar liegend auf einem Zettel und werden erst durchgestrichen, wenn erledigt.


    Falls Du mal Zeiten hast, an denen Du nicht auf die Kinder hören musst, Ohrstöpsel oder melodische Musik ohne verständlichen Text direkt auf die Ohren. Klassik in Dur treibt mich gut an, Techno sowieso, da ich in der Zeit zur Disse gerannt bin.

    Die Achtsamkeitsapp hilft mir, abends etwas runter zu kommen, da mein Hirn ständig irgendwo hin rennt und keine Bremse findet.


    Ich habe für mich beschlossen, wenn der Verlauf des ADS Einfluß auf die Familie bekommt, gehe ich in der Arbeitszeit runter oder suche mir einen anderen Job. (hätte leider immense finanzielle Folgen)

    Das kann ich Dir bzgl. Kinder und Zeitmanagement auch nur raten.


    Baustellen / Blog:

    Ja, Befinden ist das wichtigste was und AD(H)S-ler steuert. Darum liegt dort mein Augenmerk. Die Medikamente sollen mir die Basis für ein selbst bestimmtes Leben geben, in dem ich mich im Umfeld bewegen kann ohne anzuecken oder anderen zu schaden.

    Mein innerer Tag (Energietag) hat mal 16 und mal 32 Stunden. Bei 24h normalem Lebensrhythmus der Umwelt ist das natürlich kontraproduktiv. Mein Bruder lebt diesen Rhythmus aus und ist seit der Insolvenz seiner Firma komplett aus dem normalen Leben raus. Alkohol, Zigaretten, Kiffen, Verschwörungstheorien... ich versuche ihn nun mit mehr Druck zum Arzt zu lotsen, da er eindeutig wie ich tickt.


    Viele ADS-ler werden als Künstler oder Wissenschaftler glücklich, da sie sich so ganz dem einen Timing hingeben können. Den Luxus haben wir als Manager / Lehrerin leider nicht. Es bleibt als nix übrig als und per Medikamente an den Alltag des Umfeldes anzupassen.


    Hab ich was vergessen? Frag ruhig.

  • Seit September bin ich wieder richtig im Job

    Hallo Starbuck, willkommen hier.


    Ich möchte an der Stelle anmerken, das ich es beeindruckend finde, was du trotz der aufgezählten Erkrankungen in deinem Leben geschafft hast. Deinen Arbeitsplatz zu haben, die Partnerschaft, usw. Ich finde da gehört viel Stärke dazu, das trotz Ritzen, Depression, Esstörung, Erschöpfung und ADHS zu meistern.


    Hast du Bedenken das dein nach Plan arbeiten in der Schule nicht mehr klappen könnte?


    LG Cube.

  • Vielen Dank, Cube. Es war ein sehr harter und langer Kampf, aber ich hatte oft auch sehr viel Glück.


    Ja, ich habe Angst, dass ich mich irgendwann nicht mehr an den Plan halte. Dass wieder alles einreißt und ich die Nächte bis 4 Uhr morgens durcharbeite und nach 1 - 2 Stunden Schlaf in den nächsten vollen Tag gehe. Ich habe mich teilweise abends mit Elontril aufgeputscht, um nachts noch arbeiten zu können. Ich denke fast, ich bin arbeitssüchtig, weil ich das Gefühl habe, das Arbeiten am absoluten Anschlag auch irgendwie zu brauchen. Meine Familie gibt mir Halt, mein Mann fängt mich auf, aber den Weg raus muss ich jetzt alleine gehen...

  • Danke Stefan für deine Ratschläge. Ich finde es toll, wie du schon vor der Diagnose deine Stärken nutzen konntest und wie weit du es geschafft hast. Aber irgendwann streikt der Organismus einfach.


    Aktuell hilft mir einfach der Blick auf die Uhr und die Disziplin, beim Thema zu bleiben und Pausen zu machen. Ich möchte vielleicht Tagebuch führen und genau aufschreiben, damit auch mein Arbeitspensum sichtbar wird. Job reduzieren wird nicht viel nützen, da ich befürchte mich dann in Ess-Brechanfälle zu flüchten. Es gilt, einen selbstzerstörerischen Charakter in den Griff zu bekommen, da ist es egal, ob ich mich halb tot arbeite oder anderweitig kaputt mache.

  • Respekt, Starbuck!


    Du machst das sehr toll, spornt mich an, auch mehr nach Plan zu arbeiten.


    Ich habe erst kürzlich mit MPH angefangen und muss jetzt lernen, damit umzugehen.


    Da ich sehr erschöpft bin und schlecht schlafe, merke ich, dass ich einerseits konsequent Pausen einhalten muss. Evtl Medikation ändern.


    Aber auch der plötzliche Fokus erfordert mehr formale Planung, damit ich auch das Richtige zur rechten Zeit mache.


    Stefan ist wirklich ein gutes Vorbild da, auch Dir mein Respekt! Und alles Gute für Deinen Sohn, klingt aber sehr gut für den Anfang.

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