Abhängigkeit durch Amphetamin?

ADHS-Zentrum ersetzt keinen Arztbesuch oder andere Fachkraft aus Pädagogik und Recht oder eine sonstige Beratung. Ob der Inhalt bei Ihnen oder ihrem Kind zutrifft, muss jeder für sich im Einzelfall abwägen und eigenverantwortlich entscheiden / prüfen lassen.
  • Hallo zusammen.

    Mein Mann hat schon mehrere Medikamente durchprobiert.


    Sowohl ADHS-Medikamente, wie Psychopharmaka und Neuroleptika. Medikinet Adult und Strattera hatte bei ihm bis zur Höchstosis keine Wirkung, ebenso 2 SSRI (Antidepressiva) nicht.

    Bupropion wirkte und Ritalin schon ab 30mg Tagesdosis.


    Meinem Mann war die Wirkung zu wenig und anstatt das Ritalin zu erhöhen, bekam Elvanse verschrieben.

    (Er erwartet von der einer ADHS Medikation, das ihm alles ohne Mühe "zufliegt").


    Seit 2,5 Wochen nimmt er Elvanse 30mg, aber hat seit Einnahmebeginn Manisch-Depressive Phasen und seine davor schon bestehende Depression hat sich verstärkt. Die manischen Phasen waren ihm selbst aufgefallen. Der Arzt wollte Elvanse nach 1 Woche direkt auf 60mg erhöhen ohne Rücksprache, da war ich dagegen aufgrund der Symptome.


    Auch die Impulsivität und Unaufmerksamkeit hat im Vergleich zu Ritalin zugenommen. Im Vergleich zu ohne Medikation hat sich durch Elvanse die Hoffnungslosigkeit verdoppelt und die Konfrontationsbereitschaft ist gestiegen.


    Der behandelnde Arzt hat ihn regelmäßig dazu Fragebögen zur Kontrolle ausfüllen lassen.


    Trotz des Ergebnisses das Ritalin bei ihm nicht weniger wirkt als Elvanse und die Unaufmerksamkeit so ist wie ohne Medikation, will mein Mann nicht von Elvanse weg.

    Kürzlich kam als er PC spielte die Aussage, durch Elvanse fühlt er sich wie im "Turbo Modus", ihm wäre klar warum die Droge "Speed" diese Bezeichnung hat. Auch die Gewichtsabnahme als Nebenwirkung freut ihn, weil er ohne Anstrengung von selbst abnimmt. Mir erscheint das nicht nach einer verantwortungsvollen Nutzung des Medikaments.


    Hinzu kommt, wenn er z.B. durch späteres Frühstück das Elvanse etwas später einnimmt, hat er vor der nächsten Einnahme eine gereizte und, "angep*sste" Stimmung.

    Ich bin dagegen, das er Elvanse weiterhin einnimmt und habe ihm auch meinen Eindruck mitgeteilt, sowie die Ergebnisse der Fragebögen vorgelegt. Beides interessiert ihn aber leider nicht, er will keinesfalls von dem Elvanse weg.


    Kann sich da nach 2,5 Wochen schon der Beginn einer möglichen Abhängigkeit eingeschlichen haben?


    LG Cube.

  • Guten Morgen :-)


    Nein, eine Abhängigkeit ist nicht möglich.


    Wenn das schon alles versucht wurde, wie oben beschrieben, stellt sich mir die Frage, ob ADHS wirklich die richtige Diagnose ist.


    Ohne jetzt vorzugreifen, aber das macht mir eher den Eindruck von Burn-Out. Läge ADHS vor, hätte irgendein Medikament deutlich anschlagen müssen.


    Ich glaube, ihr seid auf dem falschen Dampfer. Ich würde als Erstmaßnahme mal den Arzt wechseln, und dem neuen Arzt (zunächst) nichts vom bisherigen Werdegang erzählen. Dann mal schauen, was der dazu sagt.

  • Mh, danke erst Mal.

    Ich habe in anderen Berichten von ADHS Betroffenen gelesen, das es Menschen geben soll, die nach ihrer Erzählung auf Mehtylphenidat wohl einfach nicht ansprechen. (Mir fällt dazu gerade der dort genannte "Fachbegriff" nicht ein).


    Wie gesagt, Ritalin wirkte, sehr angenehm und alltagstauglich. Es war aber meinem Mann zu wenig, was nicht heißen muss, dass es tatsächlich "zu wenig" wirkte.


    Der Arzt in der ADHS-Ambulanz der das Elvanse verschrieb, schloss eine Abhängigkeit durch das Medikament nicht pauschal aus.

    Entsprechendes sagt auch der Beipackzettel: "Stimulanzien einschließlich Elvanse haben ein Potenzial für Missbrauch, Fehlgebrauch,. Abhängigkeit und Zweckentfremdung" Weshalb man das Medikament bei einer vorab bestehenden Abhängigkeit u.U. nicht bekommen kann.


    Ich möchte hier bitte auch nicht über die Richtigkeit oder evtl. nicht Richtigkeit seiner Diagnose urteilen.

    Evtl. findet sich sogar keine befriedigende Antwort hier im Forum. Eigentlich könnte ihr ein erfahrender Mediziner helfen, doch die sind leider rar in Dt.

    Das fände ich auch gar nicht schlimm, ich bin nicht mit dieser Erwartung her gekommen.

    Mit den Medizinern...ja, da haben wir leider über die Jahre schon verschiedenste Erfahrungen sammeln dürfen. Bis zur Unehrlichkeit "Außer Medikinet Adult gibt es für Erwachsene kein ADHS Medikament" (von einem Psychiater/Neurologe behauptet).

  • Ich möchte hier bitte auch nicht über die Richtigkeit oder evtl. nicht Richtigkeit seiner Diagnose urteilen.

    Ich würde mir darüber durchaus Gedanken machen. Man kann sich nicht auf der einen Seite darüber beklagen, das nichts die gewünschte Wirkung hat. Und auf der anderen Seite ist man nicht bereit, zu überlegen, ob man mit der Diagnose überhaupt richtig liegt.


    Wer Schnupfen hat, klebt sich ja auch kein Pflaster aufs Knie, und erwartet dann Besserung.


    Ein Missbrauch, Zweckentfremdung, etc. ist mit jedem Medikament möglich. Man denke nur mal an das Abhängigkeitspotential von Nasenspray. Wobei wir auch unterscheiden müssen zwischen Amphetamin und Methylphenidat. Bei letzterem gibt es bis heute keinen Fall von Abhängigkeit.


    Nicht umsonst werden ADHS-Medikamente gewöhnlich eingeschlichen, um die richtige Dosierung zu finden. Wenn Ritalin (Adult?) also eine Wirkung zum Besserung hatte, warum hat man da nicht weiter gemacht? Die erforderliche Dosis kann schon auch mal Katz und Maus mit dem Patienten spielen. Da muss man durch. Und es braucht seine Zeit. Ein Schritt zurück, könnte also auch richtig sein.


    Man wird um einen Arztbesuch und einen Richtungswechsel nicht herum kommen. Die jetzige Situation ist ja offenbar nicht zufriedenstellend.

  • Man kann sich nicht auf der einen Seite darüber beklagen, das nichts die gewünschte Wirkung hat. Und auf der anderen Seite ist man nicht bereit, zu überlegen, ob man mit der Diagnose überhaupt richtig liegt.

    Hallo negteit.

    Wie gesagt kann es auch bei AD(H)S Betroffenen vorkommen, das Methylphenidat nicht anschlägt. Das alleine ist kein Grund um an der Diagnose zu zweifeln.

    Stellenweise ließt man auch davon, das MPH selbst bei Menschen ohne AD(H)S wirken würde. Und da manche Antidepressiva bei ihm auch keine Wirkung zeigten, kann die nicht-Wirkung von MPH auch einen anderen Grund als "kein ADHS" haben.


    In beiden Beiträgen schrieb ich zudem, das Ritalin sehr wohl wirkte. Ob etwas die "gewünschte" Wirkung hat, hängt auch von der Erwartung ab. Bei einer unrealistischen Erwartung wird kein Medikament die "gewünschte Wirkung" bieten können.


    Das ich dazu nicht bereit wäre, ist eine haltlose Unterstellung. Seit 2014 habe ich etliche Male Zweifel daran aufkommen lassen und diese, mit Zustimmung meines Mannes, ärztlich abklären lassen. Ob Schilddrüse, Testosteron- und andere Hormonwerte, MRT des Gehirns, Klinefelter, Hochbegabung, mehrere ADHS-Ambulanzen für eine Zweitmeinung und psychiatrische Abteilung von Unikliniken zur "neutralen" Diagnostik.


    Je nach Arzt bekommt man ADHS diagnostiziert, oder beim nächsten Arzt doch wieder ausgeschlossen. Manche Ärzte halten ADHS für Persönlichkeitsmerkmale oder verharmlosen es, andere fahren diagnostisch und thematisch total darauf ab. Das führt zu nichts.


    Wenn Ritalin (Adult?) also eine Wirkung zum Besserung hatte,

    Die Fragebögen belegen das zusätzlich schwarz auf weiß.

    Es war die Entscheidung des Arztes, anstatt das Ritalin zu erhöhen, das Elvanse zu verordnen. Warum? Das ist eine der Fragen, die ich mir auch stelle. Wir haben Ende nächster Woche wieder einen Termin dort und ich werde da das Ein- oder andere kritisch ansprechen.


    Mein Mann drängte schon vorher auf das Amphetamin, vorherige Psychiater waren aber nicht bereit etwas "off-label" zu verordnen und lehnten es deshalb ab. Der aktuelle Arzt hätte sich vor der Verordnung des Elvanse, nach meiner Ansicht, erst Mal die Ergebnisse der Fragebögen ansehen sollen. Aber an der Vergangenheit lässt sich nichts ändern.

    Ein Schritt zurück, könnte also auch richtig sein.

    So wäre auch mein Eindruck, zumal die psychischen Nebenwirkungen bei ihm, nach meiner Ansicht, zusätzlich eher gegen eine weitere Elvanse Einnahme sprechen würden. Ist nur letztlich alles nicht meine Entscheidung und ein Arzt wird vorrangig nach der Beschreibung und dem Eindruck des Patienten vorgehen, anstatt nach der Meinung von Angehörigen.

  • "MPH-Nonresponder" war der Fachbegriff der gesucht wurde.

    Ob das Stimmt könnte man tatsächlich nur mit Auslasstest bzw. einem anderen Medikament heraus finden.

    Übrigens liegen AD(H)S und Burnout gar nicht so weit auseinander. Das Coping eines unbehandelten Erwachsenen kostet viel Kraft und Endet im E-Fall im Burny (siehe ich)


    Trotzdem bleibt m.E. nur der Weg über einen erf. Mediziner, der mit Medikamenten die Basis für eine Therapie schafft, die es dem Patienten ermöglicht, die über viele Jahre erlernte Fehlprogrammierung des Copings wieder abzutrainieren und so in ein normales Leben -ohne Vollgas und auf die Fresse fallen- zurück zu finden.

    Ich beginne in zwei Wochen eine Ergotherapie, die mir in Schritten die Selbststeuerung zurück bringen soll.

  • Dieses Thema enthält 14 weitere Beiträge die nur für registrierte Benutzer sichtbar sind, bitte registrieren Sie sich oder melden Sie sich an um diese lesen zu können.