• Hallo,


    ich möchte mich bzw. uns kurz vorstellen.


    Ich, voraussichtlich mal ADHS oder ADS, aber milder ausgeprägt. Die Konzentration und Impulsivität sind auf jeden Fall

    betroffen. Momentan voll berufstätig, ein Teilzeitstudium... Sodass ich wirklich ausgelastet bin.


    Unser Zwerg, 12 Jahre alter Sohn, den wir natürlich überalles lieben, trotz der sehr stark ausgeprägten ADHS, alle Bereiche

    betroffen. Er hat eine Medikation seit Jahren und alle "Pausen" scheitern grandios nach einer kurzen Zeit. Der Nachwuchs

    ist aber so gut reflektiert, dass er seine Medikation im Alltag nicht vermissen will. Über diese Meinung war ich vor kurzem

    sehr überrascht. Die Medikation ist hauptsächlich für die Schule da, weil ansonstens würde einfach nichts funktionieren.

    Ansonsten kommen momentan Ju-Jutsu, Gruppenergo und Psychotherapie in längeren Abständen dazu. Gelaufen sind

    u.a. Frühförderung, Einzelergo, Neurofeedback, Reittherapie...


    Der Alltag läuft im Grossen und Ganzen mal besser und mal weniger gut. Mein Mann leistet eine ganze Menge dazu...

    Vor kurzem auch mit einem Hund, der zu uns passt. :)


    So sieht es bei uns aus. Eine fröhliche Weihnachtszeit an allen Mitlesern.



    LG

    Jenni

  • Willkommen in der Runde,


    und danke für die ersten Infos.

    Wenn es kein Leid an den eigenen Defiziten gibt, kann man als Betroffene/r bestimmt ohne Diagnose, Therapie oder Medikation leben.

    Zumindest bis (wie in meinem Fall) das Kartenhaus zusammen fällt.


    So man/Frau/Kind aber in der Lage ist, sein Verhalten und Alltag zu reflektieren bzw. daran leidet, sollte man (wie oben beschrieben) die Möglichkeit zur Medikation geben.

    Nach meiner Erfahrung, je gleichmäßiger desto besser.

    Leider wird der Rebound von Nichtbetroffenen sehr unterschätzt.


    Nach wie vielen Sitzungen hat sich die Wirkung des Neurofeeback bemerkbar gemacht und welche Wellenbereiche wurden behandelt?


    VG

    Stefan

  • Guten Morgen und vielen Dank,


    meinerseits kommen meine Familie, Umfeld und ich gut mit dem Leben klar und es ist eher meine Vermutung, dass ich voraussichtlich auch eine von den Varianten habe. Es spricht so einiges dafür. :)


    Es ist nicht schön solche Erfahrungen haben, wenn es nicht funktioniert und alles zusammenbricht. Das tut mir sehr leid!


    Ja, das stimmt. Jeder soll die Möglichkeit dazu haben, aber auch nicht gezwungen werden. Ich erlebe beide Varianten, wo ich für mich sage, dass die Person von aussen betrachtet davon profitiert. Unser Sohn sagt sehr deutlich, dass er davon profitiert. Egal, in welchen Situationen. Interessant ist auch wie er sein Empfinden morgens beschreibt als die Medikation anfängt zu wirken. Er ist wirklich sehr stark betroffen und hat ohne enorme Probleme. Im Freizeit/ in den Ferien kann die Dosierung aber verringert werden. Das schafft er aber dann auch ganz gut. Rebound - tja, einige, höre ich immer wieder, streiten es ab. Bei uns kann ich nur deutlich sagen, dass es ihn gibt. Ich glaube auch, dass nur jemand, der das selbst erlebt, beschreiben kann. Ich habe nie Medikamente ausprobiert und kann nur die Erlebnisse des Kindes zurück greifen.


    Neurofeedback: Es wurde die Standardvariante benutzt. Nach meines Wissens sprechen wir dann primär von den Beta-Wellen. Ob es bei unserem Kind geholfen hat - ja, würde ich sagen, aber ich könnte nicht sagen wie lange es gedauert hat, weil es gibt keinen Aha-Moment dafür. Wir haben es ziemlich lange gemacht. Das Kind beschrieb die Sitzungen sehr anstrengend, weil er so still sitzen muss und eine weitere Phase ist für einen späteren Zeitpunkt noch angedacht. Ich persönlich finde NF als sinnvoll und hilfreich, aber es ist für mich ein Puzzlestein mit den anderen Therapie gemeinsam.

    Ich würde auch sagen, dass es keine Wundertherapie mit Erfolg in drei Sitzungen ist. Aber ich meine es gibt auch Studien, die gute Erfolge in relativer Kürze belegen. Mit denen habe ich mich aber in letzter Zeit nicht so viel beschäftigt.

  • "...Puzzlestein..." ist das wichtige Zauberwort.


    Ich lese leider immer wieder von Eltern die mit einer Packung Pillen und guten Ratschlägen nachhause geschickt werden. Keine begleitenden Therapien, keine Überwachung, kein Feedback.


    Genau so kommt es zu den vielen Fehlurteilen über UNSERE Störung und die damit zusammenhängenden Medikamente.


    Die Wichtigkeit des individuellen Zusammenspiels verschiedener Ansätze ist elementar und Zielführend. Genau dass ist bei vielen Eltern, Ärzten, Lehrern und Medienvertretern noch nicht angekommen.

  • Da kann ich nur zustimmen! Eine Therapieform funktioniert gefühlt wenig und ich vertrete die ganzheitliche Betrachtungsweise. Manchmal hat man das Glück und man trifft die Lehrkraft oder den Mediziner etc. Aber eine gesellschaftliche Veränderung ist immer langsam und diese geht momentan wohl ganz eigene Wege. :/


    Wir hatten wohl sehr viel Glück, dass wir während der Grundschule eine super Lehrkraft an der Seite hatten, einen tollen Artz, gute Therapeuten... Die auch bereit dazu waren, viel Zeit und Kraft dazu zu investieren. Jetzt in der weiterführenden Schule ist es manchmal bezüglich der Lehrkräfte etwas holperig, aber insgesamt läuft es augenblicklich im Vergleich zu Jahren davor sehr gut.


    Ich möchte aber nicht sagen, dass der Alltag dennoch nicht immer jeden Tag super läuft... ;) Aber es geht voran und das Netzwerk funktioniert auch momentan ganz gut.

  • Da kann ich nur zustimmen! Eine Therapieform funktioniert gefühlt wenig und ich vertrete die ganzheitliche Betrachtungsweise. Manchmal hat man das Glück und man trifft die Lehrkraft oder den Mediziner etc. Aber eine gesellschaftliche Veränderung ist immer langsam und diese geht momentan wohl ganz eigene Wege. :/

    Auf die gesellschaftliche Veränderung würde ich lieber nicht warten. Besser, man geht seinen eigenen Weg, oder findet einen für sein Kind. :-)


    Ich finde Krankheit ist Privatsache. Je mehr davon wissen, desto angreifbarer macht man sich. Das ist jedenfalls meine Erfahrung.


    Trobsdem: Herzlich Willkommen auch von mir nochmal. :)

  • Guten Morgen,


    ja, da ist was Wahres dran.


    Jeder geht damit wohl anders um und soll auch das Recht dazu haben. Ich glaube ADHS ist bei Kindern akzeptierter als bei Erwachsenen. Es ist allerdings nur meine subjektive Gedanke dazu. Es kann sein, dass es ganz anders ist. In der Schule sind wir damit sehr offen umgegangen mit recht guten Ergebnissen. Seine ADHS ist nicht zu übersehen und dadurch konnten die anderen Kinder deutlich leichter damit umgehen. Die Eltern manchmal weniger. Lustigerweise z. B. bei den Ausflügen waren häufiger andere Eltern als Begleitpersonen dabei und dann zeigten sich meistens die anderen Kindern ganz anders und unser hat sich prima angepasst. Wenigstens überwiegend und bis er nicht mehr konnte. Von solchen Situationen haben wir öfters sehr überraschte Rückmeldungen erhalten. Er bemüht sich, kann nur nicht immer und definitiv nicht jeden Tag. Mittlerweile habe ich in der jetzigen Schule das Gefühl, dass die ADHS schon fast "salonfähig" geworden ist. ;)

    Aber man kann nicht immer allen gefallen und wer als Freund bleiben will, bleibt auch so. Zwingen kann man niemandem. Generell stimme ich dem dennoch zu, dass eine Krankheit eine Privatsache ist und dass die Angriffsfläche bei der Offenheit größer wird. :/:)


    Vielen lieben Dank! :thumbup::) Und einen schönen Montag!

  • "...Ausflügen ... Eltern als Begleitpersonen..." das war auch für mich als Elternteil interessant, wenn ich an die Wandertage der letzten Jahre denke. (bin recht stark engagiert) Das eigene Kind ist durch die Aktivierung / Bewegung eher ausgeglichen, während andere problematischen Verhaltensmuster entwickeln, die man bisher nicht kannte oder vermutet hätte.


    Natürlich verfällt man dann als Betroffener wieder in endloses Grübeln und verrennt sich in Aktion- bzw. Reaktionsaktionen gegenüber den Eltern dieser Kinder. (Mitteilung, Hilfsangebote, ..) die man am Ende doch selbst nicht leisten kann.


    Mein Hirn kann halt nicht still sitzen ;)

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