• Hallo,

    möchte mich nun auch kurz vorstellen. Bin 52 und habe vor ca. einem halben Jahr nach einigen Tests die Diagnose ADHS bekommen. Ich bin immer noch sehr beeindruckt davon, wie all meine großen Probleme in diese schlichte Diagnose passen. Die ganzen Schwierigkeiten erklären sich so im Nachhinein. Und natürlich ist es auch bitter, weil vieles mit der richtigen Diagnose hätte anders laufen können.

    Im Moment laboriere ich noch mit der richtigen Medikation herum (z.Z. morgens 1x 54mg Concerta und 10 mg Medikinet adult).

    Damit komme ich gut über den Tag, glaube aber, dass 34 mg concerta und 10 mg Medikinet ausreichen würden. Allerdings bin ich ab ca. 19:00 komplett erledigt, was für meine Kinder und natürlich für mich, suboptimal ist.

    Ich freue mich auf den Austausch hier.

    Liebe Grüße

    Alaska

  • ...und schon hast Du einen zum Austausch gefunden... einen Gleichgesinnten.


    Hallo Alaska,


    ich bin dieses Jahr selbst mit 45 diagnostiziert worden und mein Sohn (7) ist noch in der Anamnese / Diagnostik.


    Nun sind die vielen Merkwürdigkeiten des bisherigen Lebens erklärbar. Meine Medikation kannst Du im Erwachsenforum verfolgen.


    Sind Deinen Kinder auch betroffen?

    Gibt es auch begleitende Therapien?


    VG

    Stefan

  • Hallo Stefan,

    also zertifiziert, einer von vier :)

    Irgendwie liegt es auf der Hand, sich die Kinder, resp. ihre Probleme auch nochmal unter diesem Apekt anzuschauen...und da gab es dann tatsächlich einen Treffer.

    Mein Sohn (14) nimmt seit ca. 2 Monaten Medikinet retard und macht zur Zeit keine Therapie. Er hatte immer sehr gute Kompensationsstrategien und eine enorme Frustrationstoleranz, konnte also ganz gut mit seinen Problemen umgehen, so ein freundliches, hibbeliges, kleines Kerlchen, superschlau aber Notentechnisch immer am unteren Limit. Am ersten Tag seiner Schulkarriere kam er nach Hause und verkündete, dass Schule scheiße ist, aber er das jetzt durchziehen würde.

    Hat er dann auch gemacht.

    Im letzten Jahr ist mein Mann gestorben. Das hat uns komplett aus der Bahn geworfen und all unsere schönen Konzepte mit unseren Macken und Schrägheiten umzugehen, bröselten weg. Wir hatten einfach keine Kraft mehr, um mit Struktur und Witz und Nachsicht auf unsere Probleme zu reagieren.

    Mein Sohn hat sich mit einer Psychotherapie gut stabilisiert, ist nach dem Sommer vom Gymnasium (Schnelllernerklasse) auf eine Sekundarschule mit gymnasialer Oberstufe gewechselt... dort wurde es ihm nochmal deutlicher (und für mich mit meiner Diagnose dann sowieso) womit er immer schon zu kämpfen hatte. Test und Diagnostik waren nur eine Bestätigung.

    Mit dem Medikament kommt er sehr gut klar. Er staunt auch fast täglich über die Veränderungen und die Möglichkeiten, die das Medikinet ihm bietet.

    Beste Grüße,

    Alaska

  • Schön, dass es auch aus den Reihen der Kinder positives Feedback gibt. Im Gespräch mit nicht Betroffenen schlägt mit eigentlich immer der "Ritalin-Mythos" entgegen. Wenn die dann hören, dass ich es selbst nehme und damit gute Erfahrungen habe schauen sie ungläubig.


    Die fehlenden oder Fehlinformationen in der Gesellschaft aber vor allem bei Ärzten, Schulen und Kindergärten sind immens. Sobald ich stabil bin, werde ich wohl für ADHS-Detschland e.V. aktiv werden. Das kann so nicht bleiben.

  • Ja, Stefan, das sehe ich auch so.

    Ich diskutiere nicht mehr mit Leuten bzw. rede nur noch mit unvoreingenommenen Freunden, die unsere Entwicklung wohlwollend betrachten. Das ist ein bisschen so wie mit den absoluten Impfgegnern, da sind Austausch und echtes Interesse an dem Thema in der Regel nicht möglich/vorhanden...geht oft nur ums rechthaben.

    Brauche ich nicht!

    Und ja, Aufklärung, Information ist wichtig als Grundlage (gern auch für Debatten).

    Ich erlebe es oft, auch bei anderen Themen, das man als Betroffene/r nicht ernst genommen, eigenes Erleben belächelt wird und als Argument für oder gegen etwas nicht zählt.

    Natürlich ist unsere Erfahrung mit den Medikamenten sehr subjektiv, aber warum auch nicht... wenns hilft, ist es doch gut. Das so erstmal stehen zulassen benötigt eigentlich nur erstmal Akzeptanz und Repekt vom Gegenüber.

    Nachdem ich gestern viel über deine Erfahrungen mit Ritalin gelesen haben, danke dafür!, werde ich morgen auch einen Versuch damit starten. Mein Arzt hat Gott sei Dank die Haltung, dass ich die Expertin für mein Wohlbefinden bin und sieht sich da eher als Berater mit Fachwissen.

    Bin sehr gespannt.