Vorstellungsthread Erwachsene

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  • Moin,


    ich bin der Live, 50 Jahre jung, komme aus Hamburg und habe seit meiner Kindheit ADHS.

    Leider wurde ich erst im August letzten Jahres auf Erwachsenen-ADHS diagnostiziert.


    Nachdem mein Leben mit Schwierigkeiten und Konflikten übersäht war, hat sich seit der Diagnose viel für mich getan.

    Ich bin medikamentös eingestellt und habe eine Verhaltenstherapeutin gefunden, die meine ADHS-Symptome behandelt.

    Beruflich starte ich einen Neuanfang und es geht mir so gut wie lange nicht mehr.


    Vorher war ich im Forum adhs-chaoten.net. Das schließt leider zum 30.06.18 und ich war auf der Suche nach einem passenden Forum.

    Im Ersten Forum, wo ich mich angemeldet habe, herrschte ein rüder Umgangston, der mich aus dem Forum trieb.

    Das zweite Forum war nicht so aktiv wie ich mir das vorgestellt hatte. Deshalb ziehe ich mich da auch zurück.


    Nun hoffe ich, dass ich hier meine neue Heimat finden kann.

    Das Forum scheint mir noch sehr jungfräulich zu sein und so kann ich mich gut einbringen.


    Allen Usern sage ich ein " herzliches Willkommen meinerseits".


    Viele Grüße

    Live

  • Mit 45 Jahren bin ich nun „Neuling“ mit der Diagnose „ADS“ und werde voraussichtlich auch meinen 7-jährigen Sohn nach abgeschossener Anamnese in diesem Kreis „begrüßen dürfen“. (Beide mit eingeschränktem verschieden starkem „H“)

    Nun bin ich auf der Suche nach „Leidensgefährten“ in der Region Jena / Stadtroda, mit denen ich Erfahrungen zu den verschiedenen Fassetten der Problematik austauschen und mir auch etwas abschauen kann.


    Das Betrifft sowohl Mich als auch meinen Sohn und im Speziellen die Interaktion zwischen uns beiden „Vorbelasteten“ mit Blick auf die Schule, Emotionen bzw. kleine Hilfen, wie ein ADS-ler trotzdem lernen kann, usw.


    Auch das Thema Medikation hinsichtlich Präparat, Dosierung und Nebenwirkungen (Sohn / Vater) würde ich mich gern mit „Erfahrenen“ austauschen.

    In meiner Schulzeit (POS in Jena) wäre völlig undenkbar gewesen, dass ich mal zu Energiewirtschaftlichen Themen publiziere oder mehr als nur „Hilfsarbeiter“ werde. An Abi und Studium war trotz Neugier und Interessen nicht zu denken. Erst mit dem PC und dem WWW hab ich die nötigen „Werkzeuge“ zur Kompensation meiner Defizite gefunden und bin gleich mal übers Ziel hinaus geschossen.


    Die diverse Wege, um die Probleme herum haben mich bisher sehr viel Kraft gekostet und 2014 auch einen Burnout mit Krankenhausaufenthalt produziert, da ich wegen der vielen positiven Bestätigung keine Grenze mehr gefunden habe. („Managersyndrom“)


    Bin gespannt auf das, was ich hier erfahre und gern zu Auskünften bereit.


    Euer Stefan

  • Hallo zusammen,


    ich bin Sandra, 40 Jahre jung und wohne in Dresden. Ich selber habe (soweit ich weiß!) kein ADHS, aber mein Sohn (8J) ist betroffen. Seine Hyperaktivität und Impulsivität sind sehr ausgeprägt.


    Unser Sohn ist äußerst kreativ, wissbegierig, lebhaft und kann selten still sitzen. Er geht an eine Förderschule für Kinder mit sozial-emotionalen Schwierigkeiten. Anfangs hatte wir große Bedenken, ob dies die richtige Schule ist, aber es funktioniert weitesgehend:

    * maximal 10 Kinder pro Klasse und 2 Pädagogen pro Klasse

    * tägliche Rückmeldungen über den Tag im Hausaufgabenheft über Smilies (dieses Schuljahr überwiegen die Lachenden!)

    * erst bei größeren Schwierigkeiten erfolgt ein Eintrag ins "Muttiheft"

    * Hortbetreuung direkt im Schulgebäude

    * Unterrichtsstoff wie an jeder Grundschule plus Zusatzfächer: Rhythmisch-Musikalische Erziehung und Psychomotorik in der 1.Klasse


    Mit dem Lernen an sich hat unser Sohn kaum Schwierigkeiten. Meist sind es eher unvollständiges Lesen / Unaufmerksamkeiten, die zu Fehlern führen. Seine große Leidenschaft ist Mathematik - da geht es ihm zu langsam. Seinen Ruhepol findet er im Lesen: Comics, Science Fiction, Krimis, ... Sobald er ein spannendes Buch in der Hand hat ist er weg - lesen - 2 Stunden sind da kein Problem! Aber wehe, er soll das Lesen für ein unliebsame Aufgabe unterbrechen - dann ist Streit oft vorprogrammiert.


    Mein Mann und ich lernen noch, wie wir besser auf unseren Sohn eingehen können und wie wir ihm helfen können seinen Weg zu gehen. Manchmal sind wir uns uneinig und manchmal springt uns auch unsere Erziehnung dazwischen. Wir sind auf dem Weg ruhiger und gelassener zu werden - akzeptieren wie er ist.


    Ich bin gespannt auf interessante Diskussionen in diesem Forum und hoffe viel zu lernen.


    Gruß Sandra

  • Hallo Zusammen,


    Ich bin gerade hier her gekommen, und stelle mich mal vor:

    Ich bin finckla, 52 Jahre, habe ADS, nehme z.Z. keine Medikamente dafür,

    bin EU-Rentnerin und wurstel mich so durch meinen verschusselten Alltag.

    Meine beiden ADS/ADHS - Söhne sind inzwischen erwachsen

    und der letzte ist auch auf dem Absprung aus der Familienwohnung.


    Ich komme, wie vermutlich noch einige mehr, aus dem ADHS-Chaoten-Forum,

    das in den nächsten Tagen zu einer Informations-Seite umfunktioniert wird.


    Wer Ermunterung und neuen Mut braucht, darf mich gern anschreiben :)


    Seid nett zu euch selbst

    Liebe Grüße

    finckla

  • Hallo finckla,


    eine Mutter mit 32-jährigem "Kind" hatten wir gestern in der SH-Gruppe in Jena.

    (Findet nicht in ein geregeltes Leben)

    Diese Perspektive war wirklich heftig, da ich bisher sicher war, meinem Junior (7) bei der Lösungen helfen zu können, so dass er sich so "normal" entwickeln kann wie ich (45, AD(H)S, bisher beruflich erfolgreich )


    VG

    Stefan

  • Lieber Stephan,


    ich bin bei der Förderung meiner Jungs immer von diesen Fragen ausgegangen:

    "Was möchtest du machen/erreichen?"

    "Was brauchst du dazu?"

    "Brauchst du dafür Hilfe, welche und wo findest du die?"


    Und ich habe oft auf die "persönliche Tagesform" hingewiesen:

    "Ja, normalerweise kannst du super rechnen, wenn das heute nicht so gut geht,

    dann ist es morgen ganz sicher besser, versuche den Tag mit weniger Vorhaben zu beenden und hole es eben morgen nach, Du weißt ja, du kannst es eigentlich"


    So lässt sich das ADS gut annehmen und ausgleichen.

    Eigene Lösungswege finden und es als Teil von sich selbst annehmen.


    Wer heute meine Jungs fragt, ob sie AD(H)S haben oder damit Schwierigkeiten hätten,

    wird zu hören bekommen "Habbisch nisch" ^^


    Ich gehöre ja auch zu den ADS-lern, die als Kind dafür heftig gerügt wurden:

    "Konzentrier dich doch mal, reiß dich zusammen, so schwer ist das doch nicht,

    Hör auf zu träumen, hier spielt die Musik usw."

    Das hat mich verunsichert und noch ungeschickter gemacht.

    Weil es eben nicht geht, auch wenn man es noch so gern möchte (was einem damals nicht geglaubt wurde).


    Inzwischen gibt es so viele gute Hilfsmittel Kindern Inhalte be-greifbar zu machen,

    Informationen und Fähigkeiten sicht- und fühlbatr zu machen,

    wie es unseren Eltern nicht zur Verfügung stand.

    Für das Zeitgefühl kann man inzwischen Sanduhren in beliebiger Zeitdauer kaufen,

    von 3 Minuten bis hin zu einer Stunde.

    Wer dann 1 Stunde PC spielen darf, kann mit einem Blick sehen,

    wie lange dafür noch Zeit ist.

    Finde ich ziemlich hilfreich...beobachten zu können,

    wie Zeit tatsächlich vergeht...


    Sei nett zu dir selbst

    Liebe Grüße

    finckla

  • Hallo finckla,


    die Situation "Tagesform" hast Du eben gut beschrieben. Genauso sind meine Frau und ich unterwegs. Sehr oft aber eben auch unzufrieden, weil so viel liegen bleib oder seit Jahren "die zwei letzten Schrauben noch nicht festgedreht" sind.

    Meine Idee mit der "offene Punkte Liste" boykottiert der Rest der Familie. Mir würde sie helfen.


    Die Medikation soll sowohl bei mir, als auch bei meinem Sohn nur so weit gehen, dass gravierendsten Mängel im Zaum gehalten werden. "Tuning" muss nicht sein und ich bin froh ein Kind zu haben, das -wie ich- einfach nie Langweile hat. Der Rest der Runde weiß bestimmt, was ich meine.


    Ich bin gespannt, was ich hier noch so alles lese und erfahre.


    VG

    +einen sonnigen Tag

    Stefan

  • Lieber Stefan,


    wenn dir diese "offene Punkte-Liste" hilft,

    dann führe die doch über die Notizzettel-Funktion oder den Terminkalender in deinem Handy...

    Lass dich akustisch erinnern (z.B. Samstags, 10.00 Uhr Baumarkt)

    Und wenn deine Liste dich anklingelt, dann such dir Mitstreiter aus der Familie für dein Vorhaben.

    Vielleicht lässt sich so was erreichen.


    Ich wünsch dir viel Erfolg

    (ohne meine Handy-Notizen wäre ich aufgeschmissen, ich nutz das als "mobilen Kopf" ;))


    Sei nett zu dir selbst

    Liebe Grüße

    finckla

  • Hallo finckla,


    die OP-Liste bezieht sich nur auf Haus und Hof. Also Aufgaben die beide betreffen.


    Die Funktionen des Mobifons und Outlook am PC nutze ich für mich selbst schon seit 1998 exzessiv. Auf der Fahrt im Auto mache ich per Telefon Sprachnotizen auf dem AB usw.. Alle Temine liegen vernetzt auf Arbeit, zuhause und im Mobi als Termin.


    Allein, die wirklich wichtigen Sachen dann auch zu machen, fällt mir schwer. Den inneren Schweinehund zu beschei... gelingt mir sehr oft nicht.


    Hier hoffe ich auf die Medi, die mir da vlt eine Brücke baut und vor allem auch die Konzentration gibt. eine Arbeit zuende zu führen und nicht beim Beet umgraben plötzlich die Fensterrahmen zu streichen;)


    VG

    Stefan

  • Lieber Stefan,


    damit habe ich auch immer und immer wieder zu kämpfen...Dinge nicht beenden zu können.

    Erst habe ich versucht, das irgendwie zu schaffen...mir nur eine Arbeit vorgenommen und die dann erst beenden (wollen), bevor ich etwas Neues anfangen wollte,

    Nur hat das gar nicht funktioniert.

    Ich hab mich selbst dafür unter Druck gesetzt und kritisiert, dass ich es einfach nicht geschafft habe,

    die begonnene Aufgabe in absehbarer Zeit zu beenden.

    Der Drang abzuschweifen war mir mit meinem verträumten

    und schnell gelangweilten ADS, einfach zu stark.

    Auch "besondere Strategien", erlernte, konnten mir dabei nicht wirklich helfen.


    Dann habe ich es mal mit "Akzeptanz" versucht,

    frei nach dem Goethe-Zitat:

    "Bei allen Vorhaben, die ich habe, ist es mir nur möglich all dies zu schaffen, indem ich Ordnung halte in allen Dingen"

    Ich habe dies so verstanden, dass Goethe an mehreren Projekten gleichzeitig, aber mit einer gewissen Planung, gearbeitet hat.


    Jetzt nehme ich mir höchstens 5 Dinge gleichzeitig vor, unter denen ich dann wechseln kann und sie so, Stück für Stück parallel, voran bringe,

    bis dann tatsächlich am Ende des Tages 3 Arbeiten abgeschlossen sind.


    Die übrigen 2-4 offenen Projekte nehme ich mit in den nächsten Tag.


    Ich versuche nicht mehr gegen dieses auftretende Abschweifen anzugehen,

    was mir nicht gelingt, sondern mit der Ablenkbarkeit zu agieren.


    Wenn ich 1 Std. Rasen gemäht habe, erst die Hälfte gemacht ist,

    mein Blick dann aber auf die Erdbeeren fällt,

    die unbedingt bald geerntet werden sollen,

    dann gebe ich dieser Ablenkung nach, pflücke für 30 Minuten Erdbeeren,

    bis ich fast fertig bin und mir dann doch auffällt, dass die Rosen geschnitten werden müssten.

    Wenn ich das noch hinzunehme, weiß ich aber:

    das ist jetzt mein 3. Vorhaben und ich muss nach dem Rosenschnitt

    an der 1. Aufgebe (Rasen-mähen) weitermachen.


    Und bei mir funktioniert das wirklich.

    Ich kann nach dieser 2. Ablenkung wieder mit mehr Lust an das restliche Rasenmähen gehen, als wenn ich mich gezwungen hätte,

    diese unwiderstehlichen Ablenkungen zu unterdrücken.


    Also wo immer es möglich ist, mit und nicht gegen die eigenen AD(H)S-Symptome handeln,

    finde ich erfolgreicher...


    Sei nett zu dir selbst

    Liebe Grüße

  • Oh, dann habe ich unbewusst die richtige Lösung gefunden.


    Nur mein Umfeld ist da noch etwas kritisch. (Schwiegereltern ca. 80) im selben Haus.


    Ich pflastere den Weg, sähe Rasen, schleife die Balken des Fachwerkes ab und weiß, das noch Kindersachen (bis Gr 122) verkauft werden und die Scheune aufgeräumt werden müssten. Zwischen drinnen mit dem Traktor über den Rasen und die Kantenschneiderei wird immer wieder verschoben.

    Nebenher noch Caches bauen für das GC und die Schnitzeljagd der Klasse des Sohnes vorbereiten...

    Meine Frau kommt damit scheinbar klar, ist aber vermutlich auch ADS und fängt noch bedeutend mehr Projekte an, die sie nicht vollendet. (leider auch mit Lebensmitteln die dann schlecht werden)


    Wir haben aber eben auch einige "Projekte" die schon seit Jahren stehen geblieben sind und wieder andere, die nur saisonal zu bearbeiten sind. Da ärgere ich mich dann "kurz vor knapp" drüber.


    Aber über den Dialog hier komme ich mehr und mehr zu dem Schluss, meine Frau Richtig Arzt zu drängen.

    Ich selbst versuche so wenig wie möglich neue Themen zu beginnen während sie da scheinbar keine Hemmungen hat.

    Wir haben drei "Geschenkeschränke" mit Zeug, das irgendwann mal für jemand gekauft wurde und nun da liegt. Nuckel für Nichten die bald erwachsen sind.

    Gläser für Omas die längst verstorben sind und so nen Kram. Ihr Bastelschrank quillt vor Projekten über und ich darf nix anfassen.

    Gleichzeitig haben wir in der Küche verkehrte Welt. Ich bin der, der das Geschirr von der Platte in den Spüler räumt und dafür sorgt, das die Reste vom Mittagessen im Kühlschrank landen. Meine Kolleginnen beschweren sich diesbezüglich immer über ihre Männer.

    (Bin etwas ratlos.)


    Ach ja, auf Arbeit werkle ich auch immer mal an versch. Themen zur gleichen Zeit, was mich hin und wieder in Bedrängnis bringet.


    Ich bin mal gespannt, was sich noch so an AHA-Effekten auf tut.

    VG

    Stefan

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