Tage wie heute

  • Manchmal sind einzelne Tage unerträglich. Streit, Geschrei, Tränen, Wut, Sachen werden kaputt gemacht. Manchmal weiß ich nicht weiter. Und was ich dann am allerwenigsten brauche, ist jemand, der behauptet ADHS sei eine Erfindung. Und ADHS gibt es gar nicht.


    An Tagen wie heute wünschte ich, es gäbe ADHS nicht. =O

  • Dann braucht man Berichte wie den von meinem Ritalin am heutigen 11.11. ;)


    Während des GC-Ausfluges kippte der Zwerg ebenfalls zwischen Dr. Jackel und Mr. Hyde hin und her. Zum Glück brauchte er seine Energie für den Fußmarsch und wenn man Mr. Hyde nicht zu viel Aufmerksamkeit schenkt, weiter läuft kommt irgendwann in 1 bis 5 Minuten Dr. Jackel angerannt und will schmusen... ... bis zum nächsten Ereignis, das im Quer im Darm steckt und wir ein Rumpelstilzchen auf dem Feldweg zurücklassen müssen, das dann als weißer Prinz wieder angeritten kommt.

    Zum Glück wirkte mein Ritalin vom späten Frühstück sehr lange, da ja auch in mir eine Mr.Hyde (oder Hulk?) wohnt.

    Auf dem Heimweg im Auto hat er zwar noch gemosert aber der Dampf war raus und das Radio hat ihn eingelullt.


    Hoffentlich ist die Diagnostik bald durch. Er reflektiert sein Handeln schon sehr gut selbst und leidet weil er sich selbst nicht versteht. So wie ich als Kind.

  • Manchmal ist es schlimmer als sonst. Und man sucht als Mutter verzweifelt nach dem Strohhalm, der einen retten kann.


    Ich weiß auch gar nicht, ob es ab einem bestimmten Alter noch sinnvoll ist, sein Kind beruhigen zu wollen - egal wie. Denn wenn man sie zur Ruhe bringt, dann wird ihnen ihre Situation klar. Keine Freunde, Schule geht so, meist Außenseiter, andere Interessen als normale Kinder, kein gesellschaftlicher Anschluss.


    Vor ein paar Tagen saß er am frühen Abend in seinem Zimmer. Rollo runter, kein Licht, das Lieblingsstofftier im Arm und immer eine Träne nach der anderen. Und als ich fragte was los ist, sagte er "Mama, ich schaff das nicht". Frage ich wieder "was schaffst Du nicht?". Antwort "Alles".


    Ich habe dann gefragt was denn "alles" sei. Ein kleiner Auszug:


    • Ich will Freunde finden
    • Ich will mir Hausaufgaben merken können
    • Wenn ich lese, will ich es nicht gleich wieder vergessen
    • Ich will meine Turnsachen nicht immer vergessen
    • Ich will schwimmen können
    • Ich will nicht, das die Lehrerin immer bei mir schimpft
    • Ich will nicht dauernd zmu Arzt, warum bin ich krank?
    • Ich will mein Zimmer aufräumen
    • Ich verliere immer alle meine Sachen.
    • Keiner glaubt mir was.
    • Niemand hilft mir.
    • Warum habe ich kein Papa?
    • Ich bin immer alleine.

    Ich dachte immer, ich sei in Sachen ADHS gut belesen. Aber die Bücher kratzen nur an der Oberfläche. Sie gewähren nur einen kleinen Einblick. Und der medizinische Hintergrund ist eigentlich völlig egal, weil es um etwas ganz anderes geht.


    Es geht ihm wirklich nicht gut. Und mit Medikamenten ist da nicht geholfen. Ich kann zum Beispiel nicht einfach einen neuen Papa aus dem Hut zaubern.


    Er fühlt sich alleine. Das ist bei ihm auch kein Gefühl, sondern das ist so. Ich weiß das.


    Mit ganz vielen Dingen hat er recht. Aber die kann man nicht einfach so eben mal schnell abdrehen. Und schon gar nicht ohne sein zutun.


    Von außen sieht das immer so aus, als hätte ich ein schreckliches, und ungezogenes Kind. In Wahrheit ist mein Sohn fix und fertig.

  • nun wird's auch bei mir leicht feucht zwischen den Wimpern...


    ganz so schwer hat es mein Sohn nicht aber Vieles kennt auch der 7-jährige schon zu gut. Leider redet er selten über seine Gefühle. Liegt abends weinen im Bett und dreht sich bei Fragen einfach weg.

    Seine Andersartigkeit hat er vor einem Jahr realisiert und nun wird es höchste Eisenbahn für die Therapie.

    Ich vermute mal, ihm geht es so schlecht wie mir als Kind.


    Er braucht viel Bewegung ist aber gleichzeitig von der Schule körperlich erschöpft und will sich mit Spielen ablenken.


    KungFu, WT funktioniert für ihn leider nicht, weil zu viele Kinder. Exklusiv können wir uns leider nicht leisten.


    Nun haben wir die Kletterei für uns entdeckt. Wenn es dieses Jahr weiter funktioniert treten wir kommendes Jahr in den DAV ein und klettern regelmäßig.

  • Hallo,


    Sportvereine habe ich schon versucht. Zweimal wurde mir nahegelegt ihn wieder rauszunehmen. Gefährliche Sportarten kommen auch nicht infrage. Seine Körperbeherrschung ist sehr schlecht. Würde er über ein Fußballfeld laufen, und wäre dort nur ein kleines Loch, er würde sich den Fuß brechen.


    Manchmal erscheint mir die Lage aussichtslos.


    Ich habe ihn diese Woche zuhause gelassen, und ich habe mir Frei genommen. Diese Woche in Zweisamkeit hat uns beiden ganz gut getan. Vielleicht ist es gut, sich zwischendurch Auszeiten vom "Leben da draußen" zu nehmen.


    Aber ich glaube, ich muss bei der Schule mal fragen, wie viele Fehlzeiten er haben darf.

  • "...Auszeiten vom "Leben da draußen"..." das haben wir auch schon fest gestellt. Nun wollen wir das Thema mit einer Mutter-Kind-Kur weiter ausbauen. am 26. ist Termin bei der Caritas.


    Vlt. kommen meine Zwei so etwas besser zueinander. Meine Frau hat ihre Energie meist schon weit vor dem Feierabend verbraucht und hat dann kaum noch Strom für den Zwerg. Hat sie Frei, Urlaub oder gelben Schein, sieht das weit besser aus.


    Wenn es bei den beiden gut klappt würde ich mit dem Zwerg auch mal eine Vater-Kind-Kur mit ADHS-Ausrichtung machen. Wir sind beide massiv therapiewürdig haben aber im Alltag aber keine Ruhe dafür.

  • Hallo ihr Lieben!


    OMG!!!!!.....Wenn ich das lese, könnte ich gleich mitweinen! Das kann einem so leid tun, die armen Kinder!


    Kennen wir auch, aber GSD nicht in diesem Ausmaß! Aber ich finde uns in allen Aussagen deines Sohnes wieder, Flocki. Auch meine Tochter ist manchmal erschöpft, sich ihrer ungewollten Unfähigkeit vollkommen klar und deshalb auch zutiefst deprimiert und traurig. Dann fange ich sie auf und bin natürlich für sie da! Es ist nicht einfach für die Kinder sich mit ihrere Erkrankung auseinander zu setzen und sie als "Teil ihres Lebens" akzeptieren zu müssen. :rolleyes:


    Ich finde es toll, dass du dir für euch eine Auszeit genommen hast und euch Zeit zu zweit gönnst. Sicherlich besser und erfolgversprechender als jede Therapie! :thumbup:<3:love:


    GLVG

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