Hallo, ich freue mich hier zu sein!

  • Hallo zusammen!


    Nach langer Suche im Netz nach einer geeigneten Seite für einen Austausch über AD(H)S bin ich nun hier fündig geworden.

    Ich freue mich auf einen konstruktiven Austausch, Erfahrungen und Hilfestellungen rund um das Thema AD(H)S.


    Ich selber bin Mutter von 8 jährigen Zwillingen. Ich habe einen Sohn und eine Tochter, bei der seit Frühjahr diesen Jahres AD(H)S diagnostiziert wurde. Seit der darauffolgenden Medikation geht es ihr im Alltag und in der Schule viel besser. GSD! :thumbup:Auch wir haben einen viel zu langen Leidensweg hinter uns. Meine Tochter hat eine Teilleistungsstörung und musste nicht nur deswegen im letzen Jahr um diese Zeit von einer Regelschule auf eine Förderschule wechseln. Dies war aber unser großes Glück, da sie dort aufgrund sehr kleiner Klassen viel besser arbeiten kann. Sie merkt das sie nicht das einzige Kind ist, dass "Probleme" hat und es auch andere Kinder gibt, die ihre Defizite haben und damit lernen müssen zurecht zu kommen. Das ist schon einmal sehr viel wert, denn auch die Jüngsten sollten erkennen, dass das Leben BUNT ist und nicht schwarz-weiß! Wir als Eltern sind überglücklich, dass wir diese Schulform haben. Seit den Medikamenten bringe unsere Tochter auch wirklich nur gute Noten nach Hause. Das schlechteste bis jetzt war eine 2!!!!!! :love:

    Unsere Maus ist ein toller Mensch mit dem Herz am richtigen Fleck! Sie ist ein Sonnenschein und jeder Raum erleuchtet, wenn sie ihn betritt. Sie ist so anders als die anderen und gerade deswegen ein so toller Mensch! Sie ist sehr kreativ, sehr humorvoll und interessiert an allen Dingen. Sie macht die Welt einfach ein Stück bunter. <3

    Menschen, die mit ihr in Kontakt kommen, mit ihr zusammen arbeiten sind von ihrem Wesen angetan. Aber es gibt natürlich auch eine Kehrseite der Medaille. Bevor wir die Diagnose ADHS bekamen, fragte ich mich oft, was ich bei meiner Tochter im Gegensatz zu ihrem Bruder in der Erziehung so falsch mache, dass sie oftmals so ist, wie sie ist, wenn ihr etwas nicht passt? Sie wird ausfallend, zornig, ja sogar gewalttätig und beleidigend. Sie schlägt dann um sich und ist blind vor rasender Wut. Da erkenne ich dann mein Mädchen oft nicht wieder. Denn als Mutter bin ich darauf bedacht jedem gleich viel Liebe und Zuwendung zukommen zu lassen. Jeder ist zwar ein anderer Mensch und so nehme ich meine Kinder auch, mit all ihren Stärken und Schwächen, aber meine Liebe zu beiden ist gleich stark. Dennoch macht es mir meine Tochter oft schwer und manchmal habe ich ein schlechtes Gewissen, weil ich eben viel mit ihr schimpfen, sie ermahnen und maßregeln muss. Das hat unserer Beziehung schon etwas abverlangt. Seitdem sie Medikamente nimmt, ist es überwiegend besser, aber ab und an, besonders morgens und abends, wenn die Medikamente nicht mehr wirken ist es oftmals eine Katastrophe! ......Es fällt mir schwer ruhig zu bleiben und ich bin ehrlich, oft gelingt es mir auch nicht! Ich als Mutter bin im Konflikt zwischen dem Wissen, dass meine Tochter ADHS hat und ich aufgrund dessen anders mit ihr umgehen muss und auch vielleicht das ein oder andere einfach einmal überhören muss, auch wenn es persönlich geworden ist (Sonst müsste ich noch mehr schimpfen!) und einer meiner Erziehung, die einfach gewisse Dinge nicht toleriert und sie dementsprechend auch ahndet.

    Jeder Tag bei ihr ist anders und das was gestern gut war und angenommen wurde kann am Tag danach schon nicht mehr gelten. Für mich eine Fahrt ins Ungewisse, jeden Tag aufs neue. Es gibt nicht viel, an dem ich mich orientieren kann, dass macht die Sache für mich auch noch beschwerlicher.

    Freunde hat sie leider wenig, denn sie eckt oft an. Ich bin zwar nie dabei, aber es ist schon fragwürdig, wenn ich nachfrage, dass es immer die anderen sind, die Schuld sein sollen und meine Tochter nicht. Dazu bin ich zu viel Realist und weiß, dass es überwiegend an meiner Tochter liegt. Es tut mir sehr leid für sie und wir als Eltern sehen uns auch immer in der Pflicht sie zu ermahnen und ihr zu sagen, was eintreten wird, wenn sie dies und dies nicht unterlässt (folglich also keine Freunde), aber das stört sie wohl wenig. Einen Tag weint sie, dass sie keine hat, den anderen ist es ihr egal. Und so ist diese Situation auf alle Lebenslagen übertragbar. Kein roter Faden, jeder Tag ist anders.

    Ich komme oft an meine Grenzen und frage mich oft, wie ich es die 8 Jahre ohne Medikation meiner Tochter ausgehalten habe? Denn für ihre dramatische Impulsivität, ihren Zorn und ihr Handgreiflichkeit und ihr ständiges Widersprechen machte ich die Hormone verantwortlich.

    Oft habe ich auch gedacht, dass mein Kind eben so ist wie es ist und das es nun mal meine Aufgabe als Mutter ist, damit zurecht zu kommen. Schließlich liebe ich mein Kind und man kann es sich ja GsD auch nicht aussuchen. Man wächst bekanntlich mit seinen Aufgaben. ;)


    Ich freue mich über Gleichgesinnte, evtl. auch Mütter, mit denen ich mich über den Alltag mit ihrem Kind und ADHS austauschen kann ?


    Einen schönen Tag!

  • ...und schon hast Du einen gefunden... einen Gleichgesinnten.


    Hallo Magdalena,


    ich bin dieses Jahr selbst mit 45 diagnostiziert worden und mein Sohn (7) ist noch in der Anamnese / Diagnostik.

    Er ist ganz so wie Du Deine Tochter beschreibst. Seltsamerweise meint die Schule es sei alles ok. Er geht in die 2. Klasse einer GS und liegt im Mittelfeld. Viele ältere Schüler sind auffälliger und auch schon einige sitzen geblieben.


    Unser Kernproblem ist die Emotionalität. Zwischen Jackel und Hide liegen oft nur Sekunden.

    Seine Sozialphobie ist ein zweites Thema. Er lässt Kinder abblitzen, die mit ihm spielen wollen, versteckt sich hinter uns. Wenn die Kindergruppen größer werden geht er an den Rand und schaut Händeringend zu. Mit 1 bis 3 Kindern ist ein normales Spiel möglich.


    Welche Medikamente nimmt sie und welchen begleitenden Therapien bekommt sie?Wer ist außer ihr in der Familie noch betroffen?


    VG

    Stefan

  • Hallo Stefan!


    Freut mich sehr! ;)


    Das ist wirklich interessant! Du selbst hast dich testen lassen? Darf ich fragen aufgrund von welchen Hintergründen?

    Da meine Tochter ja positiv auf ADHS getestet wurde und uns die Ärztin im sozialpädiatr. Zentrum, bei welcher wir uns in Behandlung befinden meinte, dass diese meist vererbt wird, bin ich auch ins Grübeln gekommen. Meine Tochter erinnert mich nämlich ein Stück weit an mich selbst, aber 1984 war es mit der ADHS-Forschung ja noch nicht soweit und da hat man wahrscheinlich auch viel verkannt.


    Gibt es bei Dir bestimmte Symptome oder ähnliches, an dem Du es selber fest gemacht hast, dass es ADHS sein könnte? Denn als Erwachsener hat man ja wohl ganz andere Ausprägungen als im Kindesalter?

    Wie bist Du darauf gekommen und wo hast Du dich denn testen lassen?


    Ja, bei uns ist es genauso mit der Emotionalität. Es gibt Tage, da könnte ich nur ||. Es ist unheimlich anstregend! Aber trotzdem möchte ich meine Maus nicht missen!

    Sozialkompetenz ist bei uns auch so ein Thema! Sie behandelt andere Kinder wie ein Spielzeug. Wenn sie keine Lust mehr hat, lässt sie sie abblitzen, ohne sich irgendeiner Schuld bewusst zu sein. Steht sehr im Gegensatz zu ihrem liebevollen Wesen, dass eigentlich sehr hilfsbereit und harmoniebedürftig ist. Seitdem sie Methylphenidat nimmt, ist es besser geworden. Aber ich würde schon sagen, dass unsere Tochter ein Eigenbrödler im positiven Sinne ist. Sie kann sehr viel mit sich selbst anfangen. Ist ja auch nicht schlecht! ;) Aber das mit den größeren Gruppen von Kindern kann ich auch bei uns feststellen. Meine Tochter schaut sich das meist doch eher als passiver Beobachter an und entscheidet erst viel später, dass sie doch dazu gehören und mitmachen möchte. Probleme gibt es dann, wenn es dann Zeit ist, das Spielen zu beenden, dann ist das Geschrei natürlich groß. Und auch wie bei Euch ist es so, dass das Spielen mit bis zu 2 Kindern gleichzeitig meist problemlos klappt. Am besten ist aber immer noch ein einziger Spielkamerad.


    Meine Tochter hat sich damals ohne Medikamente auch in der Förderschule lt. der Aussage ihrere Lehrerin sehr schwer getan alltägliche, immer wieder kehrende Abläufe der einfachsten Art (ausziehen, Hausschuhe anziehen, Klassenzimmer betreten und Platz einnehmen, Brille auf die Nase, etc.) abzurufen. Es verging kein Tag, ohne das man ihr sagen musste, was sie als nächstes tun muss, bzw. einen Teil davon. Als wäre sie jeden Morgen neu an der Schule. Als Eltern kann man das natürlich nicht verstehen und geht schlichtweg manchmal von einfacher Ignoranz und 0-Bock-Einstellung aus. Das es nicht so ist, wissen wir nun ja seit der Diagnosestellung. Unsere Tochter hat einen guten durchschnittlichen Intelligenzquotienten. Dies haben wir in einem Test bestätigt bekommen. Aber sie tat sich in der Grundschule sehr schwer. Dem Unterricht konnte sie nur schwer folgen, war schnell abgelenkt und musste alles 100 Mal wiederholt bekommen (Aufgabenstellung). Das Arbeitstempo war auch eher auf niedrigem Niveau angesiedelt. Alles in allem lief es nicht rund. Sie wollte nicht mehr in die Schule gehen und weinte oft. Bauchweh und anderes wurden oft davor geschoben um nicht zur Schule gehen zu müssen. Ihre Psyche war also auch schon bedroht. Deswegen nach mehreren Gesprächen mit den Lehrern und den Inklusionslehrern dann der schnelle Zug der Notbremse und der Wechsel auf die Förderschule. Es war genau der richtige Weg!


    Jetzt noch schnell zur Beantwortung deiner Fragen:


    Meine Tochter bekommt begleitend Ergo-Therapie und eine Dyskalkulie-Therapie.

    Medikamente habe ich ja bereits oben genannt.

    Außer ihr betroffen? Vielleicht ich, dass weiß ich leider nicht! :?:Ihr Zwillingsbruder ist verträumt und man muss ihm auch 100 Mal oft was sagen, bevor es erledigt wird, aber er hat keine Probleme in der Schule, dem Unterricht zu folgen. Er muss sich nicht viel anstrengen um gute Noten zu bekommen. Das macht es oft auch nicht gerade leichter für seine Schwester.


    In dem Fall hat dein Sohn keine Auffälligkeiten in der Schule gezeigt? Na, dass ist doch toll! Denn meistens ist dach doch der finale Grund wenn man auf ADHS tippt.

    Aber so, wie ich dich verstanden habe, ist er ja auch noch in der Diagnosestellung?



    GVLG

  • Hallo Magdalena,


    Das ist eine lange Geschichte. -mal etwas gerafft erzählt:

    Ich war schon immer „anders“. Das hat aber damals niemand interessiert, da ich in der Schule mittelmäßig mit kam. (so wie mein Sohn jetzt) Wäre ich nicht ADS sondern ADHS wäre ich wohl auch auffällig genug gewesen um erkannt zu werden.

    Bis ins Erwachsenalter habe ich an den typischen ADS-Symptomen gelitten ohne zu wissen was das war. Von den Erwachsenen wurde man in seine Form gezwungen und wenns mal nicht passte saß „die Hand lose“.

    In der Schule ist mir aufgefallen, manchmal besser als die Klassenbesten zu sein (sind jetzt alle Dr. und Prof.) aber in der Regel konnte ich dem Stoff kaum folgen.

    Als junger Erwachsener habe ich dann die Fähigkeit entdeckt, mich gezielt konzentrieren zu können. (Hyperfokus) und eine steile Karriere begann, die ich trotz fehlendem Abi und Studium in gleichem Maße wie meine studierten Kollegen gemeistert habe. Leider legten mit die Fehlenden Nachweise immer wieder Steine in den Weg.

    Die „Turbine“ dreht schneller und schneller ich hatte Spaß am Erfolg und konnte nicht mehr aufhören zu arbeiten. Ständige Anspannung, Überstunden usw.

    Mit 41 hatte ich dann einen gepflegten Burny mit Stationärer Behandlung und nachweißbaren hohen Entzündungswerten bei der Lumbalpunktion. Die wurden mit hochdosierten Kortison runter gedrückt, doch mein Wesen hat sich total verändert. Über Weihnachten war ich mehr Zombi als Mensch. Nach Monaten die Wiedereingliederung doch es ging nix mehr. „Die Schwingen des Adlers trugen nicht mehr“.

    Seiher geht es Berg ab und die Ärzte konnten nix finden. Die Therapieversuche schlugen fehl. Ein Jahr bei einer Psychotherapeutin wegen Schlafstörung, Depression, nicht abschalten können... auch Sie kam nicht auf die Ursache.


    Nun kam mein immer wieder explodierender Sohn in die Schule und das Drama um die Hausaufgaben begann. Da mein Job sehr in Richtung Naturwissenschaften neigt und ich obendrein auch noch Ausbilder bin, kann ich ihm problemlos Lösungswege erklären. Die nimmt er jedoch nicht an. Ich habe begonnen ihn aufmerksam zu beobachten und die Verhaltensweisen und Situationen zu recherchieren. Er war exakt identisch wie ich in seinem Alter.


    Irgendwann im Frühjahr 2018 hatte ich dann eher zufällig ADHS als Treffer für absolut alle Beobachtungen ausgemacht.


    Zuerst hatte ich mir die Überweisung für mich und zwei Monate Später für meinen Sohn geben lassen. (-wollte gern zuerst an mir erfahren, was meinen Sohn erwartet / Untersuchungen und Medikation)


    Nun habe ich zwar als Berufstätiger andere Baustellen als mein Junior aber Typ und Ausprägung sind gleich. Ich organisiere gern Partys, ziehe mich aber dann hinter den Grill zurück. Zu viele Reize. Mein Sohn will viele Kinder zum Geburtstag, tickt dann aber total aus und flüchtet mit dem Fahrrad das Tal hinaus über die Wiesen. (kommt irgendwann wieder)

    Die sprichwörtlichen „Bauchschmerzen“ hatte mein Sohn in der ersten Klasse. Nun sind es eher Kopfschmerzen weil die Kraft für die mehrfache Hirnleistung zur Konzentration nicht reicht.


    Ende der ersten Klasse hat er sich zunehmend selbst reflektiert, hat sich weinend ins Bett geworfen „Ich bin doof!“. Auch unter seiner Sozialphobie leidet er so wie ich damals.

    Ich habe den negativen Unterschied zwischen Medikinet und Ritalin feststellen dürfen. (bei wie viel mg seid Ihr?) Bitte passt da genau auf. Fehl- oder Übermedikation verursachen massives Leiden, das Kinder aber leider noch nicht artikulieren können. Da müssen wir Erwachsen genau hinschauen. Bei mir gibt es ein Tagebuch, um nix zu vergessen und über längere Zeiträume vergleichen zu können.


    Auf die Therapien hoffe ich für mein Sohn sehr. Gerade lesen und Schreiben sind gruselig, so wie bei mir noch heute. Oft sind das übrigens nicht Legasthenie und Dyskalkulie im konventionellen Sinn, sondern eine Störung im funktionellen Wahrnehmen. Da hilft weniger das Üben, als viel mehr noch mal anders erlernen. (Ist auch bei mir so. Es gibt dafür leider wenige Fachleute, man muss sie mit der Nase drauf stoßen)


    Weil mein Sohn keine Auffälligkeiten in der Schule hatte, wollte uns die Ärztin wieder wegschicken. Sie kam nicht damit klar, dass die Eltern selbst das Kind so genau beobachten und dann noch in der Lage sind die Listen der WHO und der Krankenkassen durch zu schmökern.

    Erst als ich sie mit Berichten über unsere Alltagssituationen "zugeschüttet" habe ging ihr ein Licht auf und sie ist froh über Eltern die die Kinder nicht einfach nur „reparieren“ wollen.


    Noch eine Hypothese die nicht stimmen muss:

    Sprechen Deine Beiden miteinander und mit Dir über Ihre Empfindungen? Wenn ja, wäre zu ergründen ob nicht Dein Sohn ein ADS-ler im Schatten einer ADHS-lerin ist. Dann wird er nicht bemerkt und leidet heimlich vor sich hin. Wenn er erlebt, wie seine Schwester bei euch "aneckt" wird er den Teufel tun, sich Euch gegenüber zu outen und nichts davon verraten. Obwohl er genauso empfindet wie sie, kann er es verbergen, weil der nicht hyperkinetisch und vlt. auch noch überdurchschnittlich intelligent ist. (So ist es mit meinem Sohn in der Klasse. Wo weiß und schwarz das Bild bestimmen fällt grau nicht auf)

    Ich will Dir nix einreden und wünsche Ihm eine „normale“ Kindheit aber wenn er erst auf dem Gymnasium oder im Studium bemerkt, dass er nicht weiter kommt, könnte es ihm auch einen Knick verpassen. Genau von diesem Typus haben wir zwei Studenten in der Selbsthilfegruppe, die erst mit Abi bzw. Studienbeginn an ihre Grenzen kamen.


    Wenn Du einen unverbindlichen Eindruck haben willst, was einen AD(H)S-ler bewegt, mach mal den Test unter adxs.org. Sehr ausgiebige 180 Fragen aber m.E. wirklich gut. Wenn, dann am Ende die Schlüsselnummer notieren und abwarten bis das Ergebnis berechnet ist. (dauert etwas) Dann das Ergebnis heraus kopieren.


    So, das war jetzt viel. Frag gern, wenn was bewegt.


    VG

    Stefan

  • Hallo Stefan!


    Bei mir war es ähnlich. Ich bin auch eher mittelmäßig durch die Schule und mit 150 % Leistung habe ich nur zu 50 % gute Ergebnisse erzielt. Ich konnte immer mehr lernen wie die anderen, aber wenn es drauf ankam, hat es nur für ein mittelmäßiges Ergebnis gereicht. Frustrierend, klar! Und es zieht sich auch wie ein roter Faden durch meine Laufbahn. Sogar bei meiner Weiterbildung. Ich habe sie zwar nicht schlecht abgeschlossen, aber auch nicht wirklich gut. Dafür liebte ich Kunst und da konnte ich mich auslassen. Trotzdem kann ich im Nachhinein nicht sagen, ob ich mich nun gut konzentrieren konnte, oder nicht?

    Deshalb frage ich mich ja, ob es typische Anzeichen gibt, die einem auch als Erwachsenen AD(H)S klar werden "müssen", bzw. woran man es mit Sicherheit festmachen kann, dass man mit hoher Wahrscheinlichkeit darunter leidet? ....


    Also gab es bei dir keine Anzeichen, bei denen du sagen konntest, ich müsste mich mal auf AD(HS testen lassen???... Denn einen Bournout kann man ja theoretisch auch ohne AD(H)S bekommen? Vielleicht neigt man dann eher dazu, aber das kann man bei anderen Vorerkrankungen auch behaupten.

    Ich z.B. hätte bei meiner Tochter niemals AD(H)S vermutet. Das waren für mich immer nur keine schmächtige Jungen, die nicht still sitzen könne und nur in Bewegung sind, Faxen machen und ständig durch ihr Verhalten Unruhe in eine Situation bringen und deshalb nerven. X/ Meine Tochter habe ich unter der Kategorie "ist halt so" eingestuft. Sie war ab und an anstregend und tat sich etwas schwerer mit dem Lernen, aber AD(H)S, dass hätte ich im Leben nie gedacht! Deswegen war ich bei der Diagnosestellung auch sehr skeptisch, ja sogar etwas verärgert weil ich mir dachte, dass sie sich es da ziemlich einfach machten. Wenn man nichts weiter findet, dann muss es AD(H)S sein. Und das machte mich sauer! Aber die Ärztin meinte dann, dass sie gleich beim ersten Gespräch gesehen hat, dass meine Tochter aufgrund ihrere Art ein typisches AD(H)S-Kind ist. Sie fand es aber gut, dass ich mich nicht so einfach damit abfinden wollte, mein Kind mit Medikamenten zu füttern und es hat auch noch einige Gespräche gebraucht um mich wirklich davon zu überzeugen, dass es an der Diagnose nichts zu rütteln gibt. Auch ich habe mich parallel dazu schlau gemacht und musste mir eingestehen, dass es so ist, wie die Ärzte und Psychologen sagen.


    Eine Sozialphobie hat meine Tochter GsD nicht. Sie ist gerne unter anderen Kindern und es wird ihr auch mit mehreren nicht zu viel. Dennoch ist sie aber auch gerne alleine und beschäftigt sich mit sich selber. Das kann ich aber nachvollziehen, denn bei mir ist es nach wie vor noch so. ;)

    Impulsiv (austicken) bin ich auch heute noch, dass ist auch bei meiner Tochter so. Besonders unter hohem Stress kommt es häufig vor. Kontrollieren kann ich es nicht. Leid tut es mir jedes Mal wieder aufs neue. Manchmal gelingt es mit ruhig zu bleiben, manchmal etwas und oft auch überhaupt nicht. Erfahren müssen es dann oft die Menschen, die gerade in der Nähe sind und das sind dann meist auch die, die mir leider die liebsten sind und so gar nichts dafür können.


    Mit der Ergotherapie und der Dyskalkulietherapie sind wir erst einmal in der Woche eingedeckt. Neben den alltäglichen HA reicht das vollkommen zu. Oft schafft sie es nicht mehr ihre HA vollständig an diesem Tag zu erledigen, es wird dann einfach zu viel für sie. Lesen kann sie sehr gut. Mit Rechtschreibung (Groß- Kleinschreibung) tut sie sich ein wenig schwer. In den Test läuft es dann aber und sie hat eine 1 oder letztens eine 2 nach Hause gebracht. Aber oft vergisst sie, was man vorher tagelang geübt hat. Nomen, Adjektive, Verben, dass hatten wir alles für ihre Arbeit geübt und zwei Wochen später in den HA wird doch wieder alles klein geschrieben. Da habe ich manchmal so den Eindruck, als wenn sie es nicht verstanden hätte und nur für das Abfragen in der Klassenarbeit alles gespeichert und dann wieder von der "Festplatte" gelöscht hätte????....


    Medikation ist momentan bei uns so: Sie bekommt 30 mg Methylphenidathydrochlorid und bei bedarf am Nachmittag, wenn wir zur Ergo oder Dyskalkulietherapie gehen und sie einfach noch mal gefordert ist, 5 mg Medikinet. Anfangs hatte sie etwas Bauchweh. Das hat sich gegeben. Jetzt haben wir nur noch unter der Wirkungsdauer Appetitlosigkeit. Aber das kommt uns etwas entgegen, da meine Tochter sonst sehr gut und oft gerne isst. Wir haben auch keine Schlafstörungen. Meine Tochter ist nach wie vor ein Murmeltier.

    Was habt ihr denn für Erfahrungen mit Nebenwirkungen, bzw. den unterschiedlichen Medikamenten gemacht?


    Jetzt noch schnell zu meinem Sohn:


    Ich glaube nicht, dass er ADS hat. Wir sprechen selbstverständlich über unsere Empfindungen und meine Kinder auch über das, was sie belastet und wie es ihnen geht. Aber er hat nicht die Probleme, die seine Schwester in der Schule hatte. Er kommt mit und macht das mit links. Wenn die Lehrerin mir nun sagen würde, dass es bei ihm immer wieder an Aufmerksamkeit fehlt und er dadurch nicht mitkommt, bzw, nicht das tut, was er tun sollte, ständig vieles vergisst (zerstreuter Professor), im Unterreicht vor sich hinträumt etc., dann würde ich ihn auch testen lassen. Das ist aber weder in der Schule noch zu Hause bei den HA der Fall. Er ist strukturiert und konzentriert bis zum Ende. Lässt sich kaum ablenken und deshalb auch schnell fertig. Also er gibt mir kein Anlass zur Sorge dahingehen, sagen wir es einmal so.


    Danke noch für den Tipp mit dem Test. Werde ich mal versuchen. ;)


    Ich wünsche ein schönes Wochenende.


    GVLG

    Aneladgam

  • „…keine Anzeichen, bei denen du sagen konntest, ich müsste mich mal auf AD(H)S testen..

    Du hast es schon im nächsten Absatz beantwortet. Auch ich konnte mich nicht mit den „Dauerzapplern“ in Verbindung bringen. Dass es auch die Ausprägung ohne Hyperkinetik gibt wusste ich nicht und auch im Kindergarten war man sich sicher, das mein Sohn es nicht hat, da er ja sehr ruhig die schwersten Puzzle zusammen bekam und nicht auf andere Kinder einschlug.


    „…Burny…“

    -den kann jeder bekommen. Bei mir war es die "Managerkrankheit" . Während anderer zum Ausgleich Sport machen oder wandern, war ich wie die Labormaus im Kittel, die sich einschließt und das Labor nicht freiwillig verlässt. Das konnte nur schief gehen, -habe das nur damals nicht bemerkt weil nach vielen Jahren Misserfolg als andersartiger Träumer endlich Anerkennung und Leistungsvermögen da war. Da hört man nicht freiwillig auf.



    „…Kind mit Medikamenten zu füttern…“

    löblich! Doch bitte nicht dem „Ritalinmythos“ aufsitzen. Viele Thearpien sind ohne Medikamente auch beim ADS-le nicht möglich oder führen zu überreizung wie in meinem Fall. Wichtiger ist es, das richtige Medikament in der richtigen Dosis zu finden. Da liegt der Hase im Pfeffer. Die meisten Ärzte haben schlicht keinen Plan von der Wirkung der Medikamente und die Eltern sind „Weißkittelhörig“ und versäumen es zu erfühlen, wie es ihrem Kind geht. Das bedeutet mehr als immer mal schauen. Tagebuch führen, dem Kind lernen über Gefühle zu reden und auch das Vertrauensverhältnis dafür aufzubauen.

    Ein Kind kann oft nicht so differenziert ausdrücken wie es nötig wäre um die Wirkung einzuschätzen.

    Wenn dann die Eltern von der Natur weniger großzügig mit Hirn oder Emotionen versorgt wurden, bleibt ein überdosiertes, leidendes, abwesendes Kind zurück. Eben die "Ritalinkinder" von denen immer als negatives Beispiel die Rede ist. Von den Kinder die von einem Misserfolg zum Nächsten taumeln, weil fehlinformierte Eltern "bloß keine Tabletten" wollen spricht keiner.


    „…Leid tut es mir jedes Mal wieder..“

    Da sind wir wieder bei den Medikamenten. Ich bekomme 20mg Ritalin und bin nach den Worten meiner Frau viel ausgeglichener geworden. Ich selbst merke auch, das ich ruhiger Auto fahre, bei den Hausaufgaben einen schier unzerreißbaren Geduldsfaden habe und die Emotionsbedingten Fehlentscheidungen gehen gegen Null. Früher war das eher wie Hulk, nur das ich nicht grün, sodern längst grau bin ;)


    Wegen der „Dyskalkulietherapie“ hätte ich hier einen Buchtipp: ISBN-13: 978-3732336937.

    Die Wahrnehmung ist beim AD(H)S-ler gestört. Damit ist das im Buch beschrieben Thema sehr naheligend aber nicht zwingend treffend.


    „…im Test läuft es dann aber…“


    -ist ein sehr deutlicher Hinweis auf ADS. In Prüfungssituationen spielt die Konzentration plözlich mit oder überhaupt nicht. Würde man die selbe Klassenarbeit am Dienstag und am Donnerstag schreiben, ohne das das Kind dazwischen lernt, kann einmal eine 1 und einmal eine 5 raus kommen, obwohl es eigentlich das Selbe weiß.

    Du hast da Beispiel „Festplatte“ gebracht. Das ist sehr bildhaft. Die Partitionen drehen sich am Tastkopf vorbei. Mal sind sie da und mal weg. Der nicht betroffene kann über das Directory de Platte die Partition mit der Information gezielt aufrufen. Der ADS-ler hat nur begrenzten Zugriff auf das Directory und findet so die eigentlich vorhandene Information nicht. Man kann es auch mit einem zeitweise verschlossenen Karteikasten in der Bücherei vergleichen. Das Buch ist da aber man weiß nicht wo es steht.


    „Methylphenidathydrochlorid“ ist „nur“ ein Wirkstoff. Der wirkt aber in verschieden Medikamenten anders.

    Sie kann mit Medikinet gut zurecht kommen und mit Ritalin oder Concerta nicht oder umgekehrt oder ist ein MPH-Nonresponder. Das kannst Du alles unter adxs.org mit Quellenverweis nachlesen.


    Ich bin selbst mit Medikinet emotional total abgestürzt. Tiefe Trauer wie eine Art Liebeskummer. (Sowas kann ein Kind noch nicht ausdrücken). Jetzt mit Ritalin das ganze Gegenteil.

    Das kannst Du hier lesen:

    Medikinet - jetzt geht es los (Start der Medikation)


    und den aktuellen Verlauf siehst Du hier:

    "Ritalin Adult - jetzt geht es los (Start der Medikation)"


    VG

    Nafets