ADHS und Klettern > sowohl Familienspaß als auch Therapie

  • Hallo in die Runde,


    ich habe in meinen Blocks in und wieder das Thema ADHS und Klettern erwähnt.

    Das Thema ist für Familien mit betroffenen Kindern aber auch wenn alle "einen Klatsch weg" haben, sehr geeignet die Bindung in der Familie wieder zu festigen und den sehr oft "gebrochenen" Kindern wieder Selbstvertrauen zu geben.

    Eine wichtige Voraussetzung ist jedoch, dass die Eltern sich, sofern sie ADHS haben, ihrer Problemfelder bewusst sind und aktiv daran arbeiten. Andernfalls könnte es in der Kletterhalle oder draußen am Fels zu "unschönen Ereignissen" kommen.


    Ich kann bestätigen, dass Papa und Sohn am Fels als Team deutlich an Nähe und Vertrauen zueinander gewonnen haben.

    Für den Sohn ist wichtig, dass er zwar in der Schule nie der Primus sein wird, wenn es um Rechnen und Lesen geht, (ganz zu schweigen von der Handschrift und Rechtschreibung) doch das Wissen, am Fels wie ein Eichhörnchen den Papa und auch ältere Kinder "abhängen" zu können, baut die oft betrübte Kinderseele doch deutlich auf.


    Wer weiß. Vielleicht ergreift er einen der typischen ADHS-Berufe. Rettungssanitäter, Feuerwehrmann oder gleich Bergretter? Oder er wird Rettungsschwimmer oder -taucher, denn auch hier ist er seinen Altersgenossen voraus. (Dt. Schwimmabzeichen mit 8 Jahren, ohne dass ich davon wusste)


    Die Angst, es sei zu gefährlich, kann ich zerstreuen. Beim "Toprope", der im DAV deutlich favorisierten Variante des Kletterns sind alle am Seil und wer in der Halle beim Üben mal aus der Wand ins Seil gefallen ist, wird so schnell nicht wieder in diese Situation kommen wollen. Draußen am Fels sorgt dann der Instinkt dafür, dass die Konzentration ausschließlich auf den Griffen um den Kletterer herum liegt. Die Übungsstunden in der Halle, in denen die Technik trainiert wird, sorgen am Fels für Sicherheit.

    Vor Ort wäre nur dafür zu sorgen, dass die "unbeschäftigten" Kinder und Jugendlichen nicht für Ablenkung sorgen.


    Wer kann Infos zum Thema beisteuern?


    Hier ein paar Links und eine Masterarbeit zum Thema:


    https://www.bed-ev.de/partner/partner.aspx?id=6


    https://www.kletterzentrum-reg…/therapeutisches-klettern


    https://www.dav-berchtesgaden.de/jugend/kinderklettern.html


    https://www.dr-lukowski.com/pdf/MasterHeppt.pdf

  • negteit

    Hat das Thema freigeschaltet
  • Ich muss ganz ehrlich sagen, das ich inzwischen sehr skeptisch bin, wenn Angebote die vier Buchstaben ADHS beinhalten. Bei körperlichen Problemen, wie Haltungsschäden, ist der therapeutische Effekt das Muskeltraining. Das ist nachvollziehbar.


    Beim Klettern sehe ich keinen therapeutischen Effekt, wenn es um ADHS geht. Beworben wird es natürlich mit dem, was wir als Eltern gerne hören wollen. Aber mein Sohn kann nicht mal geradeaus laufen. Wie soll er da eine Kletterwand hochkommen?

  • Die Probleme sind nicht nur in der Schule. Ich kann mir schon vorstellen, das solche Sachen wie Körpergefühl oder sowas verbessert werden. Man lernt auch nicht an einem Tag das laufen. Da braucht er es auch zeit und Übung zu. Andere Sachen brauchen das auch.

  • Naja, gewisse körperliche Voraussetzungen sollten schon gegeben sein. Das ist leider nicht jedem ADHSler vergönnt...


    Aber vielleicht ist es ja doch so, dass es fürs Klettern eben grade ausnahmsweise mal keine Rolle spielt, ob man grade aus laufen kann.


    Aber wenn man mal sowas ganz, ganz anderes anfängt, wo man noch gar nicht weiß, dass man vielleicht was nicht kann, vielleicht ergibt sich plötzlich, dass man es richtig gut kann...


    Mein Sohn, der sich nun wirklich in der Schule schwer tut auch motorisch beim Schreiben, hat zum Beispiel letztes Jahr beim Segeln auf Anhieb intuitiv erfasst, worum es geht und gleich am zweiten Tag in den nächsthöheren Kurs gewechselt.


    Kann man also manchmal nur durch zufälliges Ausprobieren feststellen, was einem liegt und dann Selbstbewusstsein gibt. Für meinen Sohn hatte das Erlebnis beim Segeln erhebliche, weitreichende Auswirkungen auf die ganze Persönlichkeit, die sich langfristig gefestigt haben, obwohl er seit einem Jahr gar kleine Gelegenheit zum Segeln hatte. Der Rest der Familie segelt nicht. Das war letztes Jahr nur spontan aufgekommen, weil an der Nordsee so frisches Wetter war und er sich am Strand mit dem Papa etwas umgesehen hatte und sie an der Surfschule vorbei kamen.

  • Wir fahren mehrmals im Jahr zur Glentleiten. (https://www.glentleiten.de/) Normalerweise immer mit anderen Familien zusammen. Die Kinder lassen wir dort frei laufen, und wir Erwachsenen können Erwachsenengespräche führen.


    Die Kinder toben, kraxeln, und so weiter. Auf der Rückfahrt schlafen alle. ^^


    Ob das als Therapie, oder als fester Bestandteil vom Wochenrhythmus möglich ist, haben wir nie ausprobiert. Der Alltag ist bei uns schon insgesamt sehr voll, und durchorganisiert. Je älter die Kinder werden, desto voller ist der Terminplan. Deshalb muss ich ganz ehrlich sagen, das ich keine Lust hätte, jedes Wochenende in die Berge zu fahren.


    Bei einer Kletterwand könnte ich mir vorstellen, das es schnell langweilig wird, weil die Wildnis fehlt, in der Kinder auch spontan entdecken können.

  • Klar kann man das ausprobieren. Koordination, Körpergefühl und andere Probleme kann man vielleicht damit angehen. Nur muss das Kind auch mitspielen. Ich will das niemanden ausreden, oder es schlechtreden. Probieren soll, wer es probieren möchte.


    Ich sehe das nur etwas anders. Wie soll mein Wurm da hochkommen? Und was, wenn er daneben greift und abstürzt? Ein Kind das die Schleife nicht binden kann, wird auch keinen Knoten hinkriegen, finde ich jedenfalls.


    Bevor man sowas macht, sollte man sich überlegen, ob das Kind überhaupt in der Lage ist, das auch zu schaffen. Ich sehe da schwarz.

  • Ich kann gut verstehen, daß es dich graust bei dem Gedanken an Klettern. Mich gruselt es auch, obwohl es langsam abnimmt.


    Beim Klettern bekommen ja alle einen stabilen Gurt und werden mit Seilen daran gesichert, bekommen Handschuhe. Knoten muss man, glaube ich, heutzutage in diesen Kletterparks auch nicht unbedingt selber beherrschen.


    Vielleicht schaust Du mal genauer, wie die Ausrüstung so ist. Rein zur Information.


    Niemand sagt, dass dein Sohn unbedingt klettern gehen muss. Ich glaube, das wird am ehesten funktionieren, wenn die Eltern auch klettern. Tun wir aber auch nicht.


    Ich finde dieses Thema einfach deshalb interessant, weil es eben manchmal so überraschend ist, was ein Kind trotz Handicap auf einmal doch sehr gut kann. Wie bei meinem Sohn das Segeln...

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