Bin da, wer noch...

  • Hallo,

    ich war länger bei den ADHS Chaoten und seid dessen Ende auf der Suche nach einer neuen Heimat.

    Ich bin spät diagnostiziert, habe alle gängigen ADHS Medikamente ausprobiert und mich selbst intensiv mit meinem ADHS beschäftigt. Das Beste was ich gemacht habe war ein ADHS Seminar bei Frau Neuhaus, das hat mir wirklich meinen Weg gezeigt. Was natürlich nicht bedeutet das das leicht ist und das ich immer auf dem Weg bleibe, wenn ich das könnte, hätte ich kein ADHS.


    Und jetzt will ich mal schauen was hier so los ist....

  • Hallo Herr der Unterwelt :)


    falls Du schon mal rum gelesen hast, kennst Du vlt. schon einen Teil meiner Vita. Ich habe vor wenigen Monaten mit 45 meine Diagnose. "Erkannt" habe ich es quasi selbst, da ich meinen Sohn (7 AD(H)S) beobachtet habe und mich selbst als Kind erkannte. Überweisung > Anamnese > Volltreffer in allen Clustern, in denen man als AD(H)S-ler Defizite haben kann.

    Seither bin ich auf der Suche nach Linderung.


    Bisher habe ich weder ein passendes Medikament, noch sonst eine Behandlung bekommen. Ich suche viel im WWW. Bin in zwei SHG in Jena und versuche schrittweise meinen eigentlich überdrehten Lebensrhythmus den tatsächlichen Möglichkeite mit AD(H)S anzupassen.


    Welche Medikamente nimmst Du? Welche Behandlungen / Kurse hast Du gemacht? Wann und wo war der Vortrag von Frau Neuhaus?


    VG

    Stefan

  • Hallo Stefan,

    ich finde es gut das du selbst die Initiative ergriffen und damit die Diagnose jetzt bekommen hast.

    Ich kann Dir nur meine Erfahrungen schildern, aber AD(H)S ist extrem individuell, insbesondere was Medikamente betrifft. Das ganze brauchst aber leider viel zeit, was für "uns" nicht leicht auszuhalten ist...


    Aber der Reihe nach. Du brauchst zunächst einen guten Arzt um zu testen ob und welche Medikamente helfen können. Vielleicht gibt es in deiner Nähe ja auch eine Institutsambulanz an einem Krankenhaus das sich auf ADHS konzentriert. (Im Bereich HH-HL gibt es davon 2.)

    Dazu sollten vorher mehrere Untersuchungen gemacht werden. Wenn das vom Arzt nicht gemacht wird, ist es nicht der richtige. (Nach meiner Ansicht.)

    Das sind: Schilddrüsen-Hormone und Leberwerte.


    Ich habe später festgestellt das bei mir zusätzlich eine Überprüfung von Vitamin D3, Folsäure und B12 sinnvoll war, weil eine extreme Unterversorgung dabei festgestellt wurde. Das hat AUCH Einfluss auf die Medikamente.


    Dann wird der erste Versuch vom Arzt sicherlich Ritalin bzw. Medikinet sein. ICH komme mit Medikinet nicht klar, habe mit Ritalin deutlich weniger Nebenwirkungen. So einige Ärzte wissen nichts davon das die Verträglichkeit der beiden MPH Medikamente so extrem individuell ist, leider.


    Die Suche der richtigen Dosis ist eine echte Herausforderung. Ich komme am besten mit 2,5 mg MPH klar. Das ist 1/4 der kleinsten Tablette. Es gibt aber auch Menschen die brauchen 40 oder 80 mg. Wichtig dabei ist das die wirksame Dosierung ein recht schmales Fenster ist. Es kann sein das 10 mg zuwenig und 15 mg schon zuviel sind.

    Schwierig ist dabei das der Betroffene selbst oft kaum Unterschiede wahrnimmt, das Aussenstehende das aber sehr deutlich merken. Daher ist eine Vertrauensperson extrem hilfreich.


    Wenn eine hilfreiche Medikamentierung gefunden (oder verworfen) wurde, DANN ist es Zeit für den wichtigsten Schritt, die Selbsterkenntnis und die Suche nach der sinnvollen Veränderung des täglichen Lebens.


    Nur wenn man "sein" ADHS kennt, kann man Strategien entwickeln um damit umzugehen.


    Das war auch der Inhalt vom Seminar bei Frau Neuhaus.

    Sie macht ihre Seminare leider nur "da unten" in Münsingen. Das ist auch nicht billig, hat sich für mich aber wirklich gelohnt, war das beste und hilfreichste was ich zu ADHS Thema bisher gehört habe.

    Dazu hat meine KK im Nachhinein 65 % der Seminarkosten übernommen.

    (Sicherlich gibt es auch andere gute Seminare, aber ich kenne halt nur eins. )


    Das wichtigste was du jetzt brauchst, aber wegen dem ADHS eigentlich genau nicht hast, ist Geduld.


    Jeder Schritt braucht Zeit, oftmals auch mit langen Wartezeiten. Aber auch wenn man auf einen Termin ein paar Wochen warten muss, ist es besser den Termin zu reserverieren, als das auf die lange Bank zu schieben.


    Wünsche Dir die nötige Geduld und würde Dir nahelegen Deine Frau (bzw. die Mutter deines Sohns) mit einzubeziehen.

  • "...viel zeit, was für "uns" nicht leicht auszuhalten ist..." Da hast Du ins Schwarze getroffen. Mit Ungeduld bin ich bisher am meisten aufgefallen;)


    Deine Beschreibung + Ratschläge sind wirklich gut. Vor allem bzgl. Medikinet.

    Da hatte ich den totalen Durchhänger und überlege ernsthaft vor Straterra doch noch eine Ehrenrunde mit Ritalin zu machen.


    Ich werde Dich bestimmt hin und wieder noch mal was fragen.

    Das Erste: Wie alt bist Du und seit wann hast Du die Diagnose?


    VG

    Stefan

  • Hi Stefan,

    bei Medikinet adult war ich abends völlig durch, gestresst, am Ende. Mit der gleichen Dosis Ritalin war das komplett anders und viel besser.

    Es gibt aber auch Leute die bei Ritalin mehr Nebenwirkungen haben, muss man tatsächlich ausprobieren.

    Vor Straterra würde ich tatsächlich einen Versuch mit Ritalin machen. Der Vorteil ist das man innerhalb weniger Tage merkt ob es hilft, bei Straterra kann (muss) man 2-3-4 Wochen warten.

    Ich habe meine Diagnose mit 50 bekommen, bin jetzt 56.

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