Taekwondo, Kung Fu, Aikidō, usw. für AD(H)S Kinder

  • Ich habe in diversen Fachbüchern gelesen, dass defensive Kampfsportarten sehr gut geeignet seien, die Konzentration, das Körpergefühl und das Selbstbewusstsein von AD(H)S-Kindern zu stärken. Zuletzt natürlich auch die Selbstkontrolle in Emotional sehr aufwühlenden Situationen.


    Gestern war unser Probetraining bei den "Drachenkindern" die von einem Dr. der Sportwissenschaften geleitet werden.

    Wir waren allein mit dem Trainer im Raum, um Max den Druck zuschauender Kinder bzw. eine zu großen Menschenmenge zu nehmen. (Bei Gruppen von mehr als drei Personen zieht er sich immer ins Abseits zurück und schaut händeringend zu)

    Nach der Vorstellung der Trainingsstationen und anfänglichem Interesse (Lego Ninjago sei Dank) zog Max sich immer weiter hinter mich, seinen Vater zurück. Als ich am Rand Platz nahm, um zu zuschauen. Verkroch er sich völlig hinter mir und reagierte nicht mehr auf die Ansprache des Trainers. Mit dem Versuch mit ihm wieder in Kontakt zu kommen begann Max zu weinen und wurde sogar böse gegen mich als Bezugsperson und "Schutzschild".


    Wir haben die Stunde abgebrochen. Er traute sich nicht einmal in die Umkleideräume, weil dort nun die Kinder sich für die reguläre Übungsstunde umzogen. Ich musste seine Sachen holen.


    Max hat sich danach auf die Couch gelegt und geschlafen.

  • Ich hätte das Training dort angefangen wo Max trainiert, sonst wird der Spaß logistisch zu aufwändig.

    Für eine Stunde Training bei den "Drachenkíndern" sind 3h mit Hin- und Rückfahrt einzuplanen.


    Bei 2h zur Arbeit und zurück jeden Tag, ist das gründlich zu überlegen, da ich dann nur noch im Auto und nicht mehr zuhause bin.

    Wenn man bedenkt dass ich auf dem Heimweg von der Arbeit oft einen Sekundenschlaf auf der Autobahn habe, ist es noch gründlicher zu überlegen.


    Eine Paradox-Schleife aus der wir nur mit ext. Hilfe raus kommen.


    Aber hier im Ort gibt es eine Judogruppe, da werden aus den 3h nur noch 1,5. ... Ich arbeite daran ;)

  • Hi Stefan,

    da hast Du ja echt zu kämpfen! Unser Sohn hat auch mit Kampfsport geliebäugelt. Aufgrund seiner Impulsivität und damit leider häufig verbundenen Aggressivität habe ich geweigert.


    Unser Sohn ist allerdings weniger zurückhaltend, er stößt die Kids häufig mit seinen unpassenden Reaktionen vor den Kopf. Aber er möchte/braucht einen Sport. Seit den Sommerferien geht er nun zum Fechten. Es macht ihm großen Spaß. Der Fechtlehrer ist Klasse und redet bei Schwierigkeiten ganz ruhig und alleine(!) mit meinem Sohn.


    Judo klingt gut, wäre mein nächster Vorschlag gewesen, wenn Fechten nicht geklappt hätte. Ich drück Euch die Daumen!

    Gruß Mirei

  • Wichtig ist, das Eltern erfahren, wenn Kinder den Sport mißbrauchen.

    Ich hatte als Kind/Jugendlicher (damals DDR) klare Ansagen bekommen. Wer seinen Kampfsport nicht zur Verteidigung einsetzt geht mit einem Schwarzgurt auf die Matte... wenn er sich wieder zum Training traut.

    (kann schmerzhaft werden)

    Ja, das kann ich mir vorstellen. Wir haben es wie gesagt nicht versucht, da ich Bedenken hatte. Vielleicht hätte es funktioniert. Fechten klappt bisher gut! :-)

  • Hallo,


    es ist sehr erfreulich, dass auch Kampfsport ausprobiert wird.


    Hm, ich kann keinen Zitat noch einfügen wie die Mirei es getan hat. Ich glaube, es sei ganz normal auch bei anderen Kindern die Eltern als Schutzschild zu benutzen. Bei uns im Training (Ju-Jutsu) erlebe ich es im Umgang mit den Kindern, dass die Kinder, auch, wenn die zuerst auch drei mal nur zuschauen und nicht mitmachen würden, irgendwann dann doch mitmachen, wenn sie nicht mehr Überfordert mit dem Durcheinander sind. Jedes Kind benötigt unterschiedliche Zeiträume. Gezwungen wird niemand. Respekt ist in der Kampfkunst wichtig.


    Mein Sohn mit sehr schwierigen Verhaltensweisen(!), trainiert schon seit ca. fünf sechs Jahren und es hilft ihn sehr. Es ist interessant und amysant, dass er langsam seine früheren Verhaltensweisen bei anderen sehr bemängelt. Für die Körperwahrnehmung, Kraftdosierung, Sozialverhalten, Einhaltung von Regeln... Bei uns hilft es, obwohl es immer noch ihn sehr viel Kraft kostet, da der Training genau in dem Zeitraum stattfindet als die Medikation aufhört zu wirken (Reboundphase oder so?).


    Somit möchte ich alle ermuntern den Kindern die Zeit zu geben, die sie brauchen. :)

  • Ich persönlich habe Sport und körperlich schwere Arbeit für die Dämpfung des Rebound für mich entdeckt. (ALLEIN!)

    Lärm und Interaktion mit anderen in dieser Zeit ist hingegen die reinste Folter.


    Spaziergänge im Wald allein oder zumindest mit nicht zu viel Dialog beim Laufen mit anderen, helfen auch sehr.


    Kann man nicht die Medikation oder den Sport verschieben?

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