Immer die Verrückte

  • Ich wünsche euch einen schönen Abend. Ich bin gerade sehr aufgewühlt und emotional. Daher möchte ich einfach mal meine Gedanken niederschreiben, weil ich gerade nicht weiss wohin mit meinen Gedanken.


    Umso mehr ich mich mit dieser AD(H)S-Sache beschäftige, desto trauriger werde ich. Zum einen ist es ein merkwürdiges Gefühl quasi sein ganzes "Ich" plötzlich in einer Diagnose zusammengefasst zu finden/ lesen. So als hätte man gar keine richtige Persönlichkeit, sondern sei in seinem ganzen Wesen vom AD(H)S bestimmt. Mich beschäftigt nun umso mehr die Frage, wer ich eigentlich noch bin oder sein kann, wenn mein ganzes Denken, Empfinden und Verhalten vom ADHS so massiv beeinflusst ist, dass eine mir völlig Fremde Person mich so perfekt in nahezu allen Facetten des Lebens beschreiben kann?


    Zum Anderen sehe ich nun ängstlich in die Zukunft. Ich nehme an, dass auch mein Sohn davon betroffen ist (hört oft nicht zu, zappelig, träumt ständig weg usw). Ich habe Angst, was das für Auswirkungen auf sein Leben haben wird. Ich habe Angst dass er mich irgendwann mal hasst, weil ich so oft überreagiere, ihm nicht genug Struktur und Ordnung geben/ vorleben kann und selbst oft ungeduldig, genervt bin und zu wenig Verständnis zeige.

    Und was wird mit mir? Werde ich überhaupt mal einen Mann finden, der mich erträgt? Werde ich vereinsamen? Werde ich nun ewig von Medikamenten abhängig sein und mein Sohn vielleicht irgendwann auch?


    Ich sitze hier und mir kommen die Tränen, während ich das schreibe, weil ich einfach nicht weiss wie es weiter gehen soll und ich mit Bedauern, traurig und wütend auf meine Vergangenheit zurücksehe. Wie viele Chancen ich vermasselt haben, wie viel Mist ich gebaut habe und wie mein Leben hätte besser verlaufen können, wenn ich schon früh Hilfe bekommen hätte oder zumindest davon gewusst hätte, was eigentlich los ist.


    Ich hoffe ich trigger mit diesem Text Niemanden, aber ich weiss gerade selber nicht wohin mit mir.

  • negteit

    Hat das Thema freigeschaltet
  • Das mit dem Kind und das es einen nicht mehr mag irgendwann kann ich so gut nachvollziehen, ich bereue es auch immer wenn ich zu ungeduldig zu impulsiv war aber kann es kaum ändern :(


    Zum Partner, ich habe einen tollen Freund der mich mag wie ich bin und weiß wie ich bin, ob das für die Ewigkeit ist keine Ahnung aber jetzt ist es gut wie es ist.


    Ich habe fast die gleichen Gedanken wie du, drück dich mal ganz fest unbekannter weiße ich hoffe heute geht es dir etwas besser.

  • Ich glaube, wenn man als Erwachsener die Diagnose bekommt, dann stellt man sich alle diese Fragen. Das ist bestimmt normal. Ich glaube aber nicht, das Du irgendjemand bist, deren Lebensteile in einem Buch nachzulesen sind, in welchem die vier Buchstaben ADHS auftauchen.


    Sicher ist es so, das ADHS ein Teil von Dir ist. Aber das ist nur ein Teil. Alles andere kannst Du selbst bestimmen. Du kannst entscheiden, ob Du gegen dein ADHS arbeitest, oder ob Du dich damit arrangieren kannst.


    Ich sehe das ja meinen Kindern. Man kann jetzt jedes mal abgehen wia a zapfal ;-) , oder man sagt sich … ja mei, ist halt sein ADHS. Dann sieht man drüber hinweg, und kann auch mal drüber lachen.


    In Sachen Männer muss ich Dir ganz ehrlich sagen, das ich viele Männer "ausprobiert" habe. Da war an Ehe und Kinder noch gar nicht zu denken. Da war ich noch ganz weit weg davon. Heute bin ich Mama von drei Kindern. Wenn der richtige Kerl kommt, wirst Du ihn erkennen, und er dich auch. Die Natur hat das alles so eingerichtet, das es am Ende immer passt. :saint:


    Dein Leben ist das, was Du daraus machst.

    :thumbup:

  • Katzengesang

    Du machst Dir viel zu viele Gedanken. Es ist doch jetzt so, wie es jetzt ist. Darüber grübeln, was alles anders hätte sein können, wenn man gewußt hätte das, und so weiter. Das bringt Dir nichts. Das kann man am Anfang nach der Diagnose an einem Abend machen, wenn man Kinderfrei hat. Und dann dazu Pizza und zwei Flaschen Rotwein. Oder drei.


    Du weißt jetzt, Du hast ADHS. Die Krankheit ist nicht tödlich, und jetzt kannst Du viel besser damit umgehen. Dir stehen alle Türen offen.


    Findest Du einen Mann? Du hast doch einen Sohn. Der muss irgendwie zustande gekommen sein. Du weißt also, wie man einen Mann kennenlernen und sich in ihn verlieben kann. Das schaffst Du bestimmt nochmal. Und dann läuft es besser. Man muss allerdings nicht mit seinem ADHS ihm ins Haus fallen, wenn Du verstehst.


    Alles nicht so schlimm, wie es sich vielleicht gerade anfühlt.


    🍷🍷🍷

  • sarah82


    Das freut mich dass du jemanden gefunden hast. Darf ich fragen in inwiefern sich deine Impulsivität äußert. Ich schimpfe in Stresssituationen echt viel, sage nicht gerade nette Sachen, drängel und verlange wahrscheinlich zu viel von ihm. Ich habe heute versucht ihn mehr zu loben, sein Geträume mehr als einen Teil von ihm zu akzeptieren und dann nicht zu meckern, er solle sich gefälligst konzentrieren und mir zuhören. Auch habe ich die letzten Tage sein Zimmer komplett entrümpelt und es somit reizärmer zu gestalten. Er schläft seitdem viel besser und hat auch weniger Probleme Ordnung zu halten, was dazu führt dass wir weniger streiten und er nicht so überfordert ist, wenn ich sage "Aufräumen".


    Moni


    Ich hoffe natürlich sehr dass ich irgendwann einen passenden Partner finde, der mich aushält, aber den ich auch mag. Ich tue mich sehr schwer mit dem Verlieben und wenn, dann versemmel ich das teilweise schon in der Anfangszeit durch mein nervöses Geschnatter und meine komische Art. Ich merke dass ich einfach komisch bin und gerade gestern sagte mir eine Nachbarin, ich sei verrückt, was mich sehr gekränkt hat. Ich will nicht die "Verrückte" sein und ich gebe mir tierisch Mühe, aber durch sowas werde ich immer sofort runtergerissen, was mir auch auf Arbeit oft Probleme macht.


    Im Moment bin ich überfordert, weil ich keine Ahnung habe, wie es weitergehen soll. An wen ich mich wenden soll, wie ich das zusätzlich zu meinen täglichen Aufgaben noch schaffen soll, mich um Therapien etc zu kümmern. Wenn ich daran denke wieder zig Anrufe zu tätigen, Termine machen und behalten und dann wieder Rückschläge, weil die Therapeuten keine Kapazität (oder schlicht keinen Bock auf Patienten mit diesem Krankheitsbild haben) oder keine Erfahrung haben usw. Das stresst mich jetzt schon enorm.

    :-(


    Schnuppe


    Mein Ex ist psychisch auch nicht auf der Höhe. Kontakt besteht zu ihm nicht und das möchte ich auch nicht. Die Zeit damals war der Horror und er hat mich auch mehrmals schon nach kurzer Zeit verlassen, während er mit allen anderen zumindest ein paar Jahre audgehalten hat.

    Allgemein wurde mir schon oft rückgemeldet, dass ich nerve, anstrengend bin und wenn die Argumente ausgingen:"du bist ja auch krank."


    Der Druck es endlich richtig machen zu wollen, zu können oder eben nicht wieder zu versauen verschlimmert bei mir die Symptomatik enorm und dass alleinerziehend sein fordert mich nochmal extrem.


    Bitte nicht falsch verstehen, ich will nicht jammern und habe sicher auch viel Gutes im Leben, was ich ganz allein geschafft habe, aber dennoch macht es mich traurig, wenn ich dann wieder Kritik kriege, abgelehnt werde oder mir jemand vorhält, was ich alles nicht kann/ falsch mache.


    Ich sehe einfach dass andere mit Leichtigkeit Gespräche aufbauen und führen können, ruhig bleiben und alles gut geregelt bekommen. Ich arbeite nur 25h und bin dennoch oft komplett überfordert und mit dem Wissen, dass ich nicht nur vorübergehend etwas ausgelaugt bin, sondern wohl mein ganzes Leben mehr oder weniger damit zu tun habe, das ist schon schwer für mich. Im Moment fehlt mir der Lichtblick.


    Dass mein Sohn evtl Probleme kriegen könnte (wird dieses Jahr eingeschult) und am Ende unglücklich wird, das fällt mir wirklich schwer zu ertragen. Ich kann natürlich nicht in die Zukunft sehen und ich will versuchen ihn für die Zukunft zu stärken und sein Selbstvertrauen zu fördern und nicht nur auf seine Schwächen zu achten und rumzureiten.


    Für mich ist das alles noch recht frisch und ich bin im Moment, ganz ehrlich, noch ziemlich traurig und überfordert. Aber ich hoffe dass mich der baldige Termin bei meinem Neurologen schon einen großen Schritt weiterbringt.


    Danke für eure Worte.

  • gestern habe ich mich mit einer Nachbarin unterhalten. Während des Gesprächs kritisierte sie mich ua weil ich sie manchmal nicht grüße, so schnell die Treppen immer rauf und runter renne (und dabei so laut bin) und dass ich verrückt sei.

    Als ich ihr sagte, dass ich manchmal einfach in Gedanken bin und sie es mir nicht übel nehmen soll, wenn ich sie nicht Grüße, sagte sie dass das nicht normal sei. Ich erklärte ihr, dass ich es manchmal morgens eilig habe oder oben was vergesse und ich deshalb so schnell renne. Da kam dann, dass ich dann eben früher aufstehen muss (ja, leichter gesagt als getan) und dann noch der Spruch mit dem Verrückt sein. Das konnte ich echt nicht gebrauchen. Gerade jetzt, wo ich sowieso momentan ziemlich gestresst und empfindlich bin. Und ich habe mich tierisch geschämt, weil ich selbstverständliche und einfache Dinge nicht sehe und auch nicht hinkriege, sie aber sogar relativ fremden auffallen. Das hat mich voll runtergezogen.

  • Nun ja vielleicht bist du ja auch einfach nur verrückt geglückt ? ;)


    Mir sagt man das auch nach , aber ich sehe es auch ein wenig als Kompliment, aber das war immer in einem netten Kontext. Bei dir ist das natürlich schon eine andere Situation


    Es ist für neurotypische einfach nicht nachvollziehbar, das wir so sind wie wir sind .

    Das das Leben für uns und die anderen einfacher wäre, wenn wir nur eben ein paar Dinge ändern, ist für die eine logische Schlussvolgerung. Das funktioniert ja leider nicht X/


    ...aber wenn du ggf. wirklich zu laut bist, solltest du schon schauen ob du da was aus Rücksicht machen kannst. Aber vielleicht wird die Medikation ja auch noch ein wenig helfen.

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