Mutter-Kind-Kur Schwerpunkt ADHS

  • Hi,


    ich dachte, ich hätte hier zu dem Thema schon mal was gelesen, aber ich finde nichts. Vorsicht das hier wird lang!


    Aktuell ist es sehr schwierig bei uns und Sohnemann hat trotz Medikament große Schwierigkeiten mit seiner Impulssteuerung. Insbesondere die Übergänge (Schule - Hort, Hort - Essen, ...) fallen ihm sehr schwer und er reagiert schnell aggressiv (haut andere Kinder, wirft mit Sachen um sich). Aktuell sich wir auf der Suche nach einer Psychotherapie (Verhaltenstherapie) für ihn, aber ich finde keinen Platz. Psychotherapie: "Also im nächsten halben Jahr haben wir keinen Platz frei!" Aber er braucht jetzt Hilfe! Es ist zum Heulen!


    Zusätzlich gibt es folgende Stressbedingungen für mich und meinen Sohn:

    - Vater hat im März die Arbeitsstelle gewechselt und ist seitdem häufig auf Dienstreise (gefühlt ca. 2,5 Wochen pro Monat)

    - ich arbeite 40 Stunden pro Woche, war dieses Jahr erst einmal auf Dienstreise (2 weitere für September bzw. November geplant)

    - Seit August geht Sohnemann 1-2 mal pro Woche zum Fechten, guter Ausgleich, aber auch hier gab es jetzt erste Konflikte mit anderen Kindern

    - Schule sagt die ganze Klassensituation ist aktuell sehr schwierig und Sohnemann lässt sich häufig animieren den Klassenclown zu mimem und stört massiv den Unterricht. Schwierigkeit hier: Einmal angefangen lässt sich unser Sohn nur schwer wieder "runterfahren"

    - dennoch: Schule schlägt Probebeschulung an regulärere Grundschule mit Schulbegleiter vor, dazu müssen wir jetzt einen Antrag beim Jugendamt auf irgendeinen Paragraphen 35a stellen. Parallel dazu sollen wir uns um eine Grundschule kümmern mit möglichst max. 20 Schülern pro Klasse (In Dresden sind für gewöhnlich 25 - 28 Schüler pro Klasse!). Aussage der Schule: Es gibt ja auch Privatschulen. :cursing: Ich habe am Donnerstag noch mal ein Gespräch mit der Beratungslehrerin, wo ich hoffentlich genauere Infos bzgl. der Vorgehensweise erhalte.

    - die Schule vermutet unser Sohn ist im Unterricht unterfordert, da auch noch ein paar andere Leute das Wort "Hochbegabung" in den Mund nahmen, haben wir nächste Woche bei der Psychiaterin eine Leistungsdiagnostik. Ich persönlich glaube nicht daran, dass unser Sohn hochbegabt ist. Sicher er ist sehr intelligent, hinterfragt alles und braucht viel Input - aber hochbegabt? Ich weiß nicht!

    - ich bin gesundheitlich aktuell nicht ganz auf dem Posten: mein linker Ringfinger war gebrochen und kommt nur langsam wieder in Schwung. Mein Rücken tut jeden Morgen weh (aktuell Physiotherapie, Orthopädentermin im November). Dazu kommt Bluthochdruck, der aber inzwischen mit Tabletten gut eingestellt ist.

    - zu Hause herrscht Chaos, ich komme nicht mehr hinterher mit aufräumen und sauber machen.

    - ...


    Mein Mann kümmert sich zwar, aber da er so häufig auf Dienstreise ist, bleibt das Meiste an mir hängen. Gestern gab es wieder Schwierigkeiten in der Schule mit der Ankündigung, dass beim nächsten Verstoß gegen die Hausordnung Ordnungsmaßnahmen (Klassenleiterverweis, Schulleiterverweis, ...) verhängt werden. Gegen 13:00 Uhr rief der Hort an, weil Sohnemann mit Bausteinen um sich warf. Ich konnte meinen sohn am Telefon beruhigen, aber ich war fertig.


    Der Start heute morgen war auch schwierig, Sohnemann war wegen eines Streites sauer auf mich und fing an seinen Rucksack zu packen um auszuziehen?! Als dann mein Auto auch noch einen platten Reifen hatte war es vorbei! Nachdem ich Sohnemann mit der Straßenbahn zur Schule geschickt habe, saß ich erst mal 10 Minuten im Wohnzimmer und hab nur noch geheult!


    Ganz ehrlich, ich bin am Ende meiner Kraft und die ganzen anstehenden Organisationsaufgaben überfordern mich! Jetzt haben mir meine Kolleginnen ans Herz gelegt, eine Mutter-Kind-Kur zu beantragen. Nach anfänglicher Skepsis finde ich die Idee gut. Wir müssen mal raus aus dem Alltag und ich glaube, dass kann uns tatsächlich helfen.


    Nun zu meinen Fragen:

    * Hat jemand von Euch schon mal eine solche Kur beantragt?

    * Was muss ich dabei beachten?

    * Gibt es Mutter-Kind-Kuren, die sich auf ADHS-Kinder spezialisiert haben? Bei denen es auch Therapien für das Kind gibt?

    * Kann jemand von Euch eine Einrichtung empfehlen?

    * Hat jemand von Euch Erfahrungen mit Schulbegleitern? Unsere Psychiaterin meinte es gibt zu wenige und "nur" mit der Symptomatik ADHS wäre es schwierig.


    Tut mir leid, es ist wirklich sehr lang geworden. Danke fürs Lesen - hat schon mal geholfen, dass alles auf zu schreiben.


    Gruß Sandra

  • Hallo,


    gut, also der Reihe nach :-)


    Der §35a ist für das Jugendamt ein mächtiges Werkzeug, um Hilfen für Kinder (wahlweise auch Eltern) durchzusetzen. Er ist sozusagen die Allzweckwaffe, da man hier von "von einer drohenden seelischen Behinderung" oder eine "seelischen Behinderung" spricht. Eigentlich, also in der Realität gibt es das gar nicht. Es handelt sich also um ein sozialrechtliches Konstrukt, welches dem Jugendamt erlaubt, Dinge zu veranlassen, die sonst ein Gesetzgeber nicht versteht oder nicht vorsieht. Es ist für dein Sohn also etwas Gutes. In den nächsten Tagen werden die Texte dazu hier wieder online verfügbar sein. Ich hinke immer noch etwas hinterher. Ich bin selbst gerade ziemlich im Stress, aber ich arbeite dran.


    Eine Kur beantragst Du bei der Krankenkasse. Und die haben erfahrungsgemäß auch Adressen dazu. Und aus Berichten kann ich sagen, das eine solche Kur durchaus gut sein kann und Sinn macht. Wenn Du das also genehmigt bekommst, dann auf jeden Fall machen. Und ja, es gibt spezuielle Angebote zum Thema ADHS.


    Schulbegleiter gibt es Gute … und die anderen. Man kann Glück haben, oder nicht. Das ist a bissl wie Lotto. Im Zweifel machen, und wenn der / die nix ist, dann kann man das im Nachgang immer noch ändern. Aber grundsätzlich würde ich es probieren.

  • Hallo,


    ich danke Euch für Eure netten Worte!!! Heute geht es mir schon besser. Trotz platten Reifen und Stress am Morgen lief es gestern in Hort und Schule super!


    Ich war gestern abend noch bei der Krankenkasse und die Dame hat mir gut zugeredet und die Antragsformulare mitgegeben. Ich hab dann gestern abend noch ein wenig beim Müttergenesungswerk geschaut und einige Kureinrichtungen gefunden, die sich auf Mütter mit ADHS Kindern spezialisiert haben. Jetzt werde ich mir eine Einrichtung aussuchen, alles zügig ausfüllen und den Antrag wieder bei der Krankenkasse abgeben. :-)


    Heute morgen hat mir dann eine Kollegin, die Kontaktdaten Ihrer Nachbarin gegeben. Die Nachbarin hat auch einen Sohn mit ADHS und war bereits zweimal zur Mutter-Kind-Kur. Die Nachbarin hat angeboten, dass wir miteinander telefonieren und sie will mir Tipps zur Kur und auch bzgl. Schule geben. Ich bin schon gespannt auf das Gespräch!


    Licht am Horizont! :-)

  • Hallo Mirei,


    da bist Du schon viel weiter als wir!


    Aber langsam..

    Wir wollten den Junior ursprünglich in ein Waldi (Waldorfschule) einschulen. Das halte ich auch bei Deinem Sproß für eine mögl. Lösung, da es zwar nach Waldorfpädagogik kein ADHS gibt, aber das Schulkonzept "besonderen" Kindern sehr entgegen kommt. Die Unterforderung wäre dort kaum mehr ein Problem, weil er einfach Themen mit den Älteren machen könnte.


    Deine Rücken:

    schreib mir mal außerhalb dieses Chat die Anzahl der Latten des Rostes, den Matratzennamen /Typ und das Kaufdatum. Falls es daran liegt sollte ich es raus finden können. (War 1994 meine Prüfungsthema bei der IHK und ich habe mich bis 2002 ständig weiter qualifiziert)


    Zu den Dienstreisen:

    Ich habe den Job, bei dem ich Sonntagabend bis Donnerstagabend unterwegs war aufgegeben, da meine Frau mit dem Junior überfordert war.

    Seit ü 2J arbeite ich fest in der Region und bin ab Ende Hort bis zum Abend für den Zwerg da.


    Kur:

    Hiiiier! Ich auch! Bitte möglichst viele Infos hier mit rein, weil ich mit dem Zwerg zur Kur möchte und davon unabhängig auch meine Frau es sollte. Wir sind mit uns und dem Zwerg mehr und mehr überfordert und müssen dringen der Eskalationsschraube den Kopf abschlagen.

  • Ich war 2x im Caritas-Haus Feldberg im Schwarzwald. Sehr zufrieden mit den Tipps für ADHS. Tolle Klinik Schule, die ich für Grundschule jedenfalls toll fand. Weiterführende Schule hab ich noch nicht ausprobiert.


    Antrag am besten mit Diakonie oder Caritas durchsprechen. Die haben gute Tipps, auch für Kliniken.


    Wir haben auch einen I Helfer über das Jugendamt ... man braucht ein Gutachten von Psychiater und die Lehrerin (evtl. Hort?) sollen Fragebögen ausfüllen, Hausbesuch vom Jugendamt (schauen, ob es nicht am a sozialen Haushalt liegt, dass das Kind spinnt, sozusagen, also im Normalfall kein Problem) . Dann Geduld, bis ein I Helfer verfügbar ist.

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