Ich bin am Ende meiner Kräfte

  • Hallo!


    Ich muss mir jetzt etwas von der Seele schreiben. Eigentlich kann ich nicht mehr. Und wer es nicht lesen will, der breche hier gleich ab.


    Klar weiß ich was ADHS ist. Ich bringe wirklich, und ich meine wirklich, ganz viel Verständnis für ihn auf. Er ist Entwicklungsverzögert, und hat gelinde gesagt nicht immer alle Tassen im Schrank. Als Mama darf ich eigentlich nicht so über mein Kind reden, aber ich sage auch nur wie es ist. Und so ist es eben.


    Ich habe ihn jetzt ins Bett gesteckt. Ich habe ihn nicht mehr ausgehalten. Ich bin fix und fertig.


    Es fing heute morgen alles ganz harmlos an. Wir haben einen Auslassversuch gestartet. Wir haben jetzt eine Woche Ferien. Bis Mittwoch habe ich selbst frei. Den Donnerstag und Freitag übernimmt mein Freund. Und ich dachte es wird schon alles gut laufen, weil wir auch Fortschritte gemacht haben.


    Ich meine, Morgens nach dem Aufstehen ist es immer ein Kampf. Er bekommt das Medikinet erst um 7:00Uhr, damit es bis zum Schulstart auch loswirken kann.


    Er konnte aber seit 4Uhr (sagt er) nicht mehr schlafen, und hat dann die halbe Nacht bis um 10Uhr Vormittags XBox gespielt. Er darf das auch am Wochenende. Er darf das schon immer. Nur unter der Woche darf er nicht spielen. Da gibt es Hausaufgaben, pünktlich ins Bett gehen, und so weiter.


    Dann sind wir aufgestanden, und ich bereitete Frühstück vor. Da bin ich schon die ersten Male von ihm übelst beschimpft worden. Und dann tat es ihm hinterher leid. Gut, also alles wie immer: Vergeben und vergessen.


    Beim Frühstück war die Breze zu hart, das Ei zu weich, und was weiß ich. Dem Kronprinzen konnte man es nicht recht machen. Es eskalierte dann schon wieder. Viel Geschrei, viel geweint. Es war noch nicht mal annähernd Mittag, und ich war mit den Nerven am Ende. Ich wollte eine Auszeit, deshalb habe ich ihn in sein Kinderzimmer getragen, und dort auf den Boden gesetzt. Dann bin ich gegangen, und habe die Tür zugemacht. hier sind normal alle Türen immer offen, damit er weiß, er kann jederzeit kommen. Tür zu bedeutet, er hat eine rote Linie überschritten.


    Er schrie. Ich weiß nicht wie lange. Irgendwann endete das ganz plötzlich, und ich bekam es mit der Angst zu tun. Deshalb bin ich ins Kinderzimmer gelaufen, und da habe ich gesehen, wie er mit runtergelassenen Hosen gerade auf den Teppich gepinkelt hat. Er hat wissentlich und absichtlich auf den Boden gepinkelt. Er hat genau gewusst was er tat. Und für mich war das einfach zu viel. Ich habe ihn gepackt, aufs Bett gelegt und ihn ausgezogen. Danach habe ich ihm eine Windel um gemacht, und ins Bett gesteckt. Er sollte es ja nicht wagen aufzustehen, bevor ich ihn hole.


    Danach habe ich zwei Stunden kein Mucks von ihm gehört. Und er hat auch wirklich geschlafen. Ich habe das kontrolliert. Dann habe ich ihn geweckt und Duschen geschickt. Die Windel war natürlich voll. Aber es ist okay, wenn er im Schlaf in die Windel macht. Es kann aber nicht mehr okay sein, wenn er bewusst auf den Teppich im Kinderzimmer pinkelt!


    Wir hatten es dann schon 3 oder 4. Ich weiß es nicht mehr genau. Jedenfalls wollte ich ihm das nicht ohne Konsequenzen durchgehen lassen. Und ich wollte, das er sein Zimmer aufräumt, Staub wischt und sein Zimmer durchsaugt. Er hat dann angefangen Playmobil zu spielen, und er hat seine Aufgaben völlig vergessen.


    Bis in den späten Abend gab es dann immer wieder Streit und Geschrei. Und als mein Freund vorhin nach Hause gekommen ist, wurde es nicht besser, sondern noch schlimmer. Um 21Uhr habe ich ihn dann gegen seinen Willen Bettfertig gemacht.


    Und jetzt sitze ich hier und habe selbst Tränen in den Augen. Ich kann nicht mehr.


    Morgen stehe ich extra früh auf, und dann bekommt er wieder sein Medikinet, so wie er es gewohnt ist.


    Auslassversuche gibt es erstmal keine mehr. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche!!!!!!!

  • Ojeoje.... ich kann dir sehr gut nachempfinden, das ist ja die Hölle!!


    Wir haben in den Weihnachtsferien drei Wochen die Medis weggelassen, das war auch eine Probe für uns alle.


    Aber gsd gab es keine absichtlichen Trotzhandlungen... und wir waren fast immer zu viert, also beide Eltern dabei. Alleine wollte das keiner von uns haben...


    Ich bin schon seit über einem Jahr kräftemäßig sehr stark eingeschränkt und müsste schon lange in eine Reha. Aber ich kann meinen Mann auch nicht mit dem Wahnsinn alleine lassen, selbst mit Medikation. Auch diesbezüglich kann ich dir also gut nachempfinden.


    Mein Eindruck ist, dass die Spiele meinen Sohn fix und fertig machen. Auch TV, bewegtes Bild generell führt bei ihm ganz schnell zu Reizüberflutung und dann ist der Tag gelaufen. Ich erlaube all das niemals vor dem Mittagessen. Eher dann, wenn ich eine kleine Mittagspause brauche...


    Bei uns, er ist 12, gab es bis vor Kurzem maximal 20 Minuten Handy- oder Wii-spiele. Ich erlaube ihm keine Spiele, die den Spieler zwingen, schnell zu reagieren. Und ich erlaube nur ab und zu mal schnelle Trickfilme. Bugs Bunny und sowas reduzieren wir auf ein Minimum. Eigentlich habe ich es verboten, aber manchmal zappt er sich doch mal hin, wenn es grade nichts Besseres gibt. Gelegentlich dulde ich das mal, aber erst direkt vor dem Abendessen, den das ist wirklich der Hirntöter.


    Er soll Filme schauen, bei denen echte Menschen vorkommen und reale Situationen. Von mir aus sehr gerne Serien, in denen jetzt nicht grade pubertierende Teenager Unsinn machen... er ist grade begeistert von einer Tierarzt Serie. Da geht es ganz schön zur Sache, aber gsd stecken beide, also auch sein neunjähriger Bruder, das gut weg. Ich finde, das schult auch den Blick für ganz andere Themen und reale Probleme. In seinem Fall, bei autistischen Problemen, finde ich es wichtig, dass er auch die Sorgen und Emotionen der Tierhalter sieht und kennenlernt. Das ist für Deinen Sohn vielleicht noch zu früh...


    Eigentlich mag er Reaktionsspiele eh nicht so wahnsinnig gerne, weil er dabei schlechter abschneidet als sein kleiner Bruder. Deshalb schaut er am Handy lieber Youtube Videos von irgendwelchen Bastlern, die Autos mit grobem Gerät auseinanderschweißen oder irgendwas reparieren, irgendwelche anderen Basteleien...


    Zum Thema selber aufräumen - damit ist er wahrscheinlich generell noch überfordert, erst recht ohne Medis, nach vier Stunden XBox und dem ganzen vorhergehenden Durcheinander... mein Sohn kann bis heute nicht richtig aufräumen, das ist ja eine Frage der Selbstorganisation, das kann zumindest mein Sohn noch nicht. Der kleine Bruder durchaus...


    Ich schicke dir eine extra Portion Kraft - und ja, gib erstmal wieder die Medikamente, es hat keinen Sinn, wenn du so angeschlagen bist...


    Alles Gute Euch!

  • Ich bin einfach nur völlig fertig.


    Ich habe ihn schon lange nicht mehr so grob angefasst, wie heute. Am liebsten hätte ich ihm heute ganz oft den Po versohlt. Ich war so sauer auf ihn.


    Ich hoffe, das es morgen wieder besser ist. Noch so einen Tag überstehe ich nicht.

  • Ich finde genau sowas was du hier schreibst in allen Facetten und Gedanken das darf sein und ist mehr als verständlich und menschlich. Selbst Eltern ohne ADHS, mit Kind ohne ADHS kommen in diese Situation das Kind einfach mal am liebsten..............bis es endlich die erlöste Ruhe gibt.


    Und wenn wir selbst in unserem ADHS auf mega Hyper sind, wollen wir dann nicht auch manchmal am liebsten einfach gegen unseren Schädel hauen, damit es endlich Ruhe gibt.


    Ich selbst komme auch besser mir ruhigen Filmen klar. Mir geht es voll auf dem Senkel wenn ein interessanter Dialog noch mit effekten , Musik etc untermalt wird.

    Vielleicht springt er ja auf die alten Kinderfilme wie Lassi, oder Flipper etc. an da ist noch mehr Ruhe im Programm.


    Bin ein Fan von Jacki Chan und der selbst hat z.B. gesagt das es für ihn ein großer Spagat war in den USA zu drehen, weil ein Teil seiner Filme in allem heftiger wurden. Er hatte die Einstellung, das eine ganze Familie mit KIndern seine Filme sehen kann und fand es schlimm das dies durch die FSK eingeschränkt werden musste.

  • Hallo Flocki,


    dein Beitrag ist zwar schon ein bisschen her, aber ich fühle voll und ganz mit Dir.

    Wir sind auch am Anschlag hier seit einiger Zeit und ich nehme die Wochen jetzt tageweise. Gestern habe ich mich krank gemeldet, um die Eskalation abzubremsen und zumindest zu sichern, dass wir als Eltern nicht auch noch gegeneinander kämpfen.


    Wenn ich lese, dass du das bis 21 Uhr alleine bewältigt hast, dann musst Du absolut stark sein! Dein Sohn kann froh sein, dass er Dich hat!


    Wir weinen auch und sind des Öfteren am Ende.

  • Das war wirklich ein besonders schlimmer Tag. Und diese Ausgangssperre tut uns wirklich nicht gut.Es gibt in letzter Zeit immer wieder Situationen, die völlig außer Kontrolle geraten. Da er sein Medikinet bekommt, glaube ich nicht an ADHS. Den macht es fertig, nur noch zuhause zu sein, und nicht raus zu dürfen. Es ist so, als hätte ich hier ein unruhiges und aggressives Tier, das jeder Zeit jemanden anfallen könnte. Inzwischen hat er wieder Ganztags die Windel um. Wenn er mal wieder ausrastet, dann "läuft er aus". Der hat sich dann nicht mehr unter Kontrolle. Geweint wird hier auch sehr viel. Ich kann ihn aber nicht einfach raus an die Luft schicken, so wie ich es eigentlich immer mache, wenn wir Abstand brauchen. Morgen gehen wir in ein abgelegenen Wald. Er soll sich dort frei bewegen wie er will. Da gibt es auch so einen Entdeckungsspielplatz, mit Wasserpumpe. Das liebt er. Ich hoffe dann ist er morgen Abend ausgepowert und kann sich beruhigen. :-(

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