18 Jähriger stellt sich vor

  • Hallo liebes Forum,

    ich bin Max, 18 Jahre alt und bei mir wurde mit 12 ADHS diagnostiziert. Damals war ich in der Unterstufe im Gymnasium und hatte ständig aufgrund meines Verhaltens ständig Gespräche mit Lehrern und Schulleitung. Hausaufgaben konnte ich nie zu Ende bringen, meine Mutter und ich hatten tagtäglich teils schlimme Auseinandersetzungen, hauptsächlich wegen meiner schulischen Leistungen und dem bockigen Verhalten zuhause.


    Irgendwann ging Sie dann mit mir eben zu einem Kinderpsychiater der bei mir die Diagnose stellte. Ich bekam zunächst Medikinet (glaube 20 und 30 mg) was aber nach kurzer Zeit abgesetzt wurde da ich sehr müde davon wurde und nun anstatt bockig und aufgedreht nachmittags geschlafen habe. Ritalin hatte ähnliche Auswirkungen, und meine Mutter entschied daraufhin die medikamentöse Behandlung sein zu lassen.

    Somit war ich nun bis zum Februar diesen Jahres auf mich alleine gestellt, und ich muss sagen, mein Zustand hat sich natürlich seitdem sehr verschlechtert.


    Ich habe 2013 die Schule gewechselt da ich höchstwahrscheinlich bis zum Abitur geflogen wäre.

    Meine Eltern (die seit ich 2 bin geschieden sind aber in gutem Verhältnis btw), die wohlhabend sind (komme ich gleich noch zu), meldeten mich auf einem privaten Gymnasium an, mit der Hoffnung es würde mir gut tun. Bis zur Oberstufe gibt es auf jener keine Noten, und allgemein geht es dort lockerer zu als auf einer staatlichen Schule.

    Nun ja, bis zum heutigen Zeitpunkt habe ich auf dieser Schule ca. 12 Verweise, 3 verschärfte und 2 temporäre Suspendierungen bekommen, und stand auch oft kurz davor zu fliegen. Es ging immer um Regelverstöße, zwar keine schlimmen, aber die Häufigkeit ist der Punkt.


    Außerdem kommt das Problem der extremen Konzentrationsschwierigkeiten hinzu, ich kann mich in der Schule absolut gar nicht konzentrieren und höre im Unterricht nur sehr selten aufmerksam zu. Zuhause lerne ich seitdem ich auf der Privatschule bin auch fast gar nichts mehr. Nur mit Glück und viel Abschreiben in Tests habe ich es eigt bis zur 12. geschafft.

    Ein weiterer belastender Punkt ist mein impulsives Verhalten. Ich tätige viele Spontankäufe im Internet, gebe mein nicht selbst verdientes Geld fast jeden 2. Tag für Fast Food aus, kaufe jeden Monat Klamotten und war sogar bis vor Kurzem noch Online-Glücksspiel süchtig. (v.a Lotto/Rubbellose)

    Das impulsive Verhalten spiegelt sich auch in meiner Sprache bzw Gedanken wieder. Ich sage oft unüberlegte Sachen, Dinge die während eines Themas nicht dazupassen, und bereue es dann hinterher.


    Trotz meiner offensichtlichen Hyperaktivität, die sich eigentlich ausschließlich in der Schule bei meinen "Freunden" zeigt, bin ich komischerweise sehr introvertiert und brauche nach einem Tag in der Schule unbedingt Zeit alleine. Ich mache deshalb in meiner Freizeit nichts anderes als in meinem Zimmer zu sitzen und entweder YouTube Videos zu schauen oder am Computer zu hängen. Seit einiger Zeit fahre ich auch ziellos mit meinem Auto durch die Landschaft und höre laut Musik. (Btw meinen Führerschein habe ich vor einem Jahr erstaunlicherweise geschafft, die praktische Prüfung zwar erst im zweiten Anlauf aber trotzdem; Ich hätte es zum damaligen Zeitpunkt nicht gedacht)

    Auch während dem Autofahren äußert sich natürlich mein ADHS, ich neige dazu schneller fahren zu wollen, schaffe es aber bisher meistens es sein zu lassen weil ich ja in der Probezeit bin. Keine Ahnung wie es nächstes Jahr aussieht. Auch lenke ich mich während dem Fahren oft mit dem Handy ab, so kam es schon 2-3 mal fast zu einem Auffahrunfall.


    Ach ja, letzte Woche habe ich mich bei einem psychatrischen Gutachter nochmals mit ADHS diagnostizieren lassen. Um sicher zu gehen. Es wurde dabei neben dem nun gesicherten ADHS festgestellt, dass ich an einer mittelgradigen Depression leide. Für mich weniger überraschend.

    Nachdem das im Februar zunächst verschriebene Ritalin und Medikinet adult in verschiedenen Dosisgrößen nichts gebracht haben, und ich eher euphorisch nach der Einnahme wurde bzw keine sonstigen positiven Wirkungen verspürte, verschrieb mir die neue Psychaterin letzte Woche Elvanse. 3 Tage lang habe ich 20 mg genommen, es kam erneut zu euphorischen Zuständen (viel Motivation mit der ich aber nichts sinnvolles anfangen konnte), außerdem habe ich seitdem den Appetit verloren und leide an (so verspüre ich es) schnelleren Herzschlag. Das habe ich der Psychaterin telefonisch mitgeteilt, sie meinte es könne an einer Unterdosierung liegen und empfahl mir morgen 2× 20 mg zu nehmen. Das tat ich die letzten 2 Tage aber meine euphorische Stimmung besserte sich kaum, genauso wenig wie der Appetit.

    Ich habe trotzdem das Gefühl mich etwas besser auf Sachen konzentrieren zu können, sonst hätte ich es vermutlich nicht geschafft einen so langen Text zu schreiben. Aber schulische Angelegenheiten vermeide ich weiterhin, auch ist das impulsive Verhalten noch da.

    Und ja, ich bin seit etwa 4 Wochen 1 mal die Woche in psychologischer Behandlung, hauptsächlich wegen meiner Depression aber.


    Naja das soll es erstmal gewesen sein, sorry für den langen Text. Vielleicht hat der ein oder andere ein paar Anregungen an mich.


    Danke im Vorraus :)

  • Herzlich willkommen hier im Forum!


    Sehr schade, dass damals bei der Medikation nicht nochmal weiter nach Lösungen gesucht wurde, da gab es ja auch damals noch weitere Optionen...


    Und sehr schade für dich und deine Umwelt, das du das alles erleben und erleiden musstest... Kein Wunder, wenn eine Depression entsteht... Wobei ich dir wünsche, dass die jetzt bald besser wird mit Therapie und Medikamenten.


    Toll, dass du jetzt nochmal selber einen Anlauf genommen hast!


    In dir steckt bestimmt noch viel Potential, wenn du die richtige Medikation bekommst!


    Ich habe in einem anderen Forum die Bullet Journal Methode entdeckt, die jemand mit ADHS entwickelt hat, Ryder Carroll, um im Alltag klar zu kommen. Es geht unter anderem auch darum, seine kleinen Ziele für den Alltag zu formulieren und auch zu tracken. Vielleicht ein Projekt, dass du mit dem/der Therapeutin ausarbeiten und auch für die Therapie und das weitere Leben nutzen kannst.


    Lass dich nicht abschrecken von den vielen Webseiten und Büchern, die sich oft eher der künstlerischen Gestaltung widmen. Es gibt auch Seiten und Bücher mit echten Tipps für den Alltag mit ADHS.


    Alles Gute! ...und viel Geduld bei der Eindosierung... manchmal ist es besser, mit ganz geringer Dosis in kleinen Schritten laaaaangsam zu steigern...

  • Ich habe das früher in deinem Alter auch gemacht. Dieses ziellose durch die Gegend fahren meine ich. Es gab mir immer Gelegenheit in Ruhe nachzudenken. Ich mache das heute auch noch. Entspann dich also. Es gibt Dinge, die bleiben. ;-)


    Eigentlich ist ADHS kein Grund um traurig zu sein. Das ändert ja nichts. Man muss da auch mal über sich selbst lachen können. Ich habe mein Handy schon im Kühlschrank verloren … ja mei. Und als ich in deinem Alter versucht habe zu kochen, ist das Wasser im Topf verdampft, und die beiden Frühstückseier sind nach explosivem Getue in der ganzen Küche …. Schwamm drüber. Ich bin heute noch davon überzeugt, das man bei "TK-Pizza in den Ofen schieben" von Kochen sprechen kann. Und wenn die dann fertig ist, dann ist das eine schwarze Scheibe - und Antik.


    Das Leben ist manchmal fies, aber lustig. Wichtig ist nur, das man sich mit der Sache arrangiert, und einen Weg für sich findet.


    Ich habe es zum Beispiel längst aufgegeben, Socken zu sortieren und ineinander zu stümpeln. Ich kaufe immer die gleichen Socken, im gleichen Laden, in der gleichen Größe, in der gleichen Ausführung, ….. Alle Socken passen immer zusammen.


    Ich hab große Probleme mit Kauf von Klamotten. Alle T-Shirts sind gleich - nur die Farben sind unterschiedlich. Gibt drei Farben. Aber immerhin nur eine Größe. Immer im gleichen Laden, ….


    Naja, und solche Sachen helfen mir den Alltag zu überleben. Das Leben ist doch toll. :-)


    Ja, klar. Man darf das keinem erzählen … aber das geht ja auch niemanden was an. ;-)

  • Sehr lustig, Negteit, zumindest, solange du selber darüber auch mit lachen kannst... ;)


    Zum oben von mir Geschriebenen wollte ich präzisieren - das Folgende -

    "Lass dich nicht abschrecken von den vielen Webseiten und Büchern, die sich oft eher der künstlerischen Gestaltung widmen. Es gibt auch Seiten und Bücher mit echten Tipps für den Alltag mit ADHS."


    ... also das bezog sich auf Sachen zur Bullet Journal Methode...

  • Danke negteit, du hast in der Tat Recht. Wenn man über manche Sachen lachen kann die einem hin und wieder passieren ist es halb so schlimm.

    Am Dienstag stand ich z.B mit den am Vortag mühsam eingeladenen Winterreifen frühmorgens beim a.t.u, nur um dann vom Mitarbeiter zu erfahren dass der Termin erst am darauf folgenden Dienstag ist. :rolleyes: Klar, ich war erst richtig genervt weil ich dadurch einen ziemlichen Mehraufwand haben werde. Aber naja, gehört wohl dazu.


    Raupi Ah okay, verstanden ;) Schaue ich mir auf jeden Fall mal an, danke!

  • Herzlich Willkommen


    Zum Thema Appetit kann ich nur sagen, das Du dir feste Zeiten geben musst, zu denen Du etwas isst. Am besten hat man immer etwas im Haus, was man auch gerne isst. Wir essen nicht nur, wenn wir Hunger haben, sondern wir schlemmen es in uns rein, weil es uns schmeckt.


    Wohnst Du noch zuhause bei deinen Eltern?

  • Danke negteit, du hast in der Tat Recht. Wenn man über manche Sachen lachen kann die einem hin und wieder passieren ist es halb so schlimm.

    Am Dienstag stand ich z.B mit den am Vortag mühsam eingeladenen Winterreifen frühmorgens beim a.t.u, nur um dann vom Mitarbeiter zu erfahren dass der Termin erst am darauf folgenden Dienstag ist. :rolleyes: Klar, ich war erst richtig genervt weil ich dadurch einen ziemlichen Mehraufwand haben werde. Aber naja, gehört wohl dazu.

    Dafür gibt es Kalender im Handy ;-)

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