Ich kann nicht mehr...

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  • Hallo zusammen,

    ich bin gerade bei meinen Eltern und habe um es geschafft, dass mein Kind um 21:30 Uhr, statt sonst ca. 19:15 Uhr endlich schläft.

    Gerade habe ich mich bei meinen Eltern ausgeheult und ich bin klar, aber fertig.

    Meine Frau ist diese Woche auf einer Fortbildung zum Thema ADHS und ich bin zu meinen Eltern gefahren.
    Schon seit Wochen kann ich unseren Sohn nicht mehr ins Bett bringen, da er anscheinend die richtigen Knöpfe drückt und ich nicht ruhig bleiben kann. Meiner Frau - selbst auch ADHS und medikamentiert - gelingt dies.

    Ich wollte, dass sie auch rauskommt und habe sie gedrängt zu fahren, wohlwissend ,dass der Abend schwer werden könnte.


    Nun, es war oberscheisse. Nachdem unsere Tochter um 20:15 Uhr im Bett war, hatte unser Sohn bereits 1 1/2 Stunden im Bett gelegen und sich von Oma Geschichten vorlesen lassen. Dann bin ich rein und wollte übernehmen. Es ging los wie immer, er kann sich einfach nicht fokussieren und ich kann nicht ruhig bleiben.

    Vorher habe ich mich geschüttelt, tief geatmet ein paar Mal und bin dann zu ihm. Da habe ich versucht ihn zu ermutigen mitzuatmen, aber er wollte nicht. Stattdessen hat er mich gefragt, ob er auf die aufgeblasene Matratze im Raum springen darf, was ich verneint habe.

    Das Licht liess sich dimmen. Ich habe das gemacht und mich zu ihm gelegt. Dann ist er aufgestanden, hat es wieder hell gemacht. Ich habe den Arm ausgestreckt und es wieder gedimmt, er ist wieder aufgestanden und hat es aufgedreht. Dann habe ich aus Wut auf eine der drei Birnen geschlagen, welche dann kurz hell und dann kaputt war. Da hätte er erkennen können, wie sauer ich bereits war. (hier hätte ich rausgehen sollen zum runterfahren, habe ich aber nicht) ;(

    Er lag dann auf der Bettecke, wollte auch nicht drunter und hat mir seinem Kuschellöwen gespielt, denn er dann zwischen Wand und Bett hat fallen lassen. Also wieder aufstehen und raussuchen. Dann Geräusche machen mit dem Mund...ich habe ihn gebeten sich zu beruhigen, langsam und tief geatmet und ihn versucht zu beschweren mit meiner Hand. Er hat das nicht angenommen und nach einem weiteren Kuscheltier gegriffen, welches ich ihm vorher schon weggenommen habe. Dies Kuscheltier stand auf einer Holzplatte, welche auf zwei L-Trägern lag. Ich habe das Brett gegriffen und in den Raum geworfen, außerdem ihn angeschrien, dass er jetzt aufhören soll. Er hat sich erschreck und geweint. Ich habe ihn versucht zu knuddeln und gesagt, dass ich ihn sehr lieb habe, aber es genug sei.

    Er hat mich abgelehnt, aber sich hingelegt und ich wiede neben ihn. Kurz danach greift er nach den L-Trägern an der Wand. Ich flippe aus und reisse bei Träger, samt Dübeln aus den Wänden :( Er erschrickt sich und ich gebe ein unglaublich schlechtes Vorbild ab ;(

    Ich versuche ihn zu beruhigen, er weint, ich weine....er sagt das er mich liebt und ich erwidere das.

    Wir kuscheln, aber er fängt wieder an und ist unruhig, schiebt seine Beine an die Wand, und fuchtelt mit deinen Händen in der Luft rum und macht Geräusche mit dem Mund.

    Ich gehe raus und lasse ihn, außerdem sage ich ihm, dass ich nie wieder hierher kommen werde mit ihm. Er fragt, obig das echt meine und ich sage, aber 100%ig, dass Thema Oma und Opa ist durch mit ihm.


    Morgen will ich ihm sagen, dass ich nur nicht mehr alleine mit Ihm und seiner Schwester komme, sondern nur noch mit Mama gemeinsam und wenn sie nicht dabei ist, dann nicht mehr mit Übernachtung.


    Er ruft nach mir, ich gehe rein...er macht Faxen am Spiegel. Ich sage ihm, ob er genug hat, aber er fängt an über ein anderen Thema zu reden, um nicht in ein Gespräch zu verwickeln. Ich gehe wieder raus. Nach einiger Zeit gehe ich rein, mache das Licht aus und lege mich zu ihm. Er sagt er hat Angst im Dunkeln, wobei ich neben ihm bin. Ich will ihn kuscheln, aber er will nicht. Ich lege neben ihm und er tastet mich ab mit seiner Hand. Dann schläft er ein, während ich laut und langsam tief ein- und ausatme.


    Man ich fühle mich so schlecht, wobei es jetzt nach dem Aufschreiben besser ist. Ich hasse diese Kämpfe, ich will diese Kämpfe nicht. Es ist so kräftekillend und ich weiss nicht, welchen langfristigen Schaden ich bei meinem Kind anrichte. Ich kann nicht mehr, bin am Ende.

    Es geht so nicht. Was ist das für ein Leben?! Ich kann nicht alleine weg mit meinen Kindern und meine Frau damit nichts alleine machen.

    Ich weiss, dass es nicht persönlich zu nehmen ist sein Verhalten, dass darf ich nicht. Aber in dem Moment tue ich es und ich habe das Gefühl, er will mich ärgern.

    Meine Frau hat ihn neulich gefragt, warum er das macht jedes Mal und er sagte, weil es Spass macht. Tja, warum sagt er das? Weil es so ist? Weil er es selber nicht weiss? Wieso?

    Manchmal während ein solchen Kampfs, wenn es eskaliert ist, sagt er Sorry und umarmt mich kurz, aber dann ist es nicht vorbei.


    Ich habe hierauf so keine Lust mehr......


    Kann irgendwer ansatzweise verstehen wie schlecht ich mich fühle und oder helfen?


    CaptainGut

  • Oje, das klingt ja schrecklich...


    Bist du denn inzwischen auf dem Weg zur Diagnose und Medikation?


    Lies mal Stefan, er sagt ja, dass für seinen Sohn das Allerwichtigste sei, dass die Eltern sich medikamentieren, um ihren Sohn gelassen anleiten und gelassen reagieren zu können...


    Und habt ihr schon mal mit dem Arzt über die abendliche Unruhe gesprochen? Da könnte man durchaus noch was Unretardiertes ausprobieren, manche können nur so einschlafen. (Ich schlafe auch besser mit Medis...).


    Bei meinem Sohn steht sein Untergewicht einer weiteren Dosis nachmittags entgegen... sofern das Problem bei Euch nicht besteht... würde ich mal schnell nachfragen, sowas kann man vielleicht auch per Email oder Telefon anfragen. Damit würde ich jetzt keinen Tag länger warten! Ihr reibt Euch zu sehr auf und das wird euch kaputt machen, bevor es besser wird.

  • Das Du dich schlecht fühlst, kann ich nachvollziehen.


    Vielleicht kannst Du einen ganz anderen Weg versuchen. Ich schlage vor, ihn ins Bett zu bringen, und dann nicht mehr ins Kinderzimmer gehen. Die Kinder kommen dann früher oder später selbst drauf, das sie sich hinlegen und schlafen.


    Ständig aufstehen, diskutieren, streiten, Kuscheltier suchen, … das hält alles vom Schlafen ab.


    Ins Bett bringen, gute Nacht sagen, Tür zu. Fertig.


    Die Alternative hat Raupi schon gesagt. Vielleicht macht es Sinn, am Abend nochmal leicht Medis nachzuschießen. Bei vielen reichen schon 5mg unretardiertes Medikinet. Ein Versuch wäre es auf jeden Fall wert.


    Vorwürfe brauchst Du aber bitte keine machen. Dafür gibt es keinen Grund. Du bist auch nur ein Mensch. :-)

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    Vielen Dank.

    :-)

  • Hallo und Danke auch Euch,

    für Eure Antworten.


    Wir haben - da wir vergangene Woche ohnehin bei der Kinderärztin gewesen sind - seit heute die morgendliche Dosis auf 10 mg erhöht und haben auch 5 mg nicht retardiertes Mediziner hier, welches er dann des nachmittags bekommt, wenn es nach Hause kommt.


    Damit werden wir es jetzt versuchen. Gestern haben wir noch lange gesprochen hier zu Hause und wir haben das Gefühl, dass der Schulstart wirklich hart durchschlägt :( Leider. Sein Verhalten ändert sich durch die neuen Einflüsse mehr und mehr.


    Ich werde mich heute um einen Diagnose Termin bemühen, da es durchaus sein kann, dass ich Abend auch Hilfe brauche, um diese Aufgabe bewältigen zu können.


    Schauen wir mal...ich bin müde, aber nicht unzuversichtlich.


    CaptainGut.

  • Hallo und willkommen in der Runde!


    Ja, das Thema der maßlosen Opposition kenne ich nur zu gut. Bevor ich selbst das passende Medikament für mich gefunden hatte, waren da sehr unschöne Szenen bei uns zuhause.


    Ich selbst bin nun ruhig und gefasst. Kann mit ruhiger Stimme beim Thema bleiben.

    Meine Frau lehnt bis heute eine Diagnose ab und ist bei jeder Kleinigkeit genervt, schusselig und Fehlfokussiert.

    Als ich die ersten Sitzungen als Leiter einer ADHS-Selbsthilfegruppe hinter mir hatte, war mir klar, warum meine Frau und ich so perfekt zusammen passen. Wir sind beide "bekloppt".


    Der Sohn hat keines der bisher getesteten Medikamente vertragen und nun lernen wir Eltern bei der KJP den Weg, ihn ohne Medis zu leiten.

    (das wird wohl mit 14 ein Problem werden)


    Wichtig sind am Abend, eine Reiz-Arme Umgebung, ein immer gleicher Ablauf zu den selben Zeiten und ruhige Stimmen der Menschen um ihn herum.

    Die ADxS-Zwerge sind extrem sensibel bzgl. Tonfall und Lautstärke. Allein schlechte Laune im Gesicht lässt sie extrem reagieren.

    Auch Stille im Raum oder noch besser, jeden Abend das selbe Hörspiel, dass die Geräusche aus dem Haus überdeckt, ist wichtig.

  • Ich finde es für mich (ohne ADHS) nicht schlimm, den Abend unterschiedlich zu gestalten. Aber durch meinen Sohn werde ich dazu gezwungen. Die Abende laufen immer nach der gleichen Struktur ab.


    Um 19:00 wird gegessen

    Ab 20:00 Schlafanzug an, Zähne putzen

    Ab 20:30 Vorlesen oder Hörspiel

    21:00 ist Schluss mit Licht aus und Tür zu.


    Nur am Wochenende kann hier jeder machen was er will.

    Beurteile ein Kind nicht mit Vorurteilen.

  • Der zweite Tag mit 10mg des Morgens und 2,5 mg unretardiert läuft.

    Gestern Abend war für meine Frau ätzend. Er war nicht zu Beruhigen.

    Wir werden das weiter beobachten, denn es besteht die Chance, dass er zwischendurch auf dem Sofa geschlafen hat, dann wäre es nicht der Medizin zuzuordnen.


    Aber ich habe noch etwas, was mir auf der Seele liegt.

    Unser Sohn wird um 15 Uhr von meiner Frau aus dem Hort abgeholt und dann gehen sie gemeinsam unsere Tochter aus dem KiGa abholen.

    Von ca. 15:30/15:45 Uhr an bis 17:30 Uhr ist meine Frau an drei Tagen die Woche (an den anderen zwei habe ich zum Glück Homeoffice) mit den Kindern alleine zu Hause. Sie hat selbst ADHS und nimmt auch Medikinet.

    Sie ruft mich an und weint, dass Sie nicht weiß, wie sie das aushalten soll. Unser Sohn ist laut und manchmal auch aggressiv. Ggü. seiner Schwester besonders und benimmt sich wie die Axt im Walde.

    Meine Frau sagt Sachen wie "Ich weiß nicht, wie ich das machen soll....ich muss die ganze Zeit aufpassen, dass nichts kaputt gemacht wird, sie sich gegenseitig wehtun oder einfach unglaublich LAUT sind."

    Letztes Jahr habe ich als diese Situationen schon sehr präsent waren und ich einen neuen Job angetreten haben einen BurnOut erlebt und es war eine sehr schlimme und dunkle Zeit.


    Jetzt geht es mir besser und ich habe ruhigeres Fahrwasser im Beruf, aber ich weiß nicht mehr, was ich noch tun kann oder soll. Es passiert fast jeden Tag, wenn ich nicht zu Hause bin. Das belastet ungemacht.

    Wie macht ihr das? Kennt ihr diese Situationen? Wir nehmen jeden Ratschlag...oder Information.


    CaptainGut

  • Das klingt wie bei mir;)

    Meine Frau war mit dem Zwerg überfordert und ich habe mir vor ü 3Jahren eine Job gesucht, der nicht 4 Nächte außer Haus bedeutet.


    Bei uns ist es umgekehrt (lies mal meine Blog).

    Ich fahre 5 Uhr ins Büro und hole den Zwerg 15 Uhr. Da ich nun Medikamente (Elvanse, davor Ritalin) nehme, habe ich deutlich bessere Nerven und komme mit den vielen Stimmungsumschlägen des Kleinen klar.


    Da sie selbst betroffen ist vermute ich, dass ihr hier mal einen harten Schnitt machen müsst. Deine Frau sollte mit einem Kind (oder allein?) zur Kur und Du musst für die Zeit organisieren, dass Du den Kindern deutlich mehr zur Verfügung stehst. Den gesetzliche Rahmen dafür gibt es.


    Das ist zwar hart für die Familienkasse, aber es bringt Euch aus der Abwärtsspirale raus.


    Meine Frau war am Anfang des Jahres zur Kur und ich fahre mit dem Junior im Oktober nach Rickenbach zur Eltern-Kind-Kur. Die sind auf ADHS spezialisiert.



    Eine Möglichkeit für Deine Frau wäre auch noch, viel raus zu gehen. Wir gehen zum Beispiel viel Rad-Fahren einfach in die Natur oder Geocachen. Das tut uns "Alten" gut, da die "Sitzknochen" Bewegung bekommen und die Kinder können ihr lebhaftes Naturell ausleben.

    ---Eine Wohnung ist für eine ADHS-ler zu klein!---

    Wenn es regnet, kann man Indoor-Spielhallen nutzen. Dort gibt es Trampoline, Rutschen, ... Sollte der Sohn dort auffällig werden, wird es höchste Zeit für eine Verhaltenstherapie, denn Geschwisterstreit ist "normal" (bei ADHS etwas krasser) aber permanenten Zwist in einer Weiträumigen Umgebung und mit "Fremden" halte ich für "nicht typisch" für die Grundform des ADHS und ich würde eine weitere (evtl. morbide) Störung vermuten.


    (keine Diagnose aber ein Tipp aus der Erfahrung in meinem Umfeld)

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