Auskunftspflicht beim Betriebsart?

  • Guten Morgen,

    meine ADHS-Diagnose habe ich privat finanziert, taucht also bisher nicht bei der Krankenkasse auf. Alle paar Jahre muss ichzum Betriebsarzt und der hat immer so einen Fragebogen nach allen möglichen Erkrankungen und man soll auch Medikamente, die man nimmt angeben.

    Bin ich da verpflichtet ADHS anzugeben? Habe die Diagnostik beim Kinder- und Jugendpsychiater meiner Kinder privat bezahlt. Und das Imipramin auch? War ein Privatrezept(grün) , taucht also bislang auch nirgendwo auf, oder?

    Ich will mir da nix verbauen, wenn ich mal den AG wechseln möchte.... Und die kl. Hoffnung bleibt, dass ich doch kein ADHS habe, oder nur in ganz leichter Form und das Medikament nur vorübergehend brauche und es absetzen kann, wenn es hier ruhiger wird. Richtige Probleme habe ich erst bekommen, als beide Kinder richtig auffällig wurden und wir es alleine ich mehr geschafft haben, sprich zum KJP sind und uns Hilfe geholt haben. Vorher ging es halt.


    Daher möchte ich nicht, dass bis in alle Zeiten ADHS in meinen Unterlagen auftaucht.


    Außerdem habe ich Hemmungen mir einen Neurologen zwecks Weiterbehandlung zu suchen, da es dann, ja, wohl über die Krankenkasse laufen würde.

    Hat da jmd. Infos für mich?


    Danke!

  • negteit

    Hat das Thema freigeschaltet
  • Hallo,


    also das deine Krankenkasse nichts davon weiß, glaube ich nicht. Du hast bestimmt deine Versichertenkarte übergeben, oder? Der Arzt hat bestimmte irgendeine Leistung abgerechnet. Und wenn es nur "Allgemeine Beratung" war. Gehe mal lieber davon aus, das die Krankenkasse das weiß.


    Bist Du verpflichtet, dem Betriebsarzt Diagnose oder Medikation offen zu legen? Gute Frage. Sehr gute Frage.


    Erstmal unterliegt der Betriebsarzt der Schweigepflicht - wie jeder andere Arzt auch. Wenn Du dem also offen legst, was Sache ist, darf er das nicht an deinen Arbeitgeber weitergeben.


    Aber: Der Betriebsarzt darf dem Arbeitgeber eine Empfehlung geben. Nämlich dahingehend, ob Du den Job machen kannst / darfst oder nicht. Der Arbeitgeber hat gegenüber dem Arbeitnehmer eine Fürsorgepflicht. Wer einen kaputten Rücken hat, darf keine schweren Sachen heben. Basta!


    Man stelle die Frage mal anders herum: Behindert deine Diagnose oder die Medikation deine Arbeitsleistung? Oder hat es Einfluss darauf? Wenn "ja", in welchem Umfang? Und kannst Du deine Arbeit aufgrund ADHS nicht machen?


    Würde man die Diagnose / Medikation verschweigen, und ADHS hat so viel negativen Einfluss, das Du den Job gar nicht machen kannst / darfst, dann wäre der Arbeitsvertrag u.U. von Anfang an nichtig gewesen. Das wäre ein Fall für das Arbeitsgericht, wenn es ganz blöd läuft.


    Eine andere Sichtweise: Arbeitgeber und Arbeitnehmer haben ein Vertrauensverhältnis. Womit wir bei der Frage ankommen, ob man es dem Chef überhaupt erzählt.


    Tatsache wird wohl sein, das Du deine Diagnose hast, dein ADHS durch die Medikation gut im Griff ist, und Du deinen Job gut machen wirst - so wie bisher auch, oder sogar besser als früher.


    Ich würde dem Betriebsarzt die Wahrheit sagen. Im Zweifel kann Dir das später sogar mal hilfreich sein.


    Man darf das auch nicht überbewerten. Ich habe eine seltene Form von Epilepsie. Ich habe das meinem Arbeitgeber gleich am Anfang gesagt. Da ich aber seit Jahren Anfallsfrei bin … Herr Tietgen, ihr Firmenfahrzeug steht unten für Sie bereit. Viel Spaß.


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    Nochmal zum Punkt Krankenkasse: Die wissen eh davon. Und die Krankenkasse zahlt die Medis / die Therapie doch. Mir ist nicht so ganz klar, wovor Du Angst hast. Klar steht das in deiner Krankengeschichte bei Krankenkasse. Aber sonst nirgends.


    In meiner Personalakte steht auch nicht meine Krankheit drin, sondern mein GdB. Krankheit ist Privatsache, solange es deine Arbeitsleistung nicht einschränkt. Also entspann Dich. :-)

  • Morgen, ich habe alles privat bezahlt. Diagnose und Rezept und Beratung. Teurer Spaß, aber der Antrag auf Kostenübernahme der ADHS Diagnostik beim KJP meiner Kinder wurde abgelehnt.

    Also, fand da auch kein weiterer Austausch statt.

    Arbeiten kann ich mit Medis noch besser, war aber auch zuvor, laut letztem MA Gespräch sehr gut. Obwohl sich der eine oder andere Kollege schon mal berschwert hat. 😞Bin aber fleißig, motiviert und sehr gut ausgebildet. Eine leitende Position kommt derzeit für mich nicht in Frage, aber wer weiß, was kommt. Vll. möchte ich das später mal und da könnte mir so eine Diagnose den Weg versperren, denke ich.. Andererseits wäre eine Therapie schon gut, denke ich. Und das kann ich nicht alles privat bezahlen. Der Arbeitsvertrag besteht schon lange vor der Diagnose, also der ist mir wohl sicher. Ich schlafe nochmal darüber. Danke für die Antwort. In vielem muss ich zustimmen, wäre vll. für später echt ein Vorteil...

  • Liest sich gut. Ein Kollege hat auch ADHS und es offen gemacht. Scheint für ihn keine neg. Folgen zu haben und so aus der Ferne sehe ich lauter ADHS Symptome, die zu vielen Konflikten bei der Arbeit führen. Finde ich schade, aber es hat entweder keiner Ahnung von ADHS oder die Kollegen und Chefs wollen da einfach nicht drauf eingehen, fordern gleiches genormtes Verhalten wie bei vielen anderen. Er wird für vieles geschätzt und auch oft belächelt. Total schade bei den Fähigkeiten. Bei den Kollegen und Chefs ist es für mich unübersichtlich, ob es vll. sogar ein Nachteil wäre. Mal sehen...

  • Ob die Krankenkasse es weiss oder nicht ist völlig irrelevant weil sie unter keinen Umständen den Arbeitgeber darüber informieren wird. Auch der Betriebsarzt unterliegt der Schweigepflicht, er wird es dem Arbeitgeber also auch nicht mitteilen weil er durch einen Bruch der Schweigepflicht seine Zulassung riskiert. Auf der anderen Seite würde ich dem Betriebsarzt nur informieren wenn es dafür gewichtige Gründe gibt. In einem normalen Bürojob sehe ich das nicht, aber in sicherheitsrelevanten Bereichen (Flugsicherung) halte ich es für angebracht auch ADHS anzugeben. Nach meinem Wissenstand ist man als Angestellter auch nur verpflichtet relevate Erkrankungen anzugeben, so darf ja auch eine Frage nach Schwangerschaft bewußt falsch beantwortet werden.

  • Sehe ich auch so. Ich werde dem Betriebsarzt bei der nächsten Untersuchung nichts davon erzählen, da mein ADS meinen Job eher weniger betrifft. Dank meines Hyperfokus war ich schon immer produktiver als die meisten meiner Kollegen, die auch gerne mal Schwätzchen halten und im Internet Schuhe und Klamotten bestellen während der Arbeitszeit. Jetzt mit Elvanse leiste ich nochmals mehr und bin wenn ich nach Hause komme nicht mehr so erschlagen. Außerdem hat sich mein Kaffee-, Zucker- und Ibu-Konsum auf nahezu 0 reduziert.

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