ADHS dem Chef erklären

  • Im Rahmen der interessanten Projektvorstellung siehe Projektstart "ADHS im Berufsleben" - Wir bitten um Unterstützung! , kam ich jetzt auf die Frage, wie man ADHS seinem Chef erklärt.


    Gibt es hier im Forum jemanden, der seinem Chef vor Unterzeichnung des Arbeitsvertrags über sein ADHS aufgeklärt hat? Und wie ist es dann weiter gegangen?


    Oder: Wie habt ihr während eines laufenden Arbeitsvertrags euren Chef über euer ADHS informiert.


    Oder: Habt ihr nicht informiert? Warum nicht?


    Ich würde die Ergebnisse dieses Threads gern zusammenfassen und als Artikel bereitstellen.


    Ich bin sehr gespannt auf eure Antworten.


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    Ich habe keinen Chef darüber informiert, weil ich denke, dass das nur mich etwas angeht. Auch wenn mein GdB angesprochen wird, bekommt der Arbeitgeber zur Antwort, das die Gründe dafür, meine Arbeitsleistung nicht beeinträchtigen. Fertig.


    Mein Arbeitgeber darf alles essen, aber er muss nicht alles wissen. ;-)


    Wie ist das bei Euch?

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    Vielen Dank.

    :-)

  • Danke für die Frage, auf die ich persönlich, bei meinem Wiedereinstieg ab Herbst ins Berufsleben, roßen Wert legen möchte.

    Ich höre immer nur: Das ist nicht gut, wenn man sich outet. Das hat nur Nachteile.

    Aber warum? ADS ist keine Seuche und nicht ansteckend und Personen mit dieser Diagnose sind nicht schlechter und nicht besser als die anderen, sondern einfach anders. Und wenn man anders ist, fällt das sowieso auf. Wenn man sich sein Leben lang verstellt, tut das der Seele nicht gut.

    Außerdem birgt das Outing ja auch den Vorteil, dass der Chef oder Vorgesetzte weiß woran er ist. Führen heisst auch kennen und auf die Person eingehen. Geht das nicht einfacher, wenn man davon weiß? Damit können auch die REssourcen die in ADSlern stecken viel mehr heruaskitzeln.

    Wir sind alle divers. Beim GEnderthema ist das ganz groß! Warum nicht bei ADS.

    Ich wünsche mir, 53jährig, nach qualvollen Jahren im Berufsleben als Vertriebsassistentin in einem weltweit agierenden Konzern (den ich verlassen habe, weil es nicht mehr auszuhalten war) und endlich einer Diagnose, zu haben mehr Aufklärung in Betrieben, in Schulen bei der Agentur für Arbeit, bei den Psychiatern.

    Wie meine Vorschrieber sagt: Die anderen merken das eh und stecken einen in die ADS Schublade. Die merken wir sind anders. Das Problem denke sie, sind wir. Nein, ich denke, das Problem sind die. Und am Ende sind wir einfach alle divers und jeder hat seine Daseinsberechtigung mit seinen Facetten des Seins.

    Ich habe beschlossen, ich werde mich bei meinen nächsten Vorstellungsgesprächen outen und die klaren Vorteile meines "Defekts" benennen.

  • Ich werde mich auf keinen Fall outen, da ich nur mit Vorurteilen und Ahnungslosigkeit rechne. <XEin Kollege,der dauernd zu spät ist, oft vergisst aufzuräumen und ziemlich impulsiv ist, hat sich als ADHSler in der großen Runde geoutet. Es hat, glaube ich, keiner die Zusammenhänge geschnallt, weil umfassende Infos fehlten....viele konnten gar nichts damit anfangen. Als ich den ein oder anderen Zusammenhang ( in kl. Runde ) vermutet habe, kam nur, "aber man muss trotzdem Disziplin haben..."8| Da war klar, dass da kein Verständnis gewollt ist. Fand ich schade, da es oft so einfach wäre kl. Hilfen ein zu bauen, wenn man denn wollte und es gäbe viel weniger Konflikte. Leider soll jeder im vorgegebenen Rahmen zurecht kommen, Schwächen werden nur begrenzt toleriert. :/

    Und dabei hat der Kollege viele Stärken^^, die auch oft gesehen werden...meckern fällt den meisten aber wohl leichter als loben. 8|

  • Ich wäre auch sehr vorsichtig mich zu outen, der Begriff "ADHS" ist in der Öffentlichkeit verbrannt. Jeder hat dazu eine Meinung, meist ohne echtes Wissen.

    Ich würde aber darauf hinweisen das man bestimmte Arbeitsumgebungen benötigt um gut arbeiten zu können.

    Letztlich sind ADHSler ja nicht weniger leistungsfähig wie nicht Betroffene, wenn die Umgebung und die Tätigkeit zu ihnen pass.

    Und wenn man sagt: "Ich kann in einer ruhigen, ablenkungsarmen Arbeitsumgebung am besten arbeiten", dann habe ich bisher von keinem Arbeitgeber gehört der darauf ablehnend reagiert.

  • Ich sehe das so, es ist Wichtig sich vorher über das Unternehmen zu informieren, Bekannte, Verwandte oder Freunde die vielleicht bereits dort arbeiten und etwas über das Arbeitsklima und Bedingungen sagen können.


    Ist das nicht der Fall, dann würde ich es nicht erwähnen in einem Vorstellungsgespräch oder am Anfang in einem neuen Job.


    Sondern würde erstmal schauen, wie meine Vorgesetzten, Kollegen und Beteiligte in Sachen Toleranz, Empathie und Umgang mit Menschen vorgehen.

    In meinem letzten Beruf habe ich langsam angefangen mich zu outen und Informationen Preis gegeben, es wurde alles gegen mich verwendet, eine Erfahrung fürs Leben.

  • Unterschiedliche Meinungen, unterschiedliche Erfahrung. Ich denke, für den Moment, kann man keine klare Empfehlung abgeben.


    Anders rum gefragt: Wenn sich bei euch in der Arbeit einer mit ADHS (oder anderen Krankheit) outet, wie würdet ihr reagieren?


    Ich finde, ein Outing, oder die Mitteilung von Krankheit, setzt in den Zuhörer / Kollegen erstmal ein grosses Vertrauen. Ich finde,Kollegen müssen sich solch ein Vertrauen erstmal erarbeiten. Also macht ein "Outing" erst Sinn, wenn man schon einige Zeit in der Firma ist.


    Wenn dem Arbeitgeber, also dem Chef - nicht die Kollegen -, vorab informiert, dann ist das mit einer gewissen Erwartungshaltung verknüpft. Ich sage meinem Arbeitgeber, was Sache ist, und erwarte, das ich meinen Arbeitsplatz so einrichten kann, das ich gute Arbeit leisten kann. Oder so ungefähr.


    Wie seht ihr das?

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    Vielen Dank.

    :-)

  • Darüber kann ich irgendwann berichten. Ich wechsle innerhalb der Firma noch mal die Stelle und will in diesem Zuge mit dem neuen-alten Chef darüber reden. Mal sehen was passiert;)

    Oha, da macht es jemand spannend. ;-)


    Dir ist aber klar, das der "alte" Chef diese Informationen mal weitergeben könnte. Wenn Du es ansprichst, dann bleibe lieber sparsam. Du musst Dir nicht selbst ins Knie schießen.

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    Vielen Dank.

    :-)

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