Auslassversuch am Wochenende und inden Ferien?

ADHS-Zentrum ersetzt keinen Arztbesuch oder andere Fachkraft aus Pädagogik und Recht oder eine sonstige Beratung. Ob der Inhalt bei Ihnen oder ihrem Kind zutrifft, muss jeder für sich im Einzelfall abwägen und eigenverantwortlich entscheiden / prüfen lassen.
  • Hallo,


    das macht man schon seit Jahren nicht mehr.


    Früher hat man gedacht, man kann damit Therapieergebnisse überprüfen. Außerdem wollte man damit feststellen, ob eine Medikamentengabe weiterhin erforderlich ist. Ein drittes Argument war, das man dem Körper eine Pause geben wollte.


    Aus Erfahrung wissen wir heute, das alle drei Argumente sinnlos sind.


    Gerade auch in den Ferien lernen Kinder Verhalten. Fremde Umgebungen, fremde neue Spielgefährten oder Spielen mit den Kindern aus der Nachbarschaft.


    Ein Absetzen von Medikinet führt logischerweise dazu, das die Symptome die Oberhand gewinnen. Therapieergebnisse lassen sich daraus nicht ableiten.


    Auch das letzte Argument ist medizinisch unbegründet. Denn nach dem Absetzen von Medikinet geht der Botenstoffhaushalt im Gehirn auf den "ADHS-Modus" zurück. Das ist nicht sinnvoll.



    negteit

  • Hallo,

    unser Sohn nimmt jetzt seit 1,5 Jahren Medikinet retard. Unsere Pychiaterin hatte anfangs auch angekündigt, nach ca. 1 Jahr eine Medikamentenpause von ca. 6 Wochen zu machen. Bisher haben wir es nicht gemacht.


    Wir sind mit Medikinet zufrieden und vieles läuft seit dem in der Schule besser. Von der Idee, die Medikamente 6 Wochen abzusetzen bin ich nicht überzeugt, weil ich auch nicht verstehe, wie das tatsächlich helfen soll. Wenn unser Sohn gut drauf ist, dann lassen wir schon mal am Wochenende die Tablette weg, aber nicht prinzipiell. Insbesondere, da ihm der Umgang mit gleichaltrigen Kindern schwer fällt - er kann die Signale seines Gegenübers einfach nicht richtig deuten.


    negteit : Vielen Dank für diese Antwort, diese Argumentation finde ich sehr hilfreich!

  • Hallo,


    mein Sohn bekommt auch Medikinet Retard. Kurz nach der Scheidung war der Weg für eine Behandlung mit Medikamenten überhaupt erst möglich.


    Mein Ex war immer strikt dagegen, und versucht derzeit mal wieder mich anzugreifen. :-(

    Deshalb war mir die Frage so wichtig.


    lg

    Flocki

  • Hi Flocki,


    traurig, wenn nicht alle Beteiligten an einem Strang ziehen. Mein Mann und ich haben auch viel diskutiert und gemeinsam mit der Psychiaterin abgewogen. Wir sind froh, dass wir uns für das Medikament entschieden haben. Es hilft ihm wirklich zu fokussieren.


    Ich drück die Daumen, dass sich zum Wohle Deines Kindes alles einpegelt.


    LG Mirei

  • Hallo,


    an ADHS sollen schon viele Familien gescheitert sein.


    Gerade die Behandlung mit Tabletten kommt in unserer "ach so perfekten Welt" den meisten nicht in die Tüte. Und geht es dem Kind selbst auch noch so schlecht.


    Ich bedaure das Ehe-Aus bis heute. Aber an erster Stelle steht für mein Sohn. Und wenn mein Kind Hilfe braucht, dann bekommt es Hilfe.


    Und wem das nicht paßt, der muß weichen.


    :evil:


    lg

    Flocki

  • Hallo in die Runde,


    hier das verspätete Ergebnis eines Auslassversuches an mir selbst.

    Der gesamte Verlauf der Eindosierung kann unter ...


    "Ritalin Adult - jetzt geht es los (Start der Medikation)"

    ...nachgelesen werden. Das gilt auch für den fürchterlichen Fehlversuch mit einem anderen Medikament wenige Wochen zuvor.


    "...

    • Samstag, Tag 18,


    ich hatte für heute beschlossen, keine Kapsel zu nehmen. Mich interessierte der Unterschied vom nun schon gut eingeschliffenen Ritalin zum unmedikamentierten Zustand.


    Tatsächlich! Im laufe des Vormittages wurde ich immer Planloser. Die Werkeleien der letzten Tage gingen heute nicht fehlerfrei von der Hand. Farbspritzer, Verschmierer, Unentschlossenheit wo ich das beschmierte Werkzeug hin legen soll. Fußboden schlecht abgedeckt und dann darüber gestolpert. Trotz Rolle "Nasen" auf die Balken "gezaubert"...

    Der emotional etwas anspruchsvolle Junior (ADS) brachte mich fast zur Verzweiflung und für die Begleitung der Geometriehausaufgaben hat sich zum Glück der Opa gefunden. (er war auch nicht Glücklich mit dem Schriftbild des Juniors aber die Zeichnungen waren perfekt)


    Seit Mittag bin ich fürchterlich Reiz-offen. Man kann es sich vorstellen wie ein 4-jähriger der diagonal über den Jahrmarkt taumelt. Alles stürmt auf mich ein und wirbelt im Kopf. Wie eine Art Fieber.


    Leider musste ich mit dem Auto los und habe trotz bewusst langsamer und umsichtiger Fahrweise fast einen Mopedfahrer weg geschoben.


    Zeitung lesen war nur mit zwei Anläufen pro Absatz in fünffacher Zeit möglich. Die Geräusche aus anderen Räumen haben sich einfach in den Vordergrund gedrängelt. Alle typische und starken Symptome die ich schon fast vergessen hatte.


    Die Abwärtsspirale hält noch weiter an. Ich hoffe der Tag ist bald vorbei.


    Morgen nehme ich wieder meine Kapsel und lasse mich überraschen, ob alles wieder "normal" ist.


    Nun stellt euch mal vor, Kinder würden mal ein Medikament bekommen und mal nicht. Kein Wunder wenn die durchdrehen!... wenn sie das Gleiche durchmachen wie ich heute ohne Medikament.

    Und dann stellt Euch mal vor die Erwachsenen in ihrem Umfeld meinen sie sollen sich doch nicht so anstellen, sie würden ja nur nicht "wollen".

    Gruselig!

    ..."


    Wer möchte, darf mich gern zu meinen bisherigen Erfahrungen zu Rebound usw. befragen. Ein verantwortungsvollerer Umgang der Eltern, aber vor allem der Ärzte wäre wünschenswert, da sich nicht Betroffene nicht in die Gefühlswelt eines Betroffenen hinein versetzen können.

    Das bedeutet vor allem, dass das Medikament wirkt!

    • Wer würde einem Diabetiker das Insulin vorenthalten oder eigenmächtig hoch dosieren?
    • Wer will dem Herzpatienten die Tabletten entziehen oder auch mal zwei geben?


    Es ist wichtig unter ständiger Kontrolle das richtige Medikament zu finden (längst nicht alle wirken bei jedem Kind gleich) und dann behutsam die richtige Dosis zu finden, wobei die Empfindungen des Kindes eine große Rolle spielen.

    Kinder empfinden so wie Erwachsene und sind genauso verzweifelt. Nur können oder dürfen sie sich oft nicht so ausdrücken wie ich als Erwachsener.



    VG

    Stefan

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