Diagnose ADHS

ADHS-Zentrum ersetzt keinen Arztbesuch oder andere Fachkraft aus Pädagogik und Recht oder eine sonstige Beratung. Ob der Inhalt bei Ihnen oder ihrem Kind zutrifft, muss jeder für sich im Einzelfall abwägen und eigenverantwortlich entscheiden / prüfen lassen.
  • Guten Abend,

    ich bin ein 28 Jahre alter Student und bei mir wurde vor 2 Wochen ADHS diagnostiziert. Meine „Geschichte“ beginnt allerdings weitaus früher. Ich werde sie hier mal stichwortartig im Schnelldurchlauf schildern:


    - Aggression und zügelloses Verhalten im Kindesalter, allerdings nie eine Überprüfung hinsichtlich ADHS


    - Depressive Gedanken zum Tod von Freunden und Familie mit ca. 11 Jahren mit oft stundenlangem Heulen abends im Bett; dieses Verhalten habe ich mit ca. 15 Jahren auch dann rückwirkend als erste Verhalten in Richtung da „stimmt etwas nicht, ich fühle mich anders“ gedeutet (dieses Gefühl besteht bis heute)


    - Alkohol und Tabakkonsum ab 13. Lebensjahr, ab 14 auch Cannabis (bis heute immer wieder von sporadisch bis täglich; lange Zeit das einzige Mittel das ich kannte, um mal endlich etwas „Ruhe“ in meinem Kopf zu bekommen), zwischenzeitlich mit 16-18 auch andere Drogen beim Feiern bzw. am Wochenende (Amphetamine, Kokain, MDMA)


    - Massive Schulprobleme ab ca. Mitte der 6. Klasse; 8. Klasse wiederholt; Nachprüfung nach der 10. Klasse (bestanden); anschließend Wechsel von Gymnasium auf Gesamtschule um dort das Abitur zu machen; Abbruch der Schule nach dem ersten Halbjahr der 12. Klasse)


    - Nach Abbruch der Schule Ausbildung im Handwerk begonnen; schwerer Sportunfall nach 2 von 3 ½ Ausbildungsjahren mit massive Gelenk- und Nervenschäden im Bein (mehrere OP’s und jahrelange Reha haben dafür gesorgt, dass ich heute das meiste wieder machen kann, auch bzw. vor allem Sport, welcher mir auch immer eine gewisse Zeit lang Ruhe bietet); Rest der Ausbildung im Büro verbracht, da Arbeit auf Baustelle nicht mehr möglich, aber dennoch die Gesellenprüfung abgelegt und bestanden


    - Anschließend Ausbildung zum Kaufmann begonnen, diese jedoch nach 6 Monaten beendet und mich erstmals meinem Umfeld, vor allem Eltern, Geschwistern und engsten Freunden geöffnet (2013)


    - Zu diesem Zeitpunkt steckte ich zum x-ten Mal in einer schweren Depression und ich wusste, dass ich etwas machen muss, ohne jedoch zu wissen „wie,wo,was,wann“


    - Nach einiger Suche dann stationärer Aufenthalt in Uniklinik für 3 Monate und anschließend 2 Monate teilstationär; Diagnose dort „emotional instabile Persönlichkeitsstörung und schwere, wiederkehrende Depressionen“


    - Im Anschluss ging es mir deutlich besser, da ich endlich (nach ca. 8 Jahren) endlich das Gefühl hatte, dass ich offen mit den Problemen umgehen kann und diese auch angehe; das Versteckspiel hatte endlich ein Ende


    - Im Anschluss an Klinik dann noch Verhaltenstherapie (halbherzig von meiner Seite durchgeführt und frühzeitig beendet: mir ging es ja jetzt „gut“) und bis Anfang 2019 auch medikamentöse Behandlung mit Antidepressiva und Stimmungsstabilisator


    - Ebenfalls anschließend an den Klinikaufenthalt beginn eines Studiums im Bauingenieurwesen, was für mich eine Art Erreichen eines bisher unmöglichen Traums und Ziels darstellte


    - Seit dem 3. Semester parallel Arbeit in einem Ingenieurbüro mit sicherer Aussicht auf Festanstellung nach Abschluss des Studiums (für mich ein großes Ziel, da ich einfach mal nach Feierabend nach Hause gehen möchte ohne an irgendwelche Klausuren, Prüfungen oder auch nur an das normale Nacharbeiten der Uniinhalte denken zu müssen)


    - Ende 2018 dann mit Freundin zusammengezogen, welche ich in der teilstationären Behandlung Anfang 2014 kennengelernt habe (sie hat also auch ihr „Paket“ zu schleppen); nach dem Umzug wollte ich dann die restlichen Prüfungen für die Uni absolvieren und das Studium beenden, allerdings merkte ich bereits, dass der Akku wieder einmal leer ist; der Stress mit einer großen Projektarbeit in der Uni, der generellen Doppelbelastung von 20 Std. Arbeit die Woche und Vollzeitstudium und noch der Umzug waren zu viel; wieder tauchten die gleichen Probleme aus (mehrfach hatte ich bereits Probleme im Studium), allerdings konnte ich ihnen diesmal nichts entgegensetzen; ich konnte keinen klaren Gedanken fassen und war völlig überfordert


    - Nachdem ich schon lange mit meinem Psychiater unzufrieden war haben ich diesen Anfang 2019 gewechselt und mein neuer Psychiater war der erste, der den Verdacht ADHS schöpfte; nach einiger Suche und einigem Warten dann vor 2 Wochen die Diagnose ADHS


    Im Nachhinein betrachtet ist es mir unverständlich, wie in der Uniklinik nicht einmal der leiseste Verdacht in diese Richtung geäußert werden konnte, da doch viele (hier teils ungenannte) Punkte in meiner Vita eindeutige Anzeichen dafür gewesen sind. Ich selber habe es leider auch versäumt mich in diese Richtung zu informieren, da ADHS für mich ausschließlich im Zusammenhang mit Kindern und Jugendlichen (ich war jahrelang Betreuer in einem Sommerzeltlager für 6-13-jährige) ein Thema war.


    All das Versäumte spielt für mich allerdings keine Rolle, jetzt heißt es nach vorne schauen, da morgen der erste Tag meiner Behandlung mit Ritalin Adult beginnt. Seit einigen Wochen geht es mir bereits psychisch viel besser, ich empfinde wieder Freude, mache Sport und achte generell mehr auf mich. Ich hoffe, dass mir die Medikamente zusätzlich helfen über den „Berg“ zu kommen und ich es schaffe, mein Studium zu beenden und endlich mal mein Leben zu genießen.


    Ich bin nun auf der Suche nach Erfahrungsberichten auf dieses Forum gestoßen und freue mich über einen interessanten und wissenswerten Austausch über das Thema ADHS. Ich selbst habe mich, wie bereits geschrieben, bis vor 3 Monaten in keiner Weiser mit dem Thema befasst und eigentlich auch erst seit der Diagnose vor 2 Wochen starte ich langsam damit mich einzulesen.


    Sollten irgendwelche Fragen zu mir und/oder meiner Geschichte bestehen, bitte ich euch, sie doch einfach ganz offen zu stellen. Ich werde schnellstmöglich darauf Antworten und bin für alle Tipps, Fragen, Anregungen und Kommentare dankbar.


    Freundliche Grüße,

    ComSquare

  • Frag was Du willst, doch kann ich Dir nur raten Dich auch außerhalb des WWW gründlich einzulesen.

    Ich habe hier im Forum ein paar Buchempfehlungen hinterlegt.


    Seit meiner Diagnose vor weniger als einem Jahr habe ich schon mehre tausend Seiten Fachliteratur gelesen und beginne langsam, ein Bild der "Gabe" für mich zu entwickeln, das mir für Zukunft und Vergangenheitsbewältigung hilft.