Sich nicht benehmen können versus impulsiv sein

  • Töchterchen befindet sich gerade in der Diagnostik bezüglich ADHS. Sie ist oft sehr unkonzentriert, zappelig und hat immer wieder Situationen, in denen sie wegen Kleinigkeiten total ausflippt und schreit und heult und sich 15 Min. lang nicht mehr ein kriegt. :(Das ist sehr anstrengend für alle. Kann so etwas auch schlicht pubertäres Verhalten sein? Sie scheint keine Vorteile durch dieses Verhalten zu haben. D.h., wenn sie sehr emotional wird, weil sie z. B. etwas nicht darf, erlauben wir es dann trotzdem nicht. Was meint ihr?

  • Das kann man aus der Distanz sicher nicht unterscheiden. Es kann natürlich auch beides sein, ADHS und Pupertät, das könnte sich gegenseitig verstärken.


    Was Du beschreibst würde bei mir auch einen ADHS Verdacht begründen. Da würde ich abwarten was der Psychologe sagt.


    Ausserdem, wer sagt den das Kinder immer rein logisch handeln?

    Sollte sich der Verdacht bestätigen, dann wird es sinnvoll sein Kommunikation und Verhalten entsprechend zu verändern, auf BEIDEN Seiten.

  • Ja, ich bin gespannt, was es für Ergebnisse gibt und bin gerne dabei was bei mir zu ändern. Ich habe langsam keine Ahnung mehr, was helfen könnte. Und der Alltag ist echt anstrengend. 😅Heute kann ich mir auf die Schulter klopfen. Soviel Geduld, wie ich heute aufgebracht habe... das war schon eine Riesenanstrengung und es hat halbwegs geklappt.

  • Da ich die übersteigerte Emotionalität aus meiner Kindheit noch immer als traurigen Schleier in Gedanken habe und auch jetzt (mit MPH weniger) sehr emotional gesteuert bin...

    schließe ich mich ME an.


    Mein Junior ist der Klassiker in Sachen "Jekyll an Hyde". Wie ich als Kind, doch noch einmal deutlich schlimmer.


    Wir haben beide die Diagnose.

  • Bei Fremden und Unbekannten ist Mein Sohn immer ganz brav. Erst wenn man sich besser kennt, verliert er seine Hemmschwelle, und dreht dann auf oder eben mal durch. Dieses permanente rauf und runter der Gefühle kenne ich jetzt so nicht.


    Ich finde, das man als Eltern zu seinen Entscheidungen stehen muss. Und dann ist es ein harter Kampf. Gleichzeitig muss ich leider zugeben, das ich meiner Meinung nur selten nachkomme. Wenn er nur laut genug schreit, falle ich irgendwann um. Einfach damit ich und die Runde Ruhe haben.


    Ich stehe dann so oder so als Rabenmutter da. Zuerst bin ich die Böse Mama, die alles verbietet, und dann bin ich erziehungsunfähig, weil ich es ihm dann doch erlaube. Erlaube ich es nicht, gibt es auch kein Verständnis dazu.Egal wie man es macht: Es ist und bleibt falsch.

  • Gleichzeitig muss ich leider zugeben, das ich meiner Meinung nur selten nachkomme. Wenn er nur laut genug schreit, falle ich irgendwann um. Einfach damit ich und die Runde Ruhe haben.

    so geht es vor allem meiner Frau. Sie hat nicht die Kraft gegen den Zwerg zu bestehen.


    Sie hat tolle Ideen "was WIR alles machen sollten" doch dann lässt sie ihn doch machen und verschwindet auf der Couch.


    Dank MPH bin ich in der Lage Ruhe und Nerven zu bewahren. (war zuvor nicht so!!!) und kann (sofern nicht gerade im Rebound) Stundenlang die Einhaltung meiner Vorgaben überwachen.


    So bleibt ihm nix anderes übrig als klein bei zu geben.


    Das ist im Übrigen ein deutliches "PRO" für die Medikation von ADHS-Eltern.

    Der ganze Kram aus den tollen Büchern ("Wackelpeter und Trotzkopf" EAN: 9783621275675 lese ich gerade )ist für Eltern ohne Kraft und Selbstkontrolle, dafür mit Gefühlschaos und kurzer Lunte, nicht umsetzbar.


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    Ich stehe dann so oder so als Rabenmutter da

    Das haben wir ausgeblendet, wobei es mir (dank MPH) egaler ist als meiner Frau. Im Gegenteil "verteidige" ich mich nicht, sondern bin präventiv im "Angriff".


    Wenn also die Verwandtschaft dem Zwerg erzählen will, was er tun soll und er es nicht tut.


    Ich erkläre u.a. dass er nicht "böse" ist, sondern unter der Reizüberflutung der vielen auf ihn ein quakenden Tanten und Omas leidet.

    Das begreifen sie dann meist nicht, quaken weiter und ich wiederhole es dann immer etwas deutlicher und lauter ;)


    ab dem dritten Mal frage ich sie dann sehr oberlehrerhaft und arrogant, ob sie mir nicht zugehört hätten... Dann bin ich der Böse und der Zwerg hat seine Ruhe :)

  • An die Verwandtschaft oder Bekannte kann man hinreden wie man will. Darum ist das Thema bei mir inzwischen Tabu. Wem es nicht passt, der kann mich (uns) ja auch meiden.


    Ich habe uns da lange verteidigt. Und genau in diese Ecke drängt man uns ja auch. Immer dieses sich erklären müssen. Warum ist das, mach doch mal anders, und so weiter. Das kann man irgendwann nicht mehr hören. :-(

  • Ich spreche inzwischen nur noch mit sehr wenigen Ausgewählten über ADHS, die meisten Nichtbetroffenen verstehen es ohnehin nicht.


    Das bedeutet auch das ich vieles überhöre, mich nicht auf jedes Gespräche einlasse.

    Wenn es darum geht mich selbst zu schützen spreche ich dann von "ich kann mich bei so grossen Runden nicht gut konzentrieren" oder "ich komme mit Ablenkungen oder vielen Unterbrechnungen nicht klar". Das gab bisher eigentlich nie Probleme und so wird auch akzeptiert das ich mich aus einigen Veranstaltungen komplett raushalte.

    Erstaunlicherweise muss man sich viel seltener Erklären als man es selbst glaubt, insbesondere wenn man konsequent bleibt und keine Ausreden benutzt.

    "Ich würde gerne zu Deinem Geburtstag kommen, aber so große Runden lösen bei mir einfach zu viel Stress aus, da komme ich lieber ein anderes mal, wie wäre es am Sonntag in 3 Wochen?"


    Sehr oft erwarten wir von uns selbst viel mehr als wir es von unseren Freunden erwarten.

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