Tochter - 6 Jahre, Concerta und Wutanfälle

ADHS-Zentrum ersetzt keinen Arztbesuch oder andere Fachkraft aus Pädagogik und Recht oder eine sonstige Beratung. Ob der Inhalt bei Ihnen oder ihrem Kind zutrifft, muss jeder für sich im Einzelfall abwägen und eigenverantwortlich entscheiden / prüfen lassen.
  • Hallo Forum,


    ich bin neu hier und habe eine 6 jährige Tochter die derzeit mit Concerta behandelt wird. Das ganze seit etwa 2 Wochen.

    Sie wurde vorher mit Medikinet behandelt was auch etwa 2 Wochen probiert wurde dann aber Aufgrund von nebenwirkungen abgesetzt worden ist.


    Nun kommt es ca. 1x die Woche bei Ihr vor das Sie extreme Wutanfälle hat. Ihre Mutter und ich sind seit etwa 3 Jahren getrennt und Ihr Wohnsitz ist bei Ihrer Mutter - das heißt das meiste bekomme ich nur aus Erzählungen mit. Die Wutanfälle finden vorallem im Hort statt, heute zum Beispiel wollte Sie sich nicht wieder anziehen und hat beim Essen mit Besteck geworfen etc.


    Als ich Sie neulich aus dem Hort abholte an einem Freitag war Sie auch sehr frustriert und hat ein riesen Drama gemacht, sie würde lieber dort bleiben noch ein Hörspiel hören etc. und sie beklagte sich darüber das sie "Blitze" sehen würde.


    Kennt jemannd diese Nebenwirkungen und hat Erfahrungen damit? Ist das die Eingewöhnung? Die Therapeutin konnte ich bisher nicht für ein Gespräch erreichen... leider.

  • Erst einmal herzlich willkommen hier im Forum!


    Mein Sohn, 11, ist seit letztem Juni in Behandlung, zunächst mit Equasym Retard (MPH, ca. 8h Wirkdauer) und seit September mit Concerta, um den ganzen Tag abzudecken.


    Er hatte schon immer Wutanfälle. Nach Behandlungsbeginn mit Equasym waren sie 6 Wochen lang schlimmer als zuvor, dann wurde es wieder weniger. Aber wir haben eigentlich trotzdem fast jeden Tag ein paar Wutanfälle... egal ob mit oder ohne Medikament.


    Ich weiß nicht, ob Dir das weiter hilft...


    Auf jeden Fall ist es toll, dass Du Dich, obwohl Du Deine Tochter leider nicht so oft sehen kannst, in dieser Sache schlau machen möchtest und Rat suchst.


    Bestimmt melden sich noch die anderen Foristen...


    Ach ja... zwei Wochen mit Medikinet sind ja noch nicht soooo lang... was war denn die Dosis, in welchem Tempo wurde gesteigert und was waren die Nebenwirkungen?


    Oft wird das vorgegebene Tempo der Steigerung nämlich einfach nicht vertragen...

  • Die Beobachtungen haben wir bei 18mg Kinecteen (siehe Blog, wirkt wie Concerta) gemacht.


    D.h. die beabsichtigte Verbesserung beim Dopamin hat gegriffen aber Serotonin und Noradrenalin wurden schädlich verschoben.


    Wie auch Raupi beschreibt gibt es Affekt und Opposition auch ohne Medikamente, doch bei uns wurden sie mit MPH verstärkt.


    "Jekyll and Hide" haben wir aktuell (Blog) auch mit 10mg Elvanse aber scheinbar wird er besser steuerbar.



    Mir ist übrigens aufgefallen, dass er sowohl mit MPH, als auch mit LDX deutlich wacher in Bezug auf seine Gedankengänge ist und entsprechend dezidiert und penetrant den Dialog sucht.


    Trifft er dabei auf einen genervten Gesprächspartner (überlastete Eltern, Lehrer oder Erzieher), derdiedas nicht zuhört oder ihn abwimmelt, folgt eine Explosion.

    Ihm fehlt (wie mir) das "Egal-Gen".


    Wenn ich am Wochenende viel Zeit und (dank Ritalin) viel Geduld habe, dauern die Gespräche sehr lange und gehen tief. Das Kind, das ohne Medikamente seinen hohen IQ nicht nutzen konnte, kann nun endlich nachdenken und macht das auch. (hatte vor der Diagnose selbst reflektierend geweint "Ich bin doof!")

  • Vielen Dank für Eure Antworten, werde den Blog mal lesen bei gelegenheit.


    Die kleine ist jetzt wohl auch Krank und übergibt sich. Vielleicht war es das Unwohl sein das das ganze ausgelöst hat. Bin halt leider ziemlich weit weg von allem und kann es daher nur schwer einschätzen.


    In 2 Wochen ist die kleine mal eine Woche bei mir, auch unter der Woche mit Schule etc. dann kann ich ein wenig "Front-Erfahrung" sammeln ;-)

  • Hallo,


    bei einer so kurzen Behandlungsdauer / Nebenwirkungen stellen sich mir Fragen wie z.B.:

    • Wie hoch ist die Dosis?
    • Wurde Methylphenidat (Wirkstoff von Ritalin, Medikinet, etc.) eingeschlichen?
    • Wird ein Retard-Produkt verwendet oder das "normale" unretadierte?
    • Hat sich das Verhalten in den letzten zwei Wochen geändert? Positiv oder negativ und woran wird das festgemacht?
    • Weiß der verschreibende Arzt davon? Was sagt der dazu?
    • Gibt es Feedback aus der Schule / Hort?

    Man darf das jetzt bitte nicht als Vorwurf verstehen. :-)


    Man muss abklopfen was da los ist. Und oft ist es harmlos. Harmlos im Sinne von:, Die Medikation muss reduziert oder erhöht werden. Man darf nicht glauben, das MPH (Methylphenidat) "eben mal schnell" alle Probleme löst. Es handelt sich viel mehr um einen Krückstock, dessen Länge man herausfinden muss :-)


    Und das kann manchmal etwas dauern. Bissl rauf, bissl runter, bissl hier gucken, bissl da Feedback einholen, ….. Manchmal brauchts auch nur Geduld. :-)

  • Hallo malakai,

    zunächst musst du dir bewusst machen, dass das Medikament 'Concerta' deine Tochter lediglich unterstützt. Alleine richten tut es ein Medikament nicht. Da gehören schon auch begleitende Therapien dazu, in denen deine Tochter lernt mit ihren Aggressionen umzugehen.
    Das sollte mit dem behandelnden KJP besprochen werden.
    Wenn jedoch starke Impulskontrollstörungen/Aggressionen die Hauptbaustellen sind, dann ist u.U. Concerta das falsche Medikament. Auch hier sollte ein Therapiegespräch stattfinden. Am besten mit beiden Elternteilen.

  • Vor ein paar Tagen habe ich unserem Arzt beschrieben, dass mein Sohn außerhalb der Wirkzeit solche Ausraster hat und die Wirkzeit von Concerta zu kurz ist. Er hat diesmal endlich meiner Bitte nachgegeben, ihm abends 2,5 mg unretardiert zu geben.


    Ich habe jetzt nachmittags und früh morgens diese Dosis gegeben und es ist weitgehend entspannter für uns alle.


    Ausserdem hat der Arzt geraten, Elvanse auszuprobieren.


    Im Aufklärungsbogen steht u. a. als Begründung fürden Wechsel von MPH zu Elvanse ("LDX" Lisdexamfetamin), dass ADHS Symptome trotz MPH Fortbestehen.


    Das passt zu der Beobachtung der Integrationsassistentin in der Schule, die angab, er hätte bloß eine Aufmerksamkeitsspanne von 10 Minuten.

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