Wenn das Buch ein Gesicht hat

Klar, man kann sich in das Thema ADHS einlesen. Man kann 100 Bücher kaufen, lesen, und fühlt sich gut vorbereitet. Das Gefühl hält dann genau so lange an, bis diese vier Buchstaben ADHS einem Gesicht, einem echtes Gesicht, zugeordnet werden muss. Dann erleidet der erfahrene Leser den ultimativen Praxisschock. Plötzlich ist alles nicht mehr so leicht, wie es sich auf Seite 67 im dritten ADHS-Ratgeber gelesen hatte.


Plötzlich steht man einer nie gekannten Situation gegenüber. Und dann war da der kurze Augenblick, in dem man spürte, was die Mama von gestern eigentlich meinte, als sie sagte, ihr Sohn sei anders.


Der Moment der Erleuchtung dauert aber nur kurz an. Zu kurz. Jedenfalls wenn es darum geht, das man als Pädagogin mit mehrjähriger Berufserfahrung eine sinnvolle Entscheidung treffen muss. - hätte treffen müssen. Statt dessen gerät hält man an überholten Methoden fest, die man bei ADHS gar nicht anwenden kann - und noch nie anwenden konnte.


Das Regelkind, welches sich streng an das Lehrbuch von vor 20 Jahren hält, ist nett anzuschauen, geht alleine auf Klo und zieht sich selbst die Schuhe an. Das es Kinder geben soll, die ihr Hab und Gut auf dem Schulgelände verteilen, und dies angeblich auch noch ungewollt, ist für einen ausgebildeten Erziehungsprofi ein echtes Problem.