wir beenden den Versuch mit Elvanse

ADHS-Zentrum ersetzt keinen Arztbesuch oder andere Fachkraft aus Pädagogik und Recht oder eine sonstige Beratung. Ob der Inhalt bei Ihnen oder ihrem Kind zutrifft, muss jeder für sich im Einzelfall abwägen und eigenverantwortlich entscheiden / prüfen lassen.

Zusammenfassung:


Mit Elvanse 10mg (Schnapsglas mit Pfefferminztee):

  • sehr wach, lebhaft, anspruchsvolleres Vokabular, kann sich detailliert an Unterrichtstag erinnern und berichtet, sehr lange Konzentrationsphasen, hat nach der Schule deutliche Energiereserven und Bewegungsdrang bis in den frühen Nachmittag. Zum Abend flaut die Körperenergie ab und ab 20 Uhr ist Müdigkeit spürbar. (mit 20mg steigen Konzentration und Ausdauer noch einmal minimal, jedoch nur an zwei Tagen ausprobiert)

  • emotional massiv schwankend (Dr. Jekyll und Mr. Hyde); opponiert bis weit über die Möglichkeiten seines nahen soz. Umfeldes hinaus, Wutanfälle teilw. Krampfartig, keinerlei Einsicht, teilw. Randale, > außerhalb des nahen soz. Umfeldes fiel Opposition und Aggression deutlich geringer aus und Lehrer / Hortnerinnen äußern sich positiv über die Veränderung

Auslassversuch nach Medikation :

  • nach Schule sehr introvertiert, ruhig, kann und will Schultag auch auf Nachfrage nicht wider geben, spielt allein vor sich hin, grübelt und stellt Fragen erst nach Stunden oder Tagen, verweigert (teilw.) Kontakt zu Spielkammeraden, wieder ansteigende Energie gegen Abend aber nur minimale Konzentration mögl., schläft abends deutlich zeitiger ein als mit Elvanse,

  • emotional deutlich weniger schwankend (Dr. Jekyll und Mr. Hyde); opponiert weniger häufig als unter Elvanse aber weiter sehr belastend im soz. Umfeld; wirkt traurig, unsicher / ängstlich im Kontakt außerhalb des soz. Umfeldes.

Persönliche Anmerkung bzgl. Verhaltenssteuerung:

Ich kenne sein Gefühlsleben sehr gut aus meiner Kindheit und Jugend. Nur war die „Zündschnur“ etwas länger.

Ängstlich war ich an jeder unklaren Situation und vor der Klasse habe ich sogar geweint, wenn das Gedicht 1A vorgetragen war. Wirklich schlimm, wenn die Stimme zittert und das Herz krampft und man kann nix machen. Als „ungerecht“ empfundene Situationen (sowohl selbst als auch andere betreffend) verursachten eine massive Achterbahn der Gefühle über Tage-Nächte oder sogar Wochen.

Große Gruppen von Kindern haben mich überfordert und die Persönlichkeitsentwicklung lag mehrere Jahre hinter meinen Altersgenossen.

Hin und wieder war es bei mir auch so, dass jemand „die Schwelle“ überschritten hatte. Dann gab es eine Explosion der aufgestauten Frustration die alle erschreckte und auch den dicksten Klassenschläger zur Schulschwester beförderte.

In der Jugend verschob sich das dann etwas und ich wurde überhaupt etwas aggressiver. Zum Glück bin ich dann meistens ausgerissen, statt die sich anbahnende körperliche Konfrontation zu finalisieren.

Leider habe ich auch viel zu oft nicht das Weite gesucht. -habe mich immer schon nach Sekunden für den affektiven Gewaltausbruch geschämt aber passiert ist passiert. Es hat mich dann Monatelang gequält und mein Handeln blockiert, mich am Schlafen gehindert.

Das herzkrampfen habe ich auch heute, bei der Wahrnehmung von Leid, z.B. wenn Eltern ihre Kinder schlagen und nicht begreifen können, dass das Kind quasi "ferngesteuert" ist, so wie ich damals. Es weiß davor und danach, dass es falsch ist und schämt sich, doch es kann nichts gegen die eigene Aggression / Opposition in der Situation machen.

Ähnlich verhielt es sich „damals“ u.a. bei den Hausaufgaben. Bei manchen Fächern lag schon vor Beginn ein „negativer Schleier“ über den Heften und Büchern, der es unmöglich machte die Aufgaben, die man an für sich problemlos lösen konnte, an diesem Tag rational zu betrachten.

Ein Hilfsmittel, das mir eine positive Emotion gegenüber den Hausaufgaben ermöglicht hätte, wäre ein Segen gewesen.


Und weiter?


Bis auf weiteres wird auf eine Medikation verzichtet, da es in der Klasse nach dem Halbjahr einen neuen Klassenlehrer gibt, der die Lernbegeisterung der Schüler scheinbar in anderer Weise aktivieren kann. Um den Eindruck nicht zu verfälschen werden nun Wochen oder Monate vergehen, bevor ggf. (also falls am Konzentationslevel erkennbar) doch unretardiertes MPH zur Unterstützung der Grundfächer Deutsch und Mathe (erste Stunden) zum Einsatz kommt.


Die Praxis der Ärztin hat eine neu eingestellte Psychologin, mit der nun in den kommenden Wochen nicht medikamentöse Behandlungsansätze geprüft werden.


Ggf. wird es dann dazu einen neuen Blog geben.

Kommentare 6

  • Unser Sohn hat jetzt einige Woche Imipramin genommen und siehe da: die Konzentration ist wesentlich besser geworden. Kaum zu glauben, dass das so eine starke Veränderung in der Schule und Zuhause macht.

    Leider gab es auch Wut und Ärger wegen Kleinigkeiten. Jetzt wurde die Dosierung reduziert und wir schauen mal, wie es ist. Bisher keine besondere Wut mehr.

    Euch viel Glück erst einmal.

    • Ich habe über die Medikation bei uns Buch geführt, um Ursache und Wirkung so gut wie möglich zusammen zu bekommen. Versucht in Verbindung mit der Medikation mal zu dokumentieren, was jeweils die Wut verursacht. Da kommen Sachen wie "verlassen des Wolfühlbereiches", Ungerechtigkeit, Erschrecken oder sogar Reizüberflutung in Frage.

  • Hi, wie lange wollt Ihr auslassen, mit welchem Medi macht Ihr wann weiter?


    Ich bin erstaunt über die lange Pause...

    • Der Zusammenhang scheint leider sehr eindeutig. Wir machen nicht raussichtlich weiter mit Elvanse, sondern fragen beim Termin kommende Woche nach einer anderen Variante oder einer Ergänzung, die Serotonin flach hält.


      Mal sehen was Frau Dr. sich denkt.

      Sie bekommt vor ab einen Bericht von mir und kann vorm Termin schon mal etwas grübeln.

    • Ja das mache ich auch in letzter Zeit, dass ich vorab eine Mail mit meinen wichtigen Punkten schicke.


      Ich drücke Euch die Daumen!


      Mach vielleicht in der Anderswelt einen Thread mit er Frage im Betreff auf, welches Mittel geeignet ist, Serotonin günstig zu beeinflussen, wenn Aggression/Stimmungsschwankungen bei Kinecteen und Elvanse auftreten. Oder so ähnlich.


      Ich lese jetzt nur noch Artikel mit aussagekräftigem Betreff, sonst wird es zu viel für mein ausgeleiertes Hirn. (Grade erlebe ich nochmal einen Tiefpunkt und denke, bald brennt die Sicherung durch...) Andere, die etwas dazu sagen können, tun das vielleicht auch.


      Macht es evtl Sinn, nochmal MPH in Form von Concerta im original, Medikinet oder Ritalin zu probieren?



    • MPH unretardiert würde ich noch mal ausprobieren, um auszuschließen, dass "Mr. Hyde" ein nicht erkannter Rebound ist. Da sie D und Ma immer in den ersten Stunden haben, müsste das gut funktionieren. In den anderen Fächern ist er sehr gut, da es ihm durch sein Interesse leichter fällt.