Warum ADHS-Kinder oft lügen

Die „Stimme der Vernunft“


Auf den ersten Blick liest sich das jetzt vielleicht, als hätten die Eltern von ADHS-Kindern ihren Nachwuchs falsch erzogen. Doch in Wirklichkeit ist die „innere Stimme“ etwas, das Kinder im Lauf der Jahre selbst entwickeln. Die „innere Stimme“ ist also keine Erziehungsfrage, sondern eine natürliche Entwicklung.


ADHS-Kinder hinken meist in ihrer Entwicklung im Vergleich zu Gleichaltrigen hinterher. D.h., ein gesundes Kind im Alter von acht Jahren ist einem ADHS-Kind im Alter von acht Jahren weit voraus.


Die Folge dieser schlecht entwickelten „inneren Stimme der Vernunft“ führt bei ADHS-Kindern zu vielen unüberlegten Handlungen oder unüberlegten Äußerungen. Den meisten ADHS-Kindern wird erst viel später klar, dass sie „etwas Dummes“ gemacht oder gesagt haben.


Die fehlende – oder schlecht ausgebildete – „innere Stimme“, oder auch die natürliche Hemmschwelle“, ist dabei keine schlechte Erziehung, sondern es handelt sich hier um ein für ADHS-Kinder typisches Symptom.



Lügen schützt


Den meisten ADHS-Kindern wird nach dem eigentlich Geschehenen erst viel später klar, dass sie eine Dummheit gemacht haben. ADHS-Kinder lügen, um sich selbst zu schützen. Was auf den ersten Blick vielleicht unsinnig erscheint, ist jedoch Fakt.


Wenn ein ADHS-Kind lügt, dann gibt es fünf ganz entscheidende Punkte, bei denen man sich sicher sein kann:

  • Das Kind weiß, dass es etwas falsch gemacht hat
  • Das Kind hat Angst vor Strafen oder anderen Konsequenzen
  • Das Kind hat Angst
  • Das Kind hat sehr viel Angst
  • Das Kind hat so viel Angst, dass es lieber lügt, als die Wahrheit zu sagen

Lügen erfüllt eine natürliche Schutzfunktion.



Lohnen sich Strafen?


Wenn ein Kind lügt, dann hat es Angst und sein Fehlverhalten längst eingesehen. Eine Strafe würde hier also nur dazu führen, dass das Kind beim nächsten „Fehltritt“ erneut lügt, um sich erneut zu schützen. Hier beginnt eine sog. „Negativ-Spirale“. Ständiges Lügen durch ständige Angst vor Strafen.


Fair ist es also, wenn die Kinder ihr Fehlverhalten selbst analysieren, selbst als falsch verstehen und dieses Verhalten nicht wiederholen. Das funktioniert aber nur, wenn sie keine Strafen fürchten müssen und frei darüber sprechen können.


Die Pädagogik des „Strafe verhindert erneutes Fehlverhalten“ muss bei ADHS grundlegend neu überdacht und reformiert werden. Dies erfordert von den Eltern, von Lehrkräften und anderem pädagogischen Fachpersonal eine völlige Neubewertung von Krisensituationen.


Wenn ADHS-Kinder mit der Wahrheit Erfolg haben, wird sich auch genau dies durchsetzen. Das gelingt jedoch nur, wenn man den Teufelskreis aus Angst und Strafen durchbricht.



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    Kommentare 2

    • Soweit so gut, aber wie kann ich denn nun reagieren, wenn mein Kind lügt? Wie helfe ich ihm sein Verhalten zu analysieren und zu erkennen, dass was falsch war?
      • Wenn das Kind mit der Wahrheit Erfolg hat, dann haben wir als Eltern gewonnen. So habe ich das verstanden. Aber komme da erst mal hin. Wenn ein Kind über Jahre hinweg versucht sich durch Lügerei rauszureden, dann wird es schwer sein, das abzustellen.