ADHS: Ausrede oder Ursache?

ADHS ist Schuld?


Verhalten ist bei Kindern etwas, das von außen schön beobachtet werden kann. Besonders bei ADHS-Kindern lässt sich oft sagen "das liegt an seinem ADHS". Nach außen hin sieht das jetzt natürlich sehr einfach aus. Vor allem können sich Eltern mit der ADHS-Begründung leicht "rausreden" und jegliche Verantwortung von sich weisen.


Die Realität ist - wie so oft bei ADHS - eine andere. Denn in Wirklichkeit stehen die Eltern vor dem Problem, das sie das Verhalten ihres von ADHS betroffenen Kindes in nahezu jeder Situation individuell bewerten müssen. Was ist noch "normal", und was ist wirklich ADHS? Und wie reagiere ich zu welcher Situation? Eltern von ADHS-Kindern haben diese schwierige Herausforderung jeden Tag.



ADHS ist an allem Schuld - wirklich?


ADHS kann grundsätzlich eine Erklärung für ein Verhalten sein. Allerdings ist es so, das nicht alles aufgrund von ADHS passiert. Kompliziert wird es vor allem dann, wenn das betroffene Kind feststellt, das es sich alles erlauben darf, da bei ihm oder ihr alles mit ADHS begründet wird.


Jeder Fehltritt, jeder Streit, jede Beleidigung!? Alles ADHS? Wohl kaum.


Vor allem unter Geschwistern ist hier ein täglicher Zwist vorprogrammiert. Obwohl in so manchem Wutanfall, der durch ADHS begünstigt ist, viele Ausdrücke durch die Luft sausen, und auch schon mal so richtig die Fetzen fliegen können, dürfen Eltern nicht alles einfach durchgehen lassen und es mit ADHS begründen oder gar abtun.


Wenn Eltern ihren Kindern aufgrund des ADHS einfach alles durchgehen lassen, dann lernen die Kinder nicht, das sich bestimmte Sachen gehören, und andere nicht. Letztlich soll das Kind lernen, trotz ADHS ein angemessenes Verhalten an den Tag zu legen, um später ein eigenständiges und verantwortungsvolles Leben führen zu können.



Grenzen und Regeln


Ohne Grenzen und Regeln geht es nicht. Grenzen und Regeln sind für das Zusammenleben in einer Gemeinschaft unabdingbar - auch in der Familiengemeinschaft.


Etwas einfacher ausgedrückt: ADHS ersetzt die Erziehungsarbeit nicht, sondern verschärft diese exponentiell. Die Eltern sind hier gefordert große Leistungen zu vollbringen (die es zu respektieren gilt). Denn von alleine werden ADHS-Kinder sich keine Grenzen setzen.



Tabletten lösen das Problem nicht


Eine medikamentöse Behandlung ersetzt die Erziehungsarbeit natürlich nicht. Eltern von ADHS-Kindern wissen das nur zu gut.


Trotzdem wirft man ihnen gerne genau das vor. Der Vorwurf macht es "anderen" sehr leicht, "ADHS-Eltern" der Unfähigkeit zu bezichtigen. Und das wäre dann nur eine harmlosere Variante.


Eine Behandlung durch Medikamente wie Ritalin, Medikinet, etc. entlässt Eltern nicht aus der Verantwortung, sondern steigert diese sogar noch. Denn die Behandlung ergibt nur unter bestimmten Umständen Sinn. Im Klartext: ADHS-Kinder zu erziehen wird durch eine medikamentöse Behandlung nicht leichter, sondern oft überhaupt erst ermöglicht.



ADHS ist keine Ausrede


Außenstehende und Ahnungslose machen es den Eltern zusätzlich schwer. Meist unbewusst, manchmal sogar geziehlt. Das ADHS die Ursache, und keine Ausrede ist, akzeptiert das "soziale" und öffentliche Umfeld nur selten.


Eltern von ADHS-Kindern haben es schwerer als andere. Viel schwerer.



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Ich dreh gleich durch!: Tagebuch eines ADHS-Kindes und seiner genervten Leidensgenossen