Wie sieht ADHS aus?

Erklärungen und Vergleiche gibt es dazu sehr viele. Aber die meisten Menschen - einschließlich pädagogische Fachkräfte wie Lehrer und Erzieher - können mit den wortreichen Wortmeldungen nur wenig anfangen. Wer nicht einen unmittelbaren Bezug dazu hat, der wird aus den bestehenden Erklärungsmodellen nicht schlau.


Jeder nickt zwar nach der erhaltenen Erklärung wie er sich ADHS vorstellen muss, doch die meisten verstehen es nicht. Denn es macht einen sehr großen Unterschied zwischen "ich weiß" und "ich verstehe".



Ein Erklärungsversuch


Die Symptome kennt jeder aus tausenden Artikeln oder Vorträgen. Ein gesunder Mensch kann das wirkliche Wichtige für sich herausfiltern, indem er den jeweiligen Aufgaben eine Priorität zuweist. Dies soll jetzt anhand eines Beispiels dargestellt werden.


Ein Kind kommt von der Schule nach Hause. Der Ablauf ist immer gleich.

  1. Nach Hause kommen ohne Umwege
  2. Hände waschen
  3. Mittagessen
  4. Hausaufgaben
    1. Mathematik
    2. Deutsch
  5. Spielen mit Freunden


Wir sehen hier eine einfache Abfolge von Aufgaben. Sie klar definiert und weisen eine Struktur auf, die wohl jeder versteht.



Wie sieht es bei ADHS aus?

  1. Bei Kindern, welche von ADHS betroffen sind, sieht die Sache "geringfügig" anders aus.
  2. Schule verlassen
  3. Beim überqueren der Straße fast überfahren worden
  4. Tolles Auto gesehen und angeguckt
  5. Auf dem weiteren Weg nach Hause Station auf dem Spielplatz gemacht
  6. Auf großen Stein aufmerksam geworden
  7. Unter Stein Ameisen gefunden
  8. Stein krachend in den Mülleimer gefeuert
  9. Schultasche auf dem Spielplatz gesucht und Regenwurm gefunden
  10. Regenwurm aufgehoben und ins Gebüsch gelegt
  11. Regenwurm gerettet
  12. Schultasche gesucht
  13. ...

Es ist gar nicht so leicht für ADHS-Kinder von der Schule direkt nach Hause zu finden. Da kann ein Schulweg von gewöhnlich 15 Minuten schnell zu zwei Stunden anwachsen. Während die einen Eltern ihre Kinder noch suchen, holen andere ihre Kinder lieber direkt von der Schule ab - weil es anders nicht geht.



ADHS ist eine Frage der Erziehung?


Jetzt könnte man so argumentieren, das die ADHS-Kinder nicht gut erzogen sind. Dies ist jedoch nicht der Fall. Wenn man sich klar macht, wie es in einem "ADHS-Kopf" aussieht, dann versteht man das Problem auch leichter.


Ungefähr so sieht es in einem ADHS-Gehirn aus: Viele Gedanken, an die alle gleichzeitig gedacht wird. Eine Selektierung findet nicht statt, weil dies bei ADHS einfach nicht möglich ist. ADHS ist also kein Problem der Erziehung, sondern ein viel größeres Problem, als es sich die meisten eingestehen wollen.


Reiz- und Gedankenüberflutung ist keine Erziehungsfrage!



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Miteinander reden 1: Störungen und Klärungen: Allgemeine Psychologie der Kommunikation