Wie fühlt sich ADHS an?

Sand in der Hosentasche


Eine Erzählung hat uns vor kurzem ganz besonders berührt. Eine Mama hat ihren achtjährigen Sohn auf den Besuch beim Kinderarzt vorbereitet. Der Bub sollte sich Gedanken machen, was ihm besonders schwer fällt. Der Junge hat von sich selbst ein negatives Selbstbild, da ihm vor allem auch die angespannte Schulsituation sehr zu schaffen macht. Er glaubt von sich, er könne nichts. „Wenn ich morgen tot bin, dann freuen sich alle.“


Die Tage vergingen, und schließlich war der Termin gekommen. Es war der erste Termin von vielen, welche zur ADHS-Diagnose führten. Die Mutter berichtete dem Arzt, dass die Schule ihn als ungezogen und eigentlich nicht beschulbar einstufen möchte. Man habe ihr offen gesagt, man wolle das Kind loswerden. Und ADHS sei eh nur eine Ausrede, die man schon zu oft gehört habe.


Dann fragte der Arzt, wie es dem Knaben ginge. Er hatte bis dahin noch keinen Laut von sich gegeben. Er schwieg. Er stand dann auf, griff in seine Hosentasche und legte zwei Händevoll Sand auf den Boden und verteilte diesen. „Jedes Sandkörnchen ist irgendwas. Aber alles ist gleichzeitig im Kopf. Und mein Kopf kann nicht mehr. Ich kann nicht mehr.“ Dann weinte er.



ADHS – Was andere nicht nachvollziehen können


Ein Schnupfen kennt jeder. Kopfschmerzen und andere kleine Wehwehchen auch. Aber ADHS fühlt sich nicht an wie ein Schnupfen. ADHS ist etwas, das man niemanden wünscht. Sich darüber lustig zu machen, oder zu behaupten das es ADHS gar nicht gibt, ist keine Lösung. Und es ist falsch. Und es greift die Betroffenen an. Und es ist beleidigend.


ADHS ist etwas, das man ernst nehmen muss. Die Eltern von ADHS-Kindern nehmen das sehr ernst. Und von ADHS betroffene Erwachsene nehmen das auch sehr ernst. Und das müssen sie auch. ADHS ist keine Erfindung oder ein simpler Erziehungsfehler. Wir sprechen von einer Krankheit. Nicht mehr – aber auch nicht weniger.



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