ADHS Symptome bei Jugendlichen

ADHS Symptome bei Jugendlichen
ADHS Symptome bei Jugendlichen

Leider gibt es immer wieder Berichte, in denen man lesen kann, die Gehirnstoffwechselstörung ADHS würde sich mit der Zeit auswachsen. Damit ist gemeint, das ADHS im Lauf des Lebens mit dem Erwachsenwerden einfach verschwindet. Dem ist aber nicht so. Die Krankheit bleibt die gleiche, nur der Mensch ändert sich. Und die erste ganz große Veränderung - in Bezug auf ADHS - ist das Teenageralter.


Typische Symptome, welche im Teenageralter besonders auffallen:

  • emotionale Impulsivität
  • niedrige Frustrationstoleranz, oft viel niedriger als im Kindesalter
  • Schwierigkeiten, mit plötzlichen Veränderungen oder mangelnder Struktur im Umfeld umgehen
  • schlechte interpersonelle Beziehungen (mit Menschen mit denen man eng zusammen ist)
  • Unreife, kindliche Blindheit
  • Neigung in Wutanfälle, Befürchtungen, Panikattacken oder in extremen "Katastrophenreaktionen" zu entgleisen
  • Schwierigkeiten bei der Konzentration (Aufmerksamkeitsstörung)


Warum ändert sich das alles?

Bei aller Unreife der Jugendliche mit ADHS, merken sie in diesem Jahren sehr deutlich, den Unterschied, zu den gleichaltrigen, gesunden Jugendlichen. Während bei den gesunden Jugendlichen mit 16 die erste feste Freundin kommt, steht beim ADHS-Jugendlichen Lego noch immer ganz hoch im Kurs.


Die meisten ADHS-Jugendlichen kappseln sich in diesem Alter ab - von Freunden und auch von der Familie -, und kommen aus dem eigenen Zimmer nur noch selten heraus. Sie spielen lieber Onlinegames, und suchen so den sozialen Anschluss, ohne anderen wirklich begegnen zu müssen. Sie müssen sich hier nicht verstellen, brauchen keine Mimik und Gestik interpretieren, und das gemeinesame Spielen vereint einen. Es ist eine "Beziehung auf unterster Stufe", aber den meisten reicht das.


Obwohl, nein, das reicht denen eigentlich nicht. Aber aus überwiegend schlechten Erfahrungen im realen Leben, bleibt vielen kaum etwas anderes übrig. Reale Kontakte zu echten Menschen werden gemieden. Einfach aus dem Grund, das sie keine weiteren negativen Erfahrungen mit anderen machen wollen.


Vor allem die übermäßige Nutzung von PC, Spielekonsole, etc. bietet oft den größten Zündstoff zwischen Eltern und dem ADHS-Jugendlichen. Der Grund: Wenn er (oder sie) das nicht mehr darf, dann nehmen die Eltern dem Jugendlichen mit ADHS den letzten sicheren Rückzugsort.


Selbst so einfache Dinge wie ein Kinobesuch können schon eine - gefühlt - riesengroße Herausforderung sein. Alles was außerhalb vom eigenen Kinderzimmer ist, wird als "Öffentlichkeit" verstanden. Und der sicherste Ort eines Teenagers ist sein eigenes Zimmer. Es ist seins, hier hat nur er sich aufzuhalten. Und auch wenn es aussieht, wie in einer "Räuberhöhle", dann ist das seine "Räuberhöhle", in der er sich wohlfühlt. Das kann natürlich schnell zum Sprengstoff in der Familie führen.


Und was kann ich als Eltern bei einem ADHS Jugendlichen tun?

Die Pubertät ist das Alter, in dem die Eltern schwierig werden - das ist ganz klar. Und genau dies sollten Eltern beherzigen. Aber natürlich umgekehrt. Also, sie sollten nicht das Problem sein, sondern die Lösung. Die Lösung sieht dann so aus, das soziale Interaktion nicht erzwungen, aber angeboten wird. Das Kinderzimmer muss ein anerkannter Rückzugsort sein, und "Privatsphäre" muss im Vordergrund stehen. Internetverbot, PC-Verbot und ähnliches muss ein Tabu sein.


Jugendliche merken ihre Andersartigkeit, und suchen nach Wegen, mit ihr umzugehen. Und sowas braucht Zeit, und immer dann Unterstützung, wenn sie gebraucht wird. Das zu erkennen, fällt den meisten Eltern sehr schwer, weil man die Anzeichen für "Komm', hilf mir" nur sehr schwer erkennen kann. Und der will dann auch im richtigen Moment erkannt werden.


Wenn der / die Jugendliche mit ADHS sozialen Anschluss findet, dann darf man dem keine Steine in den Weg legen - es sei denn, der Umgang ist für den ADHS-Jugendlichen äußerst schlecht. Beispiel: Mutproben oder offensichtlich übermäßiger Alkoholkonsum - und ähnlicher Wahnsinn. Auf jeden Fall fragen, wo es denn hingeht, aber nicht als Vorwurf, sondern aus wirklichem Interesse. Und ganz wichtig: Im Zweifel anbieten, das er / sie Alkohol trinken darf, und dann von den Eltern abgeholt wird.


Natürlich darf das alles nicht ausarten. Es gibt Grenzen. Diese Grenzen sind sehr leicht erkennbar:

  • körperliche Verwahrlosung (kommt ganz, ganz selten vor)
  • Lebensmittel dürfen im Kinderzimmer verspeist werden, aber das Geschirr muss am gleichen Tag zurück in die Küche (unbedingt!!!)
  • Drogenkonsum muss ein absolutes NoGo sein. Hier darf es keine Toleranz geben. (Schischa rauchen ist nicht gleich Drogen!)

Was übrigens ein echter Türöffner ist: Mit dem eigenen Kind ein Bier trinken - oder ein Bier trinken gehen. Dabei zeigen die Eltern einerseits, das sie das Abnabeln unterstützen, und gleichzeitig bereit sind, das kindliche im ADHS-Jugendlichen zu tolerieren, wenn es hervor kommt.


Fazit

In der Pubertät werden ADHS-Jugendliche nicht nur geschlechtsreif, sondern es passiert sehr, sehr viel mehr nebenher. Wer bin ich? Wo ist mein Platz in der Gesellschaft? Habe ich Freunde? Wie stehen meine Eltern zu mir? Wie stehen meine Lehrer zu mir? Warum habe ich keinen Freund / Freundin? Warum habe ich ADHS? Warum kann ich nicht wie andere sein? Warum … Warum … Warum …?


Es kann auf alle diese Fragen nur eine richtige Antwort geben: Liebes Kind, so wie Du bist, so bist Du richtig!


Über den Autor

Mit ADHS beschäftige ich mich bereits seit 1998. Seitdem hat sich viel getan. Überwiegend positives. Mein Job ist es hier, Informationen zu beschaffen, aufzubereiten, und zur Verfügung zu stellen. Ein Job der viel Zeitverschlingt, aber zweifellos sinnvoll ist. :-)

negteit Administrator

Kommentare 1

  • Ich hab den Text meinem Vater per Mail geschickt. Er hat gesagt, der kommt bei uns nur 6 Jahre zu spät. :-(


    Trotzdem Danke