ADHS und Schulbegleiter

ADHS und Schulbegleiter
ADHS und Schulbegleiter

ADHS-Kinder können unter bestimmten Umständen einen Schulbegleiter zur Unterstützung bekommen, damit sie den Schulalltag besser bewältigen können, wenn sie es alleine nur schlecht oder gar nicht schaffen. Primär geht es um Kinder mit sozialrechtlichem Hilfebedarf. Mit anderen Worten: Kinder, welche eine Behinderung haben, seelisch behindert sind, oder von eine seelischen Behinderung bedroht sind. Seltener, aber auch möglich, kann ein Schulbegleiter mittels "Hilfe zur Erziehung" genehmigt werden.


Das klingt alles erstmal recht steril. Und der Gang zum Jugendamt bleibt einem oftmals nicht erspart. Trotzdem ist es, rein vom Verhältnis zu anderen Hilfen, recht unbürokratisch und schnell zu realisieren. Die Probleme offenbaren sich erst, wenn man genauer hinsieht. Man findet dann zunächst Begriffe wie Schulbegleiter, Schulhelfer oder Integrationshelfer. Und dann wird es spannend und ernüchternd.


Voraussetzungen und Berufsausbildung

Es gibt derzeit (Stand heute) keine schulische oder berufliche Vorqualifikation. Jedenfalls nicht im strengsten Bundesland der Welt: Bayern. Hier kann im Prinzip jeder Schulbegleiter / Integrationshelfer werden. Es besteht aber die Möglichkeit, qualifizierende Kurse zu absolvieren. Diese dauern gewöhnlich bis zu vier Monaten. Danach erhält man ein entsprechendes Zertifikat.


Es gibt also keine echte Berufsausbildung dafür. Und rein vom Prinzip kann den Job jeder machen, der ihn haben möchte. Klar, die ausführenden Stellen (= nicht das Jugendamt!) bevorzugen ausgebildetes pädagogisches Fachpersonal, aber dieses ist gewöhnlich für eine solche berufliche Tätigkeiten nicht, oder sagen wir selten, zu begeistern.


So negativ sich das auch anhört, so hat es auch sein Gutes. Denn die jetzige Lage macht es möglich, das Menschen, die gut mit besonderen Kindern - zum Beispiel ADHS-Kindern - umgehen können, ihre Fähigkeiten als Beruf nutzen, und den Kindern deshalb eine gute Stütze sein können. Mit anderen Worten: Wenn sich Eltern für diese Tätigkeit entscheiden, sind sie vielleicht sogar höher qualifiziert, als ausgebildetes Fachpersonal, welches nur widerwillig morgens aufsteht.



Wo arbeiten Schulbegleiter, und was haben die mit Inklusion zu tun?

Schulbegleiter, bzw. Integrationshelfer, arbeiten zum Beispiel im Kindergarten, Schule, Hort, Mittagsbetreuung, berufliche Schulen und ähnliches. Schulbegleiter sind dabei ein Teil von dem, was man allgemein unter "Inklusion" versteht. Des bedeutet, sie arbeiten (u.a.) in

  • Inklusion einzelner Schülerinnen und Schüler = Einzelbetreuung in der Regelschule
  • Schulprofil mit Inklusion = Die Schule arbeitet insgesamt nach den Vorgaben und Grundlagen der Inklusion
  • Kooperationsklassen = Eine Lehrkraft aus der Förderschule kommt stundenweise zu Gast und unterstützt die Klassenlehrkraft
  • Partnerklassen = Förderklassen und Klassen der Regelschule agieren miteinander, und stimmen den Unterricht gegenseitig ab
  • Offene Klassen der Förderschule = Unterrichtet wird nach dem normalen Lehrplan, und Kinder ohne Förder- bzw. Hilfebedarf werden in der Förderschule aufgenommen


Probleme und Schwierigkeiten bei der Inklusion durch Schulbegleiter

Leider gehört es zur Wahrheit dazu, das Schulbegleiter auch Probleme überhaupt erst auslösen können. Das passiert immer dann, wenn die Schulbegleiter mit der Behinderung des Kindes nicht zurechtkommen. Bei ADHS liegt die Besonderheit darin, das man noch immer viele Menschen findet, die glauben, ADHS sei eine Erfindung oder Modekrankheit. In diesem Fall ist ein Schulbegleiter für das betreffende ADHS-Kind vollkommen unsinnig.


Auch Schulbegleiter, welche grundsätzlich gegen jegliche Medikamente sind, stellen für die ADHS-Kinder ein Problem dar. Vor allem dann, wenn die Schulbegleiter dem Kind seine erforderlichen Medikamente verweigern, und daraus sekundär neue Schwierigkeiten mit der Schule provoziert werden.


Problematisch ist es auch immer dann, wenn die Schulbegleiter oft wechseln. Kinder bauen Vertrauensbeziehungen zu Bezugspersonen auf. Wenn diese ständig wechseln, wird das vom Kind negativ wahr genommen. "Ich bin Schuld, das Herr / Frau XYZ mich wieder verlassen hat".


Unzuverlässige und "planlose" Schulbegleiter sind ebenfalls ein Problem.


Der Beruf des Integrationshelfers / Schulbegleiters ist für die meisten nur ein "Job auf kurze Zeit". Langfristige Beschäftigungsverhältnisse gibt es nur selten. Entsprechend oft wechseln die Betreuungspersonen der Kinder.


Fazit: Es braucht ganz viel Glück, um einen guten IntegrationshelferIn zu bekommen.


Wenn es mit dem Integrationshelfer gut läuft

Obwohl man schnell ein "Haar in der Suppe" finden kann, so muss man auch klar sagen, das es auch gut laufen kann. Ein Versuch ist es also auf jeden Fall wert.


Es ist dabei sinnvoll, den Schulbegleiter / Integrationshelfer auf das ADHS-Kind vorzubereiten. In einem Erstgespräch kann man schon vieles ansprechen, und ggf. Literatur bereitstellen, oder empfehlen. Je nach dem in wie weit das Früchte trägt, kann man darüber ein Urteil fällen, ob es gut oder weniger gut laufen wird.


Normalerweise wird davon abgeraten, den Schulbegleiter zu sehr in die Familie einzubinden, weil im Falle einer Kündigung das Verhältnis von jetzt auf gleich beendet wird, und dies für das ADHS Kind wie ein Schlag ins Gesicht wirken kann. Es gibt aber ausreichend Berichte, welche belegen, das eine familiäre Integration (z.B. gemeinsamer Ausflug, Grillabend, Spieleabend, ähnliches) durchaus von Vorteil für das ADHS-Kind sein kann. Hier kommt es aber sehr auf die persönliche Beziehung zum IntegrationshelferIn an. Die "Chemie muss passen".


Wichtig zum Start

Unabhängig davon, was man gehört oder gelesen hat, ist es besonders wichtig, dem Ganzen Vorurteilsfrei gegenüber zu stehen. Manche Dinge brauchen Zeit, um sich zu entwickeln. Und genau so verhält es sich hier auch.


Integrationshelfer / Schulbegleiter sind nicht speziell zum Thema ADHS ausgebildet. Dennoch sollte man diese Möglichkeit als Chance verstehen, die man nutzen und ggf. sogar noch ausbauen kann.


Über den Autor

Mit ADHS beschäftige ich mich bereits seit 1998. Seitdem hat sich viel getan. Überwiegend positives. Mein Job ist es hier, Informationen zu beschaffen, aufzubereiten, und zur Verfügung zu stellen. Ein Job der viel Zeitverschlingt, aber zweifellos sinnvoll ist. :-)

negteit Administrator

Kommentare 2

  • Ich habe sowas mal beantragt. Ergebnis: Ich bin nur eine völlig hysterische Glucke, die Angst um ihr Kind hat. Man hat mir zu einer Therapie geraten, weil ich eine Bindungsstörung hätte.


    Ich glaube, die wollen nur Geld sparen. Und ADHS-Kinder sind wie geschaffen dafür :-(

  • Der Artikel kommt genau zur richtigen Zeit. Nach fast 3 Jahren Schule wir des dem Junior immer schwerer, gegen seine Symptome anzukämpfen. Wir benötigen nun einen "Helfer" an seiner Seite, der im sagt,

    • wann er essen soll,
    • wann er Hausaufgaben aufschreiben soll und wo hin (Fach, Woche und Tag),
    • wann er das Buch aufschlagen und auf die Aufgaben schauen soll,
    • dass er zum Stundenende nichts auf dem Tisch vergisst und die Salamibrote nicht ins Mathebuch drückt,
    • ihm Trost und emotionalen Aufbau gibt, wenn sich ein Lehrer im Ton vergriffen hat und er emotiolal im Keller und dadurch "im Hirn gelähmt" ist,
    • wenn....

    Ihr kennt das vermutlich von Euren Kindern.

    Die kleinen schlauen Menschlein können ihren Grips wegen der Symptome selten voll nutzen.