Hochsensibel und oder ADHS

Hochsensibilität ist eigentlich nur ein umgangssprachlicher - nicht wirklich medizinischer - Begriff, mit dem Menschen beschrieben werden, welche an einer Reizüberflutung leiden. Die Reizüberflutung findet ihre Ursache darin, das die Sinne sehr geschärft sind, und alle Informationen, auch die aller Kleinsten, dem Gehirn als gleichwichtig mitgeteilt werden. Kinder als auch Erwachsene welche Hochsensibel sind, werden oft als leicht Reizbar (emotional) empfunden. In Teilen auch Aggressiv oder ungewöhnlich stark traurig.


Hochsensibilität ist charakterisiert durch

  • schnelles Überfordertsein von inneren und äußeren Anforderungen
  • sehr hohe Empfänglichkeit gegenüber ästhetischen Reizen.
  • eine niedrige Wahrnehmungsschwelle (= offen für jeden Reiz der eigenen Sinne)


Im Rahmen einer Studie konnte jüngst nachgewiesen werden, das es offensichtlich neurogische Unterschiede gibt, welche mittels Magnetresonanztomograph bildlich dargestellt werden konnten. Die Hirnareale für Aufmerksamkeit sind deutlich aktiver, als bei gesunden Menschen. Bei unterschiedlichen Tests konnte dies nachgewiesen werden. Die Probanden, welche als Hochsensibel galten, gaben dabei übereinstimmend an, bei den Tests stark gestresst gewesen zu sein.


Diagnose steht dabei bewusst in Anführungszeichen. Denn nach wie vor ist Hochsensibilität nicht als Erkrankung eingestuft worden. Für hochsensible Menschen gibt es derzeit auch keine echte therapeutische Möglichkeit. Gewöhnlich wird eine reizarme Umgebung als "Lebensraum" empfohlen. Dies ist jedoch nur zuhause umsetzbar. Und die meisten, können dies nicht mal umsetzen, weil die Partnerin / Partner einen spartanischen Lebensstil nicht zustimmen.


Abgrenzung zwischen Hochsensibel und ADHS

Hochsensibilität bei Kindern und Erwachsenen muss klar zu ADHS abgegrenzt werden. Dies ist jedoch auch für erfahrene Diagnostiker sehr schwer, weil die Symptome fast gleich sind, aber die Ursache tatsächlich eine andere ist. Hochsensible Menschen haben zum Beispiel Schwierigkeiten sich auf eine Sache zu konzentrieren. Und durch die emotionale Belastung können sie in sich gekehrt sein, oder impulsives Verhalten zeigen.


Hochsensibilität kann auch andere Erkrankungen, neurologisch wie psychiatrischer Natur, verdecken. Sehr oft wird es dann versäumt, hinter den Deckmantel zu blicken. Dies macht das Leben der Betroffenen leider nicht leichter. Nur allzu schnell werden sie in "Schubladen" gesteckt, in die sie gar nicht hinein gehören.


Hochsensibilität kann zum Beispiel folgendes verstecken:

  • Autismus
  • Übermäßige Introversion (extremes in sich gekehrt sein)
  • Neurotizismus
  • Verhaltenshemmungen
  • ...

Hochsensibilität wird oft mit Hochbegabung in Verbindung gebracht. Einen echten Nachweis dafür gibt es bisher offenbar nicht.


Historisches

Hochsensibilität wurde schon früher beobachtet, aber nicht als Krankheit erkannt, sondern als eine persönliche Eigenschaft betrachtet. Genauer hingesehen wird auch erst seit 1997, weil das US-Psychologenpaar Aron sich mit der Thematik intensiv auseinandergesetzt hat. Aber nochmal: Offiziell ist es (noch) keine behandlungsbedürftige Erkrankung. Der Stand heute sieht so aus, das die Problematik Arztseitig anders umschifft wird, und so trotzdem Behandlung findet.


Über den Autor

Mit ADHS beschäftige ich mich bereits seit 1998. Seitdem hat sich viel getan. Überwiegend positives. Mein Job ist es hier, Informationen zu beschaffen, aufzubereiten, und zur Verfügung zu stellen. Ein Job der viel Zeitverschlingt, aber zweifellos sinnvoll ist. :-)

negteit Administrator