DAK moniert späte Hilfe für Kinder

Je nach Bundesland soll laut einer DAK Untersuchung jedes vierte oder jedes fünfte Kind psychische Probleme aufweisen, welche behandelt werden müssten. Zu den erfassten Krankheiten gehören u.a. Depressionen, Angststörungen, Sprach- und Sprechstörungen - und ADHS. Die Untersuchungsergebnisse basieren auf den Abrechnungsdaten der Krankenkasse. Diese bilden die Grundlage für den jährlichen Gesundheitsreport, welcher einen Überblick über die Situation im vergangenen Jahr darstellt.


DAK-Chef Andreas Storm wird in einigen Medienberichten wie folgt zitiert: "Psychische Erkrankungen kommen auf leisen Sohlen". Gemeint ist damit, das die DAK moniert, das die Behandlung oft viel zu spät startet, weil das Leiden lange Zeit nicht gesehen und folglich nicht erkannt wird.


Die Daten bzgl. ADHS sind jedoch ebenfalls interessant. Je nach Bundesland sprechen die Berichte von drei bis vier Prozent betroffener Kinder und Jugendlichen. Dies ist weit unterhalb der üblicherweise geschätzten fünf bis acht Prozent, von denen Experten ausgehen. Im Süden Deutschlands sind allerdings mehr Kinder betroffen als im Norden. Die Ursachen dafür sind nicht feststellbar. Es könnte jedoch mit der Bevölkerungsdichte zusammenhängen. Dies Bedarf aber einer gesonderten Untersuchung. Statistik bedeutet immer auch viel Rechnen.


Was die Krankenkasse leider nicht berücksichtigt, sind die langen Wartezeiten auf Diagnose- und Therapieplätze. Denn diese Berücksichtigung könnte das tatsächliche Bild der Untersuchung nochmal deutlich schärfen.


Trotzdem sind die Berichte hier nicht das übliche "ADHS-Bashing", sondern es handelt sich einfach nur um Berichte, welche die Ergebnisse wiedergeben.


Über den Autor

Mit ADHS beschäftige ich mich bereits seit 1998. Seitdem hat sich viel getan. Überwiegend positives. Mein Job ist es hier, Informationen zu beschaffen, aufzubereiten, und zur Verfügung zu stellen. Ein Job der viel Zeitverschlingt, aber zweifellos sinnvoll ist. :-)

negteit Administrator

Kommentare 4

  • Ich finde es oft auch zu spät. Da bekommen Kinder z.B. eine Diagnose aber eben keine Therapie und müssen warten und warten. Kinder entwicklen sich so schnell, jedes Jahr zählt. Bei uns Erwachsenen sind ja z.B. drei Jahre am selben Arbeitsplatz nichts, aber bei Kindern sind es drei Schuljahre, also extreme Veränderungen.


    Gerade in den jungen Jahren kann man doch so viel lernen. Wieviele Komorbitäten sind bei uns aus nicht diagnostiziertem ADHS entstanden und hat den Familien unheil beschehrt, weil man einfach nur nicht wusste.


    Man muss das mal überlegen. Man bekommt ein Krankheit diagnostiziert die halt psychisch ist und dann kommt nix.

    Wäre ja so als ob man ne Sehschwäche diagnostiziert bekommt aber keine Brille

    Wäre ja so als ob man Diabetes diagnostiziert bekommt aber keine INSULIN und keine Ernährungsberatung oder den Umgang mit Insulin

    • Ich bin seit 22 Jahren im "ADHS-Geschäft". Und das ist das erste Mal, das eine Krankenkasse auf diese Probleme hinweist, ohne dabei ganze Patientengruppen zu verurteilen. Und dann hat die DAK es geschafft, das die Inhalte nicht verfälscht wiedergegeben werden. Ich glaube fast, heute ist Weihnachten.


      Und es ist genau so wie Du sagts: 3 Schuljahre sind für Kinder und Jugendliche eine lange Zeit, in der sich viel verändert. Aber rein politisch gesehen, sind drei Jahre keine Zeit. Wer heute etwas ändern will, der braucht einen langen Atem.


      Wer sich mit Ärzten und Therapeuten mal tiefer beschäftigt, der wird staunen, was er findet. Ich versuche eine Kurzfassung und nehme Fürstenfeldbruck (nahe München) als Beispiel … weil ich in dem Landkreis lebe und dort "Freizeitpolitiker" bin.


      Fürstenfeldbruck (abgekürzt FFB) gilt als sogenannter "ländlicher Raum". Bei uns mangelt es an:

      • Kinderärzten
      • Gynäkologen
      • Neurologen
      • Kinderkrankenhaus / Kinderstation
      • Psychiater
      • Psychologen
      • Ergotherapeuten

      Medizinisch sind wir total abgehängt. Der Grund: Im Randgebiet von München sind diese Ärzte zu finden. Und der Einzugsbereich für diese Ärzte ist auch der Landkreis FFB. Und weil das so ist, gilt FFB als medizinisch versorgt. Aber eigentlich stimmt das nicht. Und jetzt kommt der Oberhammer: Will sich in FFB beispielsweise ein Kinderarzt ansiedeln, dann darf er das nicht, weil die Region als versorgt gilt.


      Zu meinem Psychiater, der mir Medikinet Adult verschreibt, brauche ich mit dem Auto bis zu 2h - je nach Tageszeit. Oder 1,5h mit den Öffis. Zu meinem Neurologen brauche ich mit dem Auto ca. 45 Minuten. Mit den Öffis etwa 2h (= erst nach München rein, dann umsteigen, dann wieder raus).


      Also, das ist die Realität. :-(

    • Puuuuhhh!!!


      Ja das ist wirklich schlimm und sicher in vielen anderen Regionen auch der Fall... tut mir echt leid!


      ... und dabei ist selbst in den Städten bei all den Ärzten hier die Möglichkeit zur ADHS Diagnostik für Erwachsene auch total schlecht...

    • In Bayern (und eigentlich in ganz Deutschland) werden Kinderstationen geschlossen, weil sie unrentabel sind. Es gibt dazu sogar eine Petition.


      https://www.openpetition.de/pe…ne/kinderstationen-retten


      Im Landkreis Fürstenfeldbruck (in dem ich wohne) gibt es keine Kinderstation, kein Kinderkrankenhaus. Die nächste Kinderklinik ist das Kinderkrankenhaus 3. Orden - ein Stück hinter Pasing in München. Von Olching fährt man rund 45 Minuten. Wenn die A8 vor München zu ist (Unfall oder Berufsverkehr) dauert es bis zu 30 Minuten länger.

      Haben die kein Platz, müssen wir nach Starnberg fahren. Je nach Verkehr 60 Minuten plus X.


      Und wenn ich dann höre, das der Politik der "ländliche Raum" doch so wichtig ist, da muss ich direkt kotzen.


      Und folgendes ist jetzt kein Witz: Die FDP Fürstenfeldbruck hat auf ihrer Seite Telefonnummern und Adressen aufgelistet, wenn man schnell einen Kinderarzt braucht.

      Siehe https://www.fdpffb.de/buergerservice/