Warum der ADHS Fragebogen eine Aussagekraft hat

Es gibt eine Bewertungsskala mit dem Namen "ADHD Rating Scale". Im folgenden werden ich das als ADHS RS abkürzen und ins Deutsche übersetzen.


Diese ADHS RS wurde 1998 von George J. DuPaul, Thomas J. Power, Arthur D. Anastopoulos und Robert Reid erstellt. Die ADHS RS wurde seitdem stets an aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen angepasst. Die derzeitigen Fragebögen richten sich derzeit also nach der gültigen Fassung der DSM V.


Die Fragebögen, bzw. ein Buch dazu, kann man auch käuflich erwerben. Alle Infos dazu findet ihr hier bei Guilford.com Informationen aus dem Buch "Assessment of Childhood Disorders" (Mash, Barkley) gelten übrigens ebenfalls noch heute entsprechend.


Gemäß den diagnostischen Vorgaben gibt es inzwischen unterschiedliche Fragebögen. Darunter sind zum Beispiel spezielle Fragebögen, welche sich an die Schule richten, und zusätzlich zwischen Junge und Mädchen unterscheiden. Außerdem kommt eine Schulversion hinzu, welche sich nach dem Alter des Kindes richtet. Einmal für Kinder, einmal für Jugendliche. Und weil uns das nicht ausreicht, gibt es einen weiteren geschlechtsspezifischen Fragebogen zu den konkreten Einschränkungen im Kindesalter, an denen man ADHS erkennen kann.


Die ADHS-Diagnose hat in den letzten 20 Jahren große Fortschritte in den Feinheiten gemacht, die man nicht unterschätzen darf. Dies dient natürlich primär den kleinen und großen Patienten, weil eine bessere Diagnostik Falschdiagnosen vorbeugt. Außerdem kann man anhand von den Fragebögen eine Einschätzung abgeben, in welche Richtung die therapeutischen Maßnahmen gehen sollen. Die Fragenbögen stellen im Prinzip immer die gleiche Frage: Was ist das Problem? Es wird nur mehrfach anders ausformuliert, um dann eine Gesamtantwort zu erhalten.


Im Ausland gibt es noch weitere ADHS Bewertungsskalen, mit entsprechenden Fragebögen, welche Anwendung finden. Diese heißen ARS

und ASQ.


Nach einer Genauigkeitsstudie der "Pediatrics Association" wurde 2016 festgestellt, das die Trefferquote bei der ARS-Skala am häufigsten die richtige Diagnose herausgelesen werden kann. Die Quote soll bei 78% Zuverlässigkeit liegen. Das ist schon sehr hoch und sehr gut.


Und weil Fragebögen es allein nicht schaffen, eine zuverlässige ADHS Diagnose zu stellen, gibt es weitere Untersuchungen, um andere Erkrankungen auszuschließen.


Lange Rede, kurzer Sinn: Bei den ADHS-Fragebögen geht es um Medizin, um Wissenschaft, um Diagnostik. Es werden nicht einfach nur ein paar Kreuze auf einem Papier gemacht.


Über den Autor

Mit ADHS beschäftige ich mich bereits seit 1998. Seitdem hat sich viel getan. Überwiegend positives. Mein Job ist es hier, Informationen zu beschaffen, aufzubereiten, und zur Verfügung zu stellen. Ein Job der viel Zeitverschlingt, aber zweifellos sinnvoll ist. :-)

negteit Administrator