Jugendliche wollen gesund sein

Ihr Freundeskreis (sofern vorhanden) braucht auch keine Medikamente. Der Wunsch, wie andere gesund zu sein, ist größer als das Zugeben einer nötigen medikamentösen Behandlung von seinem ADHS.


Es gibt aber noch weitere Gründe für eine Behandlungsverweigerung. Einer davon ist beispielsweise das ein Jugendlicher oft als "drogensüchtig" hingestellt wird, wenn bekannt wird, das er regelmäßig ein Medikament benötigt, um die ADHS Symptomatik in Griff zu bekommen. Da ADHS-Jugendliche nicht als "Junkies" abgestempelt werden wollen, verweigern sie eine medikamentöse Behandlung. Hier spielt vor allem die unrichtige Berichterstattung Seitens der Medien und der damit entstehenden Unsachlichkeit in der Bevölkerung eine sehr große Rolle.


Der gesellschaftliche Druck "richtig zu sein" wächst mit dem Alter.


"Ich bin gesund, ich bin wie die anderen - ich brauche keine Therapie!" - das will der Teenager sagen und erreichen. Das macht es gewöhnlich nicht immer einfacher. Und gar nicht mal so selten kämpfen die Eltern um die Fortsetzung der medikamentösen Therapie. Einfach weil die Eltern es besser wissen. Dies aber dem Teenager zu vermitteln ist schwierig und kompliziert.


Oft werden Kompromisse eingegangen. Der wohl häufigste besteht darin, das am Wochenende die Medikamente weggelassen werden. Aber genau dann, wenn der gesellschaftliche Druck am höchsten ist, ist eine niedrige Hemmschwelle für Alkohol und Mutproben das schlechteste, was man machen kann.


ADHS-Jugendliche bekommen Ritalin, Medikinet oder anderes schließlich nicht umsonst, oder weil es den Eltern "Spaß" macht. Eine Unterbrechung am Wochenende ist genau so ungut, wie eine Unterbrechung während der Schulzeit (oder in der Berufsausbildung).


Der am häufigsten erfolgreiche Weg besteht darin, den Teenager daran zu erinnern, das man als "baldiger Erwachsener" auch eigenverantwortlich vernünftige Entscheidungen treffen kann. Und die Fortsetzung der medikamentösen Behandlung gehört dazu. Getreu dem Motto "Du als Kind, haben wir auf dich aufgepasst, jetzt bist Du alt genug, um es selbst zu machen".


Und so lange das nicht zuverlässig klappt, muss man als Eltern die "Leine" ganz kurz nehmen.


Über den Autor

Mit ADHS beschäftige ich mich bereits seit 1998. Seitdem hat sich viel getan. Überwiegend positives. Mein Job ist es hier, Informationen zu beschaffen, aufzubereiten, und zur Verfügung zu stellen. Ein Job der viel Zeitverschlingt, aber zweifellos sinnvoll ist. :-)

negteit Administrator