Wie Arbeitgeber Bewerber bewerten

Am letzten Wochenende (02.11.2019) gab es ein interessantes Meeting in Bad Kissingen zum Thema "Wie finde ich den richtigen Bewerber" - also aus Arbeitgebersicht. Es war das letzte von drei angesprochenen Themen. Geladen waren eine kleine Anzahl von Jungunternehmern mit bis zu Mitarbeitern. Der Schwerpunkt lag also im Kleinstunternehmertum.


Es gibt jetzt dahingehend ein kurzes Feedback, weil ADHS-Zentrum ein Projekt von https://negteit.de ist, und es durchaus bemerkenswerte Blickwinkel deutlich zu machen.


In Summe gab es nur einen Punkt, in dem sich alle einig waren: Die fachliche Komponente spielt eine Rolle. Sie spielt auch dann noch eine Rolle, wenn der / die / das potentieller Mitarbeiter nur einen Teil der gewünschten Fachkenntnisse besitzt, den Rest aber lernen kann. Vor allem bei letzterem werden Bewerber genauer geprüft. Der Grund: Ein lernwilliger Mitarbeiter "schaut über den Tellerrand hinaus", und ist kein gnadenloser Fachidiot. Es ist leichter, jemanden in ein bestehendes Team zu integrieren, der nicht durch und durch von sich überzeugt ist, und sich gerade deshalb gut einfügen kann - nicht unterordnen.


Äußerlichkeiten sind eher unwichtig eingestuft worden. Der eine oder andere verlangt jedoch nach einem berufsspezifischen Outfit. Ein Netzwerkadministrator im Anzug kommt etwas unglaubwürdig rüber. Es gibt vereinzelt also tatsächlich die "richtige" oder die "falsche" Kleidung.


Das Auftreten des Bewerbers wurde genau so unterschiedlich bewertet, wie es Anwesende gab. Nach längerer Diskussion gab es den Konsens, dass das "richtige" oder "falsche" Auftreten je nach Arbeitgeber gefällt oder nicht gefällt. Es gibt hier Wünsche, Interessen und Vorstellungen der Arbeitgeber. Kleiner Haken: Kein Arbeitgeber würde aufgrund des "falschen Auftretens" einen Bewerber aussortieren.


Die Form der Bewerbung sollte Digital erfolgen. Sprich per eMail. Einige fordern den Erstkontakt allerdings via Xing oder LinkedIn, weil man hier den Bewerber bereits kennenlernen kann - ohne ihn einladen zu müssen. Zeugnisse oder Beurteilungen spielen auch eine eher untergeordnete Rolle. Ein kurzer Lebenslauf hingegen ist Wünschenswert.


Besonderheiten der / die / das Bewerbers sind in kleinem Rahmen von Interesse. Das fällt aber je nach Arbeitgeber recht unterschiedlich aus. Angefangen von "Auch Bewerber haben eine Privatsphäre" bis hin zu "ich will vorher alles wissen" war jede Meinung dabei.


Auf den Einwand wie es beim Thema Krankheiten oder Behinderung aussieht, kam das Echo, das dies primär Privatsache ist. Für den Arbeitgeber ist dies nur dann von Interesse, wenn es die Arbeitsleistung des Bewerbers beeinflussen könnte. Bei der Rückfrage, ob das für eine Einstellung ein Problem werden könnte, kam das Feedback: Ja, es könnte zum Problem werden, wenn es genug andere Bewerber gibt.


Fazit: Es handelt sich hier um ein Meinungsbild unter Kleinstunternehmen aus der IT-Branche. Mittlere oder große Unternehmen könnten andere Meinungen an den Tag legen, und zu völlig anderen Ergebnissen kommen. Das Problem des Bewerbers wird immer sein, das er nicht weiß, was der Arbeitgeber gerne sehen möchte, und was lieber nicht.


Ob man mit ADHS jetzt hausieren gehen soll oder nicht, muss am Ende jeder selbst für sich entscheiden. Eine echte Entscheidungshilfe kann man von außen kaum geben.


Über den Autor

Mit ADHS beschäftige ich mich bereits seit 1998. Seitdem hat sich viel getan. Überwiegend positives. Mein Job ist es hier, Informationen zu beschaffen, aufzubereiten, und zur Verfügung zu stellen. Ein Job der viel Zeitverschlingt, aber zweifellos sinnvoll ist. :-)

negteit Administrator

Kommentare 1

  • Ich denke nicht, das es sinnvoll ist, seinem Arbeitgeber immer alles zu erzählen. ;-)