ADHS und Suchterkrankung zusammen behandeln

Die gute Nachricht: Inzwischen findet immer mehr ein Umdenken statt. Die Psychiatrie ist sich in Summe noch Uneins, aber es geht immer mehr in die Richtung zur Fragestellung: Wie kam es zu der Suchterkrankung?


Diese Fragestellung führte jüngst zu interessanten Ergebnissen. Eines davon bestätigt, das rund 50% der ADHS-Erwachsenen eine Suchterkrankung hatten, die sich auf unterschiedliche Weise äußerte. Es gab jedoch eine große Gemeinsamkeit: Allen Patienten ging es beim Substanzmissbrauch darum, das psychische Befinden zu verbessern.


Andreas Steimann, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und leitender Oberarzt am psychiatrischen Krankenhaus Rickling, stellt deshalb klar, dass eine alleinige Behandlung des Substanzmissbrauchs mittel- und langfristig nicht ausreicht. Ein Rückfall ist sehr wahrscheinlich. Aus diesem Grund müsse die Suchterkrankung, als auch die ADHS-Erkrankung, gleichzeitig behandelt werden. Wichtig dabei sei, das es eine echte tatsächliche ADHS-Spezifische Behandlung ist.


Eine medikamentöse Behandlung des ADHS mit (z.B.) Methylphenidat (= z.B. Ritalin, Medikinet, ...) sei in diesem Fall nur dann umsetzbar, wenn es zwischen dem Arzt / Therapeuten eine enge Bindung gibt, und der betroffene Patient sich von seinem Suchtmittel gelöst hat. Eine körperliche Entgiftung ist eine Grundvoraussetzung für den Behandlungserfolg.


Diese Behandlung nimmt erfahrungsgemäß sehr viel Zeit in Anspruch, und steht vor allem zu Beginn auf unsicheren Füßen, da das Vertrauen zwischen Arzt und Patient erst aufgebaut werden muss. Kurzfristige Erfolge sind hier nicht zu erwarten.


Steimann empfiehlt deshalb eine engmaschige Betreuung des Patienten, welche zum Beispiel auch häufige Urinproben mit einschließt. Klare Grenzen dürfen nicht überschritten werden, und Vereinbarungen zwischen Arzt und Patient sind einzuhalten.


Wurde die Sucht überwunden, muss ADHS als Grunderkrankung weiterbehandelt werden. Dazu gehört u.a. die Entwicklung von Strategien für den Alltag. Auch sind Gruppentherapien mit anderen ADHS-Patienten ein konstruktiver Beitrag dafür, um mit seinem eigenen ADHS besser umgehen zu können.


Über den Autor

Mit ADHS beschäftige ich mich bereits seit 1998. Seitdem hat sich viel getan. Überwiegend positives. Mein Job ist es hier, Informationen zu beschaffen, aufzubereiten, und zur Verfügung zu stellen. Ein Job der viel Zeitverschlingt, aber zweifellos sinnvoll ist. :-)

negteit Administrator

Kommentare 3

  • Die Thematik ist in den Niederlanden und Skandinavischen Ländern meines Wissens weiter entwickelt. Hier wird bei Delinquenz und Sucht sehr früh die Möglichkeit zur Diagnose, Behandlung und Psychoedukation angeboten, um die Betroffenen dem "diabolischen Kreislauf" zu entziehen, in den sie ohne grundhafte Bearbeitung der Ursache immer wieder hinein rutschen würden.


    In Deutschland "kuriert" man leider noch zu oft das "Symptom".

  • Hatten wir das Thema nicht irgendwann im Juni, mit dem User der sich hier immer wieder neu angemeldet hat, und nach Drogen gefragt hat? Ich schätze, der hat hier keinen Account und kann das nicht lesen? Obwohl es gerade für den wichtig gewesen wäre.

    • Stimmt. Aber jetzt ist es so.