ADHS: Ohne Hausaufgaben geht es auch

ADHS-Zentrum ersetzt keinen Arztbesuch oder andere Fachkraft aus Pädagogik und Recht oder eine sonstige Beratung. Ob der Inhalt bei Ihnen oder ihrem Kind zutrifft, muss jeder für sich im Einzelfall abwägen und eigenverantwortlich entscheiden / prüfen lassen.

Findige Lehrer und Lehrerinnen haben sich deshalb eine Möglichkeit überlegt, wie man damit umgehen könnte. Ziel der Bemühungen sollte es sein, den "Reibungspunkt Hausaufgaben" zu beseitigen. Nach einigen ausgedehnten und intensiven Gesprächen kam die Gruppe aus Lehrern und Eltern zu dem Schluss, das dieses gesetzte Ziel nur erreicht werden könne, wenn es zukünftig keine Hausaufgaben mehr gebe.


Die Basis der Entscheidung lässt sich wie folgt zusammenfassen: Hat ein Schüler - unabhängig ob ADHS vorliegt oder nicht - etwas im Unterricht nicht verstanden, sind Hausaufgaben zu Hause zwecklos.


Verschärft wird die familiäre Situation sehr oft auch noch dadurch, das beide Elternteile arbeiten gehen müssen, um die laufenden Kosten zu decken. D.h. wenn überhaupt Hausaufgaben gemacht werden, dann ist das Abends. Die Kinder und Eltern sind dann abends oft schon so erschöpft, das eigentlich keiner mehr Nerven und Konzentration aufbringen kann, um die Hausaufgaben noch zu erklären, bzw. zu verstehen und dann zu machen.


Das Konzept "Ohne Hausaufgaben geht es auch"

Das Konzept "Ohne Hausaufgaben geht es auch" sieht vor, das die Kinder keine Hausaufgaben bekommen. Dies setzt jedoch voraus, das sichergestellt wird, das alle Kinder den vermittelten Schulstoff verstanden haben.



Der Praxistest

Oberstes Ziel war, dass die Kinder den Schulstoff verstehen. Und dies innerhalb der vorgesehenen Schulzeit. Und es durfte kein Kind hängen gelassen werden. Gerade das war die größte Herausforderung, berichtet uns der Leiter des Schulexperiments. Deshalb habe man sich einen Weg überlegt, der völlig neuartig war: Wir haben fachübergreifend zusammengearbeitet. Und um das zu realisieren, musste der Unterricht völlig neu aufgebaut werden.


In der Testklasse haben wir morgens mit Erdkunde angefangen. Dann kam Geschichte dazu und später wurden die Details im Matheunterricht in Zahlen vermittelt. Der Unterricht beschränkte sich also nicht nur gezielt auf ein Thema, sondern es ging alles ineinander über. Am Ende des Tages wussten die Schüler wie ein Vulkan entsteht, was ein Vulkanologe ist und wie man den Satz des Pythagoras anwendet. Sie lernten außerdem neue - themenbezogene - Begriffe und konnten auch etwas damit anfangen, wenn sie es benutzten.


Interessant war aber auch, dass die Klasse als Gemeinschaft fungierte. Was der eine nicht sofort verstanden hatte, wurde von einem anderen Schüler in Gruppenarbeit noch mal erklärt: Von Kind zu Kind sozusagen.


Am Ende eines jeden Tages wurde in der letzten halben Stunde eine Lernzielkontrolle durchgeführt, welche jedoch nicht benotet wurde. Sie waren der Nachweis dafür, welches Kind was verstanden hatte, und bei welchem Kind am nächsten Tag noch mal nachgebessert werden musste. Denn die erste Stunde wurde stets dafür verwandt, jene Kinder nochmals gezielt zu unterrichten. Da es in der Regel nur einzelne waren, konnte dies sehr gut funktionieren. Die anderen Kinder durften in dieser Zeit spielen. Und zwar Spiele, die sie selbst von zu Hause mitgebracht hatten.


Das Projekt war in der Testklasse sehr erfolgreich - wenn auch für die Lehrkräfte sehr aufwändig. Trotzdem konnte man auf Hausaufgaben verzichten und die Noten in den einzelnen Fächern wurden sprunghaft besser.


Alles in allem lief die Sache über ganze vier Wochen. Anschließend musste man zum alten System zurückkehren, da man leider nicht mehr weitermachen durfte. Die Noten wurden entsprechend schlechter.


Trotz der nachgewiesenen Erfolge, wurde diese Form des Unterrichts an entscheidenden Stellen abgelehnt. Denn nicht das Lernen in der Gemeinschaft sei die Pädagogik der Zukunft, sondern die Inklusion - jeder lernt für sich und nur auf seinem Niveau.


Sollte sich das Thema "Inklusion" an deutschen Schulen durchsetzen, so schafft sich Deutschland ein sehr großes neues Problem. Darin waren sich Lehrkräfte und Eltern einig.


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    Kommentare 1

    • Vor allem in Familien, wo die HA durch einen nicht diagnostizierten von ADxS-betroffenen Elternteil "bereut" werden, kommt es regelmäßig zu traurigen Szenen.

      Hier sind Traumatisierung und Schulphobie leider das Ergebnis des Bestrebens.


      Eine Psychoedukation von Eltern und Kind + Elterntraining kann hier schon "Wunder" wirken. Oft ist auch der Weg zu einem "Nachhilfelehrer" für die HA sinnvoll, da hier ein anderes emotionales Verhältnis besteht und außerdem eine Pädagogisch- Didaktische Ausbildung professionelle Möglichkeiten eröffnet, die wir "natürliche" Eltern nicht haben.