Medikamentengabe durch Lehrer oder Erzieher

ADHS-Zentrum ersetzt keinen Arztbesuch oder andere Fachkraft aus Pädagogik und Recht oder eine sonstige Beratung. Ob der Inhalt bei Ihnen oder ihrem Kind zutrifft, muss jeder für sich im Einzelfall abwägen und eigenverantwortlich entscheiden / prüfen lassen.

Wie gefährlich ist ADHS?

Zunächst einmal ist ADHS keine lebensbedrohliche Erkrankung. Das Kind wird also nicht an ADHS sterben, wenn Ritalin / Medikinet / sonstige Medikamente die zur Behandlung von ADHS vorgesehen und verschrieben wurden, nicht gegeben werden.


Auch wenn eine Einnahme ausgelassen oder vergessen wird, dann ist dies noch kein Grund zur Besorgnis. Im schlimmsten anzunehmenden Fall fällt das Kind in den Rebound. Das bedeutet, dass die ADHS-Symptome eine kurze befristete Zeit verstärkt auftreten können. Aber auch hier besteht weder für das Kind, noch für das Umfeld eine Gefahr.


Wie sollen LehrerInnen und ErzieherInnen jetzt handeln?

Am Ende bleibt für einen persönlich immer die Frage, wie man selbst handelt. Rein rechtlich betrachtet gehen Lehrer ein Risiko ein, wenn sie Medikamente einem Kind verabreichen. Es steht der mögliche Vorwurf der (gefährlichen) Köperverletzung im Raum. Aus rechtlicher Sicht ist man also gut beraten, keine Medikamente zu geben.


Es gibt aber auch noch einen anderen Aspekt, weshalb Lehrkräfte und Pädagogen keine ADHS Medikamente an Schülerinnen und Schüler ausgeben sollten: Beim Wirkstoff Methylphenidat hat man bereits seit Jahren die Möglichkeit, auf Retardprodukte umzuschwenken. Diese werden morgens einmal gegeben, und reichen dann für die Schulzeit des Tages aus. Eine weitere Gabe ist gewöhnlich nicht mehr erforderlich.


Ein Retardpräparat hat den Vorteil, dass über den Tag zeitversetzt ausreichend Wirkstoff freigesetzt wird, was eine weitere Einnahme unnötig macht. Gerade auch ADHS-Kindern kommt dies sehr entgegen, da sie in der Vergangenheit ihre weitere Einnahme in der Schule oft vergessen haben.


Werbung (Amazon)

Sicher im Recht - Kompetent in der Praxis: Lehrbuch und Nachschlagewerk für pädagogische Fachkräfte: Schülerband


    Kommentare 1

    • Sehr richtig! Generell ist der Umgang mit den BTM-Medikamenten so knifflig, dass nur der Patient selbst genau Zyklen, Wirkung, Zusatzbedingungen usw. kennt.


      Der Tipp mit der Retardierung ist gut und wichtig, doch eine Aufgabe können die Lehrer / Erzieher übernehmen. Wenn Kinder Retard-Produkte bekommen, gibt es eine sehr starke Wechselwirkung* zwischen Zusammensetzung, Menge und Zeitpunkt der Aufnahme der Nahrung. Es ist also wichtig, dass die Kinder genau zu dem Zeitpunkt das richtige Pausenbrot essen und dazu trinken, damit es nicht zu einer unkontrollierten** Freisetzung und Magen und Darm kommt.




      *= trotz anders lautender Angaben der Hersteller, hat die Erfahrung bei vielen Betroffenen eindeutig eine belegbare Wechselwirkung zu Ernährung gezeigt.


      **= plötzliche Überdosierung oder Rebound trotz richtiger Dosis und Retardierung