Muss der Lehrer oder Erzieher ADHS-Fragebögen ausfüllen

ADHS-Zentrum ersetzt keinen Arztbesuch oder andere Fachkraft aus Pädagogik und Recht oder eine sonstige Beratung. Ob der Inhalt bei Ihnen oder ihrem Kind zutrifft, muss jeder für sich im Einzelfall abwägen und eigenverantwortlich entscheiden / prüfen lassen.

Die Bearbeitung des Fragebogens sollte dabei nicht die persönliche Meinung des Lehrkörpers widerspiegeln, ob es ADHS nun wirklich gibt oder nicht! Dies entscheidet nicht der Lehrer / die Lehrerin. Und letztlich sollte das Wohl des Kindes im Mittelpunkt stehen. Deshalb ist es ratsam, das die Lehrkräfte die ADHS-Fragebögen ernst nehmen und das Kind objektiv beurteilen.


Gewöhnlich läuft das auch ganz zivilisiert ab. Die Eltern geben ihrem Nachwuchs einen oder mehrere Fragebögen mit, den die Lehrkräfte nach bestem Wissen und Gewissen ausfüllen. Der ausgefüllte Bogen wird dann dem Kind wieder mit nach hause gegeben und findet über die Eltern den Weg zum Arzt zurück. Fertig.


Warum hat die Aussage von Lehrern ein hohes Gewicht?

Zunächst muss man sich eines klar machen: ADHS ist eine Behinderung. Und je nach ihrem Ausmaß sind entsprechende Therapeutische Maßnahmen zu ergreifen. Die Schule ist ein wesentlicher Bestandteil des sozialen Lernens. Wer im Kindesalter nicht lernen konnte, wie man sich innerhalb unserer Gesellschaft orientieren und zurechtfinden kann, kann als Erwachsener nur schwer oder gar nicht ein selbstständiges und selbstbestimmtes Leben führen.


Zum zweiten werden in der Schule die beruflichen Grundbausteine vermittelt. Eine gute Schulbildung ist die Basis eines jeden beruflichen Erfolgs. Und natürlich ist auch die Vermittlung von "Allgemeinwissen" hier ein wichtiger Bestandteil.


Kinder, welche von ADHS betroffen sind, können weder soziale noch andere Bildungsangebote wahrnahmen, umsetzen oder sich aneignen. Dies hängt vom jeweiligen Schweregrad, also der Ausprägung vom ADHS, ab. Um den Schweregrad richtig einzuschätzen ist eine Befragung der Lehrkräfte sehr wichtig.


Der rechtliche Aspekt ist umstritten

Rechtlich gesehen stellt sich ab und zu die Frage, ob Lehrkräfte einen solchen Fragebogen überhaupt ausfüllen dürfen - oder müssen. Denn ADHS ist keine ansteckende Krankheit und somit nicht Meldepflichtig. Hinzu kommt die Frage nach dem Datenschutz und der Mitwirkungspflicht innerhalb des Diagnoseverfahrens.


Datenschutz

Bezüglich des Datenschutzes liegt hier kein Problem vor. Denn die Eltern möchten von der Lehrkraft ein objektive Beurteilung. Die Lehrkräfte dürfen den Eltern darüber selbstverständlich Auskunft erteilen. Was die Eltern mit den erhobenen Daten machen, oder an wen sie diese weitergeben, liegt außerhalb des Einflussbereiches der Lehrer. Und damit sind sie Datenschutzrechtlich auf jeden Fall auf der sicheren Seite.



Mitwirkungspflicht von Lehrern und Lehrerinnen

Wir haben in Deutschland den - meist - ungeliebten Föderalismus zu ertragen. Mit anderen Worten: Jedes Bundesland hat der Schule betreffend seine eigenen Gesetze, so lange sie nicht vom Bundesrecht gebrochen werden. Das widerum bedeutet, das es hier sehr aufwändig wäre, jedes einzelne Bundesland über auf die rechtlichen Vorgaben hin zu überprüfen.


Grundsätzlich haben Eltern die Möglichkeit, die Schule, bzw. auch einzelne Lehrkräfte dazu zu zwingen, sich an dem Diagnoseverfahren zu beteiligen. Der Weg, der jetzt gleich beschrieben wird, ist jedoch sehr umständlich, sehr zeitaufwändig und schadet dem Verhältnis Kind / Schule und Eltern / Schule. Man sollte sich daher gut überlegen, was man in welchem Ton sagt. Und - das muss gesagt sein - macht oft der Ton die Musik. Und das gilt auch für Eltern, die auf ihr Recht bestehen wollen.


Um Lehrkräfte zu zwingen, sich Zeit für den Lehrerfragebogen zu nehmen, ist bundesweit einheitlich ein Antrag auf Unterstützung durch das Jugendamt einzureichen. Das Jugendamt schickt dann - im weitesten Sinne - einen Schulpsychologen an die Schule, oder er lädt das Kind mit den Eltern in seine Praxis oder dem Jugendamt direkt ein. Dort spricht man dann über die Probleme und die Ziele. Am Ende wird für das Erste herauskommen, das der Schulpsychologe den Fragebogen an den zu befragenden Lehrer (ggf. auch mehrere) weitergibt, und später den Eltern wieder zukommen lässt.


Die Mitwirkungspflicht erfolgt "gewissermaßen" von "ganz oben". Hintergrund: Der Schulpsychologe (schulpsychologischer Dienst) kennt das Kind nicht, und befragt deshalb die Lehrkräfte des betroffenen Kindes und sieht sich das Kind auch selbst an.


Das Jugendamt und der schulpsychologische Dienst hat hohes Maß an Eigeninteresse daran, das der Arzt alle bestmöglichen Informationen für eine gute Diagnose erhält. Denn kommt der Arzt in Ermangelung von Informationen zu dem Schluss, dass das Kind weitere Hilfen als "nur" medizinische therapeutische Maßnahmen benötigt, wird das Jugendamt Leistungs- und damit Zahlungspflichtig. Das Jugendamt "entkommt" dieser Leistungspflicht nur dann, wenn die Regelschule ausreichend Maßnahmen ergreifen kann, auf die Bedürfnisse des Kindes in ausreichender Form eingehen kann.



Wichtiger Hinweis für Lehrer und Lehrerinnen

Ein Kind, welches auf ADHS getestet wird, muss nicht zwingend wirklich ADHS haben. Es gibt viele andere Szenarien, die punktuell aussehen, als wäre es ADHS. Ein Diagnoseverfahren ist nur der erste Schritt, um dem eigentlichen Problem auf die Spur zu kommen. Möglicherweise verbergen sich hinter den Anzeichen für ADHS auch nur eine Schilddrüsenerkrankung, eine Winkelfehlsichtigkeit oder Erziehungsschwierigkeiten durch andere Faktoren. Doch ohne einer umfangreichen Analyse (Diagnostik) geht es nicht - insbesondere sozialrechtlich nicht.


Und selbst wenn die Diagnose zutrifft, dann ist dies nicht zum Nachteil der Lehrkräfte, sondern zu ihrem eigenen Vorteil.


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    Kommentare 2

    • Wiso? Aber wenn doch allen Wissen das Hexen verbrannt werden müssen und man Ketzer über den Rand der Erdenscheibe schubsen muss? In der Bildzeitung im Lehrerzimmer steht doch immer die Wahrheit über ADHS!


      Spaß beiseite, "Behinderung" ist ein wichtiges Wort im Text. Genau das trifft den Punkt, an dem jeder Erwachsene die moralische Pflicht haben sollte, zu helfen.

      Behinderung? Behinderung! Das Syndrom behindert die Betroffenen in vielen Bereichen des Lebens.

      In meinem Fall ist sie sogar amtlich anerkannt wie bei einem Blinden, Tauben oder gelähmten. Vlt. ein Weg, den mehr Eltern beschreiten sollten, um mit mehr Nachdruck Hilfe für ihre Kinder einzufordern.

      • Sprich: Die richtige ADHS-Therapie kann man dem Hexenhammer entnehmen. Unheimlich fortschrittlich. ;-)


        Beim Thema Behinderung ist es auch so, das der Betroffene - wahlweise die Eltern -, auch den Mut dazu aufbringen müssen, um das anzuerkennen. Nicht jedem geht es so leicht über die Lippen "Ich bin behindert" oder "Mein Kind ist behindert".


        Andererseits kann genau das sehr viele Türen überhaupt erst öffnen.