Stellungnahme zu ADHS im Hort

ADHS-Zentrum ersetzt keinen Arztbesuch oder andere Fachkraft aus Pädagogik und Recht oder eine sonstige Beratung. Ob der Inhalt bei Ihnen oder ihrem Kind zutrifft, muss jeder für sich im Einzelfall abwägen und eigenverantwortlich entscheiden / prüfen lassen.

Auch wenn es um Aktivitäten wie z.B. Ausflüge geht, verstehen die Eltern von ADHS-Kindern nicht, warum wir diese Kinder nicht mitnehmen können. Die damit verbundenen Gefahren sind nicht einzuschätzen. Wir tragen die Verantwortung für jedes Kind. Kinder, welche die Gruppe "aufmischen" und ins unkontrollierte Chaos stürzen, die oft nicht zu bändigen sind, die spontan ihren Gedanken nachgehen und in einer Gedankenlosigkeit sich von der Gruppe entfernen oder über die Straße laufen, dies ist uns als Erziehrinnen zu gefährlich. Es ist für zwei Erziehrinnen, die mit einer Gruppe unterwegs sind, nicht möglich auf ein ADHS-Kind so zu achten und zu kontrollieren, das die Möglichkeit eines Unfalls ausgeschlossen oder wenigstens kalkulierbar ist.


Oft werden wir von den Eltern dazu angehalten das ihre Kinder ihr Medikament rechtzeitig bekommen. Wir haben uns bereits sehr viel, und unglaubliches, von Eltern sagen lassen müssen weil wir dies nicht tun. Eltern verstehen nicht, das mit der Gabe eines Medikamentes auch die medizinische Verantwortung für das Kind übernommen wird. Bei einem ADHS-Kind das urplötzlich und nicht nachvollziehbar einen Tobsuchtsanfall bekommt, oder eine Nebenwirkung auftritt kann als Folge von falscher Medikamentengabe gehandhabt werden.


In diesem Fall trägt die Erzieherin die Verantwortung für das Kind und die Folgen, sachlich (bei Zerstörung von Spielen / Möbeln) und körperlich (bei Körperschäden am Kind). Das Risiko ist nicht kalkulierbar, im schlimmsten Falle bekommt die Erzieherin ein sofortiges Berufsverbot.


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    Kommentare 2

    • Ein zweischneidiges Schwert. Schütze ich die Betroffenen und das Umfeld oder ....? Wo sind die Grenzen der Rücksicht?


      Im Zweifel muss man vor Schaden bewahren. Menschen und Sachen.


      Wichtig, man muss das Problem klar benennen und die Mithilfe derer einfordern, die auf Ihre Rechte pochen. Den an jedem Recht hängen auch Pflichten.

    • Sehr interessant... aber auch radikal.


      Ich hätte vor 2 Wochen noch gedacht, unter Medikation muss es doch handlebar sein.


      Es gibt sie aber, diese Kinder, die trotz Medikation ein unguided missile sind, habe grade auf einem Kindergeburtstag so ein Kind erlebt.


      Es gab einen Schieß-Wettbewerb mit einer Armbrust. Vorher wurde genau erklärt, dass man nicht schießen darf, wenn der Vorgänger noch seinen Pfeil aufhebt. Das Kind, 9 Jahre alt und angeblich unter Medikation, rannte bei der Erklärung weg. Ich holte es herbei und erklärte es ihm nochmal.


      Dann schoss der Junge erstmal ein anderes Kind aus der Nähe an die Hand und lachte, als das Kind weinte vor Schmerz.


      Beim Spannen der Armbrust musste ich immer wieder sagen, dass er sie nicht beim Spannen auf andere Menschen richten darf, das einzuhalten gelang ihm auch in meiner Anwesenheit nicht.


      Direkt im Anschluss schoss der Junge in meinem Beisein, ich sagte noch, "warte", genau, als der Vorgänger den Pfeil aufhob und sich umdrehte, um Haaresbreite am Kopf des anderen Jungen vorbei.


      Also da habe ich echt gedacht, oje, wie hart das Kind betroffen ist. Aber ich habe zugleich den Verdacht, dass die Medikation noch nicht passend ist.


      Zur Frage der Ausraster trotz Medikation kenne ich von meinem Sohn gute Beispiele. Unerfahrene Eltern könnten natürlich unterstellen, das Medikament sei nicht oder nicht zum richtigen Zeitpunkt gegeben worden. Aber es kann trotz allem passieren, dass es unerwartete Ausfälligkeiten gibt.


      In unserer Einrichtung gibt die Leiterin persönlich das Medikament und vermerkt jeweils auch die Uhrzeit. Das Medikament ist im Büro in einem verschlossenen Schrank. Das ist ein erheblicher Aufwand, den man aber gut nachvollziehen kann.


      Ebenso kann man nachvollziehen, dass Einrichtungen nur höchst ungern Medikamente verabreichen, wenn es mit so einem Aufwand verbunden ist und man dennoch nicht sicher sein kann, dass irgendwelche Vorwürfe kommen.


      Sehr schwierig...