ADHS: Die Handlungsfähigkeiten eines Pädagogen

ADHS-Zentrum ersetzt keinen Arztbesuch oder andere Fachkraft aus Pädagogik und Recht oder eine sonstige Beratung. Ob der Inhalt bei Ihnen oder ihrem Kind zutrifft, muss jeder für sich im Einzelfall abwägen und eigenverantwortlich entscheiden / prüfen lassen.

Die Personale Handlungsfähigkeit:

Ein Pädagoge ist personal Handlungsfähig, wenn er sich in der konkreten Lebenssituation wahrnimmt, sich akzeptiert, und wenn er seine Entwicklungsmöglichkeiten (kognitiven, emotionalen, körperlichen, künstlerischen, handwerklichen) auslebt und weiterentwickelt. Weiter sollte er auch fähig sein, auftretende Probleme, Konflikte und Rückschläge zu bewältigen oder zumindest den Versuch wagen, sie zu lösen.


Ein personal Handlungsfähiger Pädagoge ist offen zu sich selbst, seinem Körper, seinen Gefühlen, seinen Gedanken, seinen Träumen und Ängsten. Er kann deshalb tolerant gegenüber der Andersartigkeit seiner Schüler sein. Dadurch das sich diese Lehrer selbst akzeptieren, kann er auch seine Schüler annehmen. Er kennt seine eigenen Grenzen und jene der anderen. Auf dieser Basis kann er von seinen Schülern Respekt einfordern und ihnen gegenüber Respekt einbringen. Da der Pädagoge seinen Schwächen und Problemen bewusst auseinandersetzt, vermeidet er Gefahr, seine Probleme auf die Schüler zu übertragen.



Die soziale Handlungsfähigkeit

Die soziale Handlungsfähig ist jene Fähigkeit, welche ein Pädagoge für sein interaktionelles und kommunikatives Handeln benötigt, um (z.B.) in der Schule bzw. im Unterricht adäquat arbeiten zu können.


Ein Pädagoge ist sozial Handlungsfähig, wenn er sich selbst und die anderen differenziert wahrnehmen und mit seiner Umwelt in Kontakt treten kann. Dies geschieht in ständiger Wechselwirkung mit seiner personalen Handlungsfähigkeit. Jeder Pädagoge muss seinen Kindern in die Augen sehen können; er muss imstande sein, ein persönliches Gespräch zu führen und sollte das Kind auch in den Arm nehmen können. Darüber hinaus sollte er sensibel sein für Verhaltensweisen anderer und sollte Wahrnehmungsfähigkeiten für momentane innere Befindlichkeiten besitzen. Wichtig ist auch seine Bereitschaft zur Kooperation in Hinblick auf die Betreuungsgestaltung sowie auf die intensive Zusammenarbeit mit den Eltern und Vertretern der psychosozialen und medizinischen Berufsgruppen.


Pädagogen, welche ihre Betreuungszeit zwar hervorragend planen, den sozialen Anforderungen auf der Beziehungsebene jedoch hilflos gegenüberstehen, müssen die Erfahrung machen, dass die Umsetzung seiner Ziele (z.B. Lernziele) erheblich gestört und nicht erreicht werden.



Die berufstypische Handlungsfähigkeit

Im Zentrum der berufstypischen Handlungsfähigkeit stehen die Unterrichtsvorbereitung, das Unterrichten und das Erziehen. Aktivitäten im Bereich der Verwaltung, Organisation, Diagnose und Kooperation beanspruchen einen immer größeren Anteil der Arbeitskraft des Pädagogen. Demnach könnte man den berufstypischen Handlungsraum in die vier folgenden Bereiche bzw. Fähigkeiten aufteilen:

  • Fachlicher
  • Fachdidaktisch-methodischer
  • Pädagogischer
  • Administrativer Bereich

Gelingt es dem Pädagogen, diese Fähigkeiten in seinem Handeln zu verwirklichen, besitzt er die berufstypische Handlungsfähigkeit.



Die gesellschaftspolitische Handlungsfähigkeit

Ein Lehrer verfügt über gesellschaftspolitische Handlungsfähigkeit, wenn er über die notwendigen Kenntnisse und Fertigkeiten verfügt, um in politischen und gesellschaftspolitischen Situationen analytisch zu denken, adäquat und gekonnt zu handeln. Voraussetzung dafür ist die Verantwortung für seine Schüler, denen er Grundprinzipien einer demokratisch-rechtsstaatlichen Grundordnung lehrt und denen er Modell eines politisch Handelnden ist, der die eigenen Interessen, die seiner Klasse oder die der Schule vertritt.


Alle Pädagogen sollten über ein gesellschaftspolitisches Repertoire verfügen, um mit den Kindern und Jugendlichen demokratische Spielregeln in (z.B.) Schule einüben zu können.


Die gesellschaftspolitische Handlungsfähigkeit als integrierter, nicht heraus lösbarer Bestandteil der allgemeinen Handlungsfähigkeit des Pädagogen gewährleistet, dass nicht alle Kompetenz zum bloßen Reaktionsmodus verkommt.


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    Kommentare 3

    • Ich habe die Erfahrung gemacht das selbst Psychiater und Psycho-Therapeuten oft genug Probleme haben sich in ADHSler zu versetzen und diese sollten ADHS gelernt haben. Es ist aber etwas anders sich ein Wissen anzulesen und es selbst erlebt zu haben. Die größten Fortschritte habe ich selbst bei Ärzten und Therapeuten gemacht die selbst betroffen waren. Und das wird an der Schule nicht anders sein.


      Lehrer sind mit psychischen Probleme eigentlich überfordert und benötigen dafür eine kompetente Unterstützung durch Fachleute. Und eine unstrukturierte (Selbst/Gruppen)-Unterrichtsform wie sie heute oft an Schulen angewandt wird, ist für viele ADHSler ein echtes Problem.

    • Das ist ja ganz toll. Aber ich kenne keinen, der auch nur Ansatzweise so arbeitet.

    • oh wie schön währe das.

      Leider habe ich in 40 Jahren permanenten Lernens (ja, ich habe vor wenigen Tagen wieder ein Lernsequenz abgeschlossen) nur sehr wenige Exemplare der Gattung "Homo Magister" bzw. "Homo Ppraeceptor" getroffen, die dem o.g. Idealbild entsprachen.

      Die Regel waren eher hilflose Vertreter ihres Berufsstandes.