Warnung vor Spätfolgen durch den Wirkstoff Methylphenidat

Prof. Hüthers Forschungen müssen zunächst sachlich betrachtet werden. So findet man in den Ergebnissen, das die Ratten praktisch ausschließlich mit Methylphenidat gefüttert wurden. Es ist daher wenig überraschend, das die Ratten unvorhergesehen reagieren. Zum Vergleich: Niemand käme heute auf die Idee, seine Kinder ausschließlich mit Methylphenidat zu ernähren - und sich dann auch noch über komisches Verhalten selbiger wundern würde.


Die Aussage, dass Methylphenidat die Ausschüttung von Dopamin verhindert ist übrigens auch falsch. Richtig ist, dass Methylphenidat den Rücktransport von Dopamin in die Ursprungszelle verlangsamt - durch Blockade der Dopamin-Transporter. Es wird also lediglich der Dopaminspiegel so gehalten, als wäre das Kind gesund. Fällt das Methylphenidat weg, kommen die ADHS-Symptome wieder, weil der Dopaminhaushalt - gemäß ADHS - nicht mehr stimmt.


Ein paar Zahlen an dieser Stelle: Man geht davon aus, das zwischen fünf und sieben Prozent aller Kinder von ADHS betroffen sind. Das wären dann rund 350.000 Kinder und Jugendliche. Mit Stimulanzien behandelt werden allerdings, gemäß Statistiken der Krankenkassen, nur ca. 50.000 Kinder und Jugendliche. Das ist sachlich betrachtet eine krasse Unterversorgung!


Wirkungsvollste Therapie der ersten Wahl bei ADHS ist und bleibt die medikamentöse Therapie. Das konnte die große MTA-Studie in den USA eindeutig nachweisen. Das Ergebnis war aber nicht überraschend, da schon seit Jahrzehnten eben dieses beobachtet wurde, aber wissenschaftlich bislang nicht festgehalten werden konnte.


Nicht alle ADHS-Patienten brauchen Psychotherapie - aber für diejenigen, die dringend Psychotherapie brauchen, fehlt es weitgehend an geeigneten Therapieplätzen. Selbiges gilt, wenn es um Lerntherapeutische Einrichtungen oder Ergotherapeuten geht.


Gesellschaftliche, schulische und politische Verbesserungen für Kinder und Unterstützung in der Erziehung für Eltern sind dringend notwendig. Dennoch darf wegen solcher gesellschaftlicher Visionen eine notwendige medikamentöse Therapie, der unter hohem Leidensdruck stehenden Kinder und Jugendlichen mit ADHS, nicht aufgeschoben oder unterlassen werden. Spätfolgen durch die fehlende Behandlung, wie schwere Störungen der Persönlichkeitsentwicklung, vermehrte Neigung zu Suchtverhalten und Delinquenz, dürfen nicht in Kauf genommen werden.


Zusammenfassend lässt sich also sagen, das aufgrund der jahrzehntelangen Erfahrung mit ruhigem Gewissen erklärt werden kann, das die Behandlung von ADHS durch Methylphenidat keine Spätfolgen aufweist. Wäre dem anders, wäre das schon vor Jahrzehnten aufgefallen.


Und wer sich an Fakten orientiert, dem muss auch klar sein, das es nur wenige Medikamente, bzw. Wirkstoffe, gibt, welche so lange Zeit im Praxisalltag eingesetzt werden. Gäbe es da irgendwo ein "Haar in der Suppe", wie hätten es gefunden. Ganz sicher.


    Kommentare 5

    • Ich glaube, ein anderer Titel wäre besser gewesen.

    • Noch eine Anmerkung: Statt wiederholter "Nebelbomben", sollte sich die Wissenschaft auf eine klarere Diagnose und Medikationsstrategie konzentrieren.


      Die klare Darstellung der individuellen Symmetrie der Störung der betroffenen Neurotransmitter, für jeden einzelnen Patienten in verschiedenen Lebensabschnitten und der "maßgeschneiderte" Schnitt der Medikamente würde hier deutlich mehr Erfolg bedeuten.


      Die noch bestehenden "Unschärfen" in Diagnose und Behandlung halte ich für Ursächlichen für die immer wieder aufflammende "UFO-Jagd".

    • Der Beitrag war vor kurzem in der Lokalpresse und ich wurde von Bekannten darauf hingewiesen (Funke Mediengruppe,)

      Wir haben auch in den SHG's darüber diskutiert. (betroffene Mediziner dabei)


      Wie es zu dieser absurden Ableitung kam, die da verbreitet wird, ist allen schleierhaft. Man müsste die Studie wohl vollständig lesen, um erkennen zu können, ob Prof. Hüther ursprünglich wirklich auf ein ADHS-relevantes Ergebnis hin arbeitete und ob der Versuchsaufbau wirklich den von der Presse verbreiten Rückschluss zu lässt.


      Der Einsatz von MPH (1944 erfunden) seit 1954 in Deutschland, lässt m.E. kaum noch "Überraschungen" zu. Sollten sich in Tierversuchen neue auf den Menschen übertragbare Beobachtungen feststellen lassen, könnten diese problemlos an den seither über Jahrzehnte behandelten Patienten überprüft werden.


      Eine seriöse Publikation würde sich m.E. nicht auf Ratten, sondern auf das Ergebnis der Prüfung der "neuen" Ergebnisse am Menschen stützen.

    • Wo behauptet Hüther das? Vielleicht auch eine Quellenangabe zur Studie wäre zur Veranschaulichung toll. Internet Links?


      Ich kenne Leute, die Hüther ganz toll finden. Wenn man aber jetzt sowas hört, würde ich ihnen diese Info gerne weiterleiten...

      • Hüther hat sich mit dieser Falschbehauptung in den Medien einen lebenslangen Platz gesichert. Google einfach "hüther ratten adhs". Dann hast Du Lese- und Videostoff für die nächsten 20 Tage.


        Direkt verlinken werde ich hier nichts, weil ich Falschinformationen nicht verbreite. :-)