Kommt das digitale Rezept

ADHS-Zentrum ersetzt keinen Arztbesuch oder andere Fachkraft aus Pädagogik und Recht oder eine sonstige Beratung. Ob der Inhalt bei Ihnen oder ihrem Kind zutrifft, muss jeder für sich im Einzelfall abwägen und eigenverantwortlich entscheiden / prüfen lassen.

Schon heute ist ein Besuch beim verschreibenden Arzt pro Quartal normal - bei ADHS-Patienten. Als Kontrolltermin. Aber zwischendurch muss man noch in die Praxis, um Rezepte für Medikinet, Ritalin, etc. abzuholen. Oder man lässt sich das mit der Post schicken. Genau das könnte bald ein Ende haben.


Das "digitale Rezept" hätte den Vorteil, dass man nach dem virtuellen Arztbesuch auch ein virtuelles Rezept erhält. Der Weg zum Arzt bliebe einem erspart. Und auch bei Rezepten müsste man nicht mehr den Postweg in Anspruch nehmen. Gerade für ADHS-Patienten (Groß und Klein) wäre dies ein echter Gewinn. Denn Ärzte, welche sich mit ADHS beschäftigen sind rar gesät.


Patienten nehmen bis zu 100km in Kauf, um an einen Arzt zu kommen, der sich mit ADHS auch wirklich auskennt. Denn der Rezeptblog allein macht noch keinen guten Arzt. Hier wird auch immer wieder die medizinische Unterversorgung einzelner Patientengruppen deutlich.


Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) arbeitet derzeit an einem Gesetz, welches das digitale Rezept aus rechtlicher Sicht ermöglichen soll. Leider hat der Politiker bislang nicht gezeigt, das er sich in Sachen Gesundheitswesen wirklich auskennt. Entsprechend skeptisch darf man bei seinem Vorhaben sein.


Dennoch ist es ein spannendes Thema. Es spielen hier mehrere Faktoren eine wichtige Rolle. Da wäre der Datenschutz zu nennen, die sichere Datenübermittlung, die generelle Erlaubnis digitale Rezepte ausstellen zu dürfen, die Bereitschaft der Arztpraxen das Thema Telemedizin weiter in den Focus zu rücken, und so weiter.


Man rechnet mit einer Gesetzesvorlage nicht vor 2020 - was aus politischer Sicht recht sportlich ist. Die Umsetzung der Gesetze dürfte dann zu Beginn eher freiwillig sein, möglicherweise ab 2030 dann verpflichtend. Letzteres ist aber Lesen im Kaffeesatz.


Ein Restproblem, das weder Politik noch die Kommunikationsunternehmen beseitigen wollen, besteht in der Ermangelung von nutzbaren Internetzugängen - nicht nur im ländlichen Raum. Dieses Problem wird auch bis 2030 nicht gelöst sein.


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    ADHS-Zentrum Admin

    Kommentare 1

    • Ähnliche Ansätze gibt es bei unserem Hausarzt in ländlicher Region schon seit 2005. Es gibt ein Portal für Patienten, die jedwede Information auf elektronischem Wege mit dem Arzt austauschen können. Konsultationen, Rezepte, Berichte, usw. sind so schnell und ohne den Weg zur Praxis möglich.

      Lediglich das Rezept ist noch Analog. Also dann doch hin pilgern und den Zettel von der Schwester abholen.

      Untersuchungen, die über Blutdruck und Puls hinaus gehen, finden natürlich noch im klassischen Rahmen statt.


      Dass nicht hin und wieder Fußangeln in den Gesetzentwürfen landen, wird jedoch weiter Aufgabe wachsamer Betroffener sein, die rechtzeitig eine Petition gegen Wildwuchs in Politiker - oder Lobbyistenträumen starten.