Warum Zappelin bei ADHS nicht hilft

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Zappelin wird hauptsächlich von Heilpraktikern und Alternativmedizinern bei ADHS/ADS (Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom mit Hyperaktivität/ohne Hyperaktivität) eingesetzt. Verabreicht wird es, wie für Homöopathika üblich, in Form von Streukügelchen, den sogenannten Globuli.


Zappelin ist ein Kunstname. Seinen Ursprung findet er im Ausdruck Zappelphillip-Syndrom - wie ADHS im Volksmund auch gerne genannt wird. Die Homöopathie braucht einen Namen, der sich gut anhört und dadurch besser verkaufen lässt.


Im Folgenden schauen wir uns die vermeintlichen Inhaltstoffe an, die allesamt nach homöopathischer Lehre potenziert/verdünnt werden:



Saccharose


Das ist normaler Haushaltszucker und der einzige Inhaltsstoff, der in nennenswerter Konzentration vorliegt. Der Zucker dient als Träger. Auf ihn werden die stark verdünnten anderen Ingredienzien aufgebracht.



Chamomilla D12


Es handelt sich um Kamille. Nahezu jeder hat irgendwo ein Produkt, das Kamille enthält. Sei es als Tee, Badewasserzusatz oder Salbe.


D12 gibt die Verdünnung an und bedeutet, dass der Urstoff 12 mal hintereinander im Verhältnis 1:10 verdünnt wurde. Dabei kommt eine Verdünnung von eins zu einer Billionen heraus. Das entspricht etwa einem Tropfen Ursubstanz aufgelöst in dem Wasservolumen von 20 Schwimmbädern.



Kalium Phosphoricum D6


Das ist Kaliumphosphat, das Kaliumsalz der Phosphorsäure. Kaliumphosphat wird in Waschmitteln, Mineraldüngern und als Säureregulator in der Nahrungsmittelindustrie verwendet. Hier entspricht die Verdünnung D6 "nur" eins zu einer Millionen. Trotzdem viel zu wenig um in irgendeiner Weise pharmakologisch wirksam zu sein.



Staphisagria D12


Stephanskraut, eine giftige Pflanze aus der Gattung der Rittersporne. Hohe Dosen des im Stephanskraut vorkommenden Alkaloids Delphinin können zu Atemlähmung und Herzstillstand führen. Bei der hier verwendeten Verdünnung ist das allerdings unmöglich, selbst wenn man mehrere Kilo der Globuli isst.



Valeriana D6


Besser bekannt als Baldrian. In Tropfen und Tablettenform ist es in der Apotheke erhältlich und wird als mildes Beruhigungs- und Schlafmittel eingesetzt. An sich keine schlechte Idee, doch schon in der Verdünnung D6 übersteigt die Menge der Verunreinigungen im Lösungsmittel die Menge des noch vorhandenen Baldrians.



Warum kann Zappelin nicht wirksam sein?


Diese Frage lässt sich leicht beantworten: Weil es keinen Wirkstoff enthält. Homöopathen glauben, dass durch das schrittweise verdünnen und verschütteln eine Information der Grundsubstanzen auf die Lösung übergeht. Oder wie Samuel Hahnemann, der Begründer der Homöopathie es formulierte, eine "im innern Wesen der Arzneien verborgene, geistartige Kraft". Heutzutage, 200 Jahre, hunderte klinische Studien und tausende Untersuchungen später weiß man, dass dem nicht so ist. Homöopathische Produkte wie Zappelin sind reine Placebos. Entweder man glaubt einfach trotz aller Widersprüche und Gegenbeweise, dass durch reiben und schütteln wie bei Aladins Wunderlampe geistartige Kräfte frei werden, oder man investiert seine Energie in die Suche nach einer echten Behandlung.



Warum erfreut sich Zappelin dann so großer Beliebtheit?


"Bei der Tochter der Nachbarin meiner Cousine hilft das total gut!" Heilanekdoten wie diese sind der Grundpfeiler der Beliebtheit homöopathischer Produkte. Jede Behandlung und jede Tablette bewirkt einen sogenannten Placeboeffekt. Durch die Einnahme baut sich eine unbewusste Erwartungshaltung auf, man interpretiert Veränderungen an sich oder den Kindern völlig anders. Subjektiv tritt eine Verbesserung ein. Doch die Kehrseite der Medaille ist, dass diese Verbesserung, wenn sie überhaupt eintritt, nicht nachhaltig ist. diese verzehrte Wahrnehmung ist oft verbunden mit einer Skepsis gegenüber etablierten Methoden. Im Zweifelsfall wird eine konventionelle Behandlung, die geeignet ist den Leidensdruck dauerhaft zu senken, verschleppt.



Zappelin im Internet


Ein großes Ärgernis ist die Werbung für Zappelin auf der Homepage http://www.zappelin.de. Normalerweise dürfen Homöopathika nicht mit der Angabe von Indikationen (Anwendungsgebieten) beworben werden. Das Heilmittelwerbegesetz sieht vor, dass das nur Medikamenten vorbehalten ist, die ihre Wirksamkeit durch Studien belegt und eine Zulassung vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte haben. Homöopathika haben in der Regel nur eine einfache Registrierung. Zappelin gab es jedoch schon vor der Novellierung des Arzneimittelgesetzes in den 70'er Jahren und so war es dem Hersteller durch eine Sonderregelung möglich eine Nachzulassung zu ergattern.


Dieser "Freifahrtschein" wird massiv ausgenutzt. So wird in der Werbung ständig vom Zappelphilipp gesprochen. Alles deutet sehr suggestiv darauf hin, dass Zappelin die leidigen Symptome des ADS/ADHS zu bekämpfen vermag.


Durch dieses Vorgehen wird natürlich die aktuelle Gesetzgebung unterwandert und die Verbraucher werden massiv in die Irre geführt.


Abschließend kann nur eindringlich davor gewarnt werden dieser Werbung glauben zu schenken. ADS/ADHS ist eine ernste Erkrankung, die oft mit einem hohen Leidensdruck für Betroffene und deren Umfeld verbunden ist. Alle Kraft sollte darauf verwendet werden ein Behandlungspaket zu entwickeln, dass genau auf die Bedürfnisse des Patienten abgestimmt ist. Das Vertrauen auf den Zauberzucker Zappelin ist hier völlig fehl am Platz.


Vielen Dank an Julian Aé für die Unterstützung.


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