§35a SGB 8 - Eingliederungshilfe Persönlichkeitsanalyse

Diese Angaben können einerseits erhellen, warum ein Kind unter belastenden Bedingungen zu einem Signalverhalten Zuflucht sucht. Zum anderen können sie deutlich machen, welche Verhaltensbereiche altersentsprechend gut ausgebildet sind. Auch ein Kind oder Jugendlicher mit einer seelischen Krankheit ist stärker als seine „normalen“ Anteile gekennzeichnet als durch die Störung. Rutter ()1981, S.31 bis 32) hat dies auf einprägsame Weise formuliert: „Das Kind ist ein einmaliges Individuum mit seiner eigenen Persönlichkeit und nicht einfach die Zurschaustellung einer Störung.“


Es ist demnach erforderlich, dass nicht nur die Schwächen, sondern auch die Stärken des betroffenen dargestellt werden. Die Schwächen machen zwar die Hilfe erforderlich, die Stärken bieten aber oftmals den besten Ansatzpunkt für die Hilfe. Es sind nämlich Erfolgserlebnisse, die der junge Mensch braucht, um zu weiteren Bemühungen ermutigt zu werden. Und sie lassen sich im Zusammenhang mit seinen Stärken erfahrbar machen. Außerdem mildert man die Gefahr einer Kränkung, wenn man auch die positiven Seiten würdigt.


In der Regel sind bei der Beschreibung des Entwicklungsstandes und der Persönlichkeitsmerkmale des Kindes oder Jugendlichen die folgenden Bereiche zu berücksichtigen:

  • Physischer Bereich: also körperliche Entwicklung und Gesundheitszustand
  • Sozialer Bereich: insbesondere das verhalten und die Beziehungen zur Familie und zum weiteren sozialen Umfeld
  • Emotionaler Bereich: also z.B. emotionale Ansprechbarkeit und emotionale Stabilität
  • Kognitiver Bereich: Z.B. Intelligenzausprägung, Entwicklung lebenspraktischer Fertigkeiten, schulische Leistungen
  • Intrapsychische Konstellation: wie Selbstbild, besondere Ängste, unbefriedigte Bedürfnisse, spezielle Konflikte


    Kommentare 2

    • - generell sehr wichtige Punkte. Unabhängig von § 35 ist dieser Kontext wichtig für Diagnose und Behandlung.


      Eine gute Analyse ermöglicht Maßnahmen mit einem Minimum an Nebenwirkungen oder Fehlschlägen. Das bezieht sich ausdrücklich nicht nur auf die Medikation, sondern auch auf begleitende Therapien.

      • Ich gebe Dir recht. Aber ich glaube, das man das Eltern nicht wirklich umsetzen kann. Ich fände es besser, wenn jemand von außen solche Beurteilungen macht. Ich denke da an einen Kinderpsychologen zum Beispiel. Ich glaube als Eltern ist man nicht objektiv genug. Eltern neigen manchmal dazu, sich Probleme schön zu reden. Oder sie sind einfach Alltagsblind. Und ich weiß genau, wovon ich da rede :-(