ADHS Therapien für Erwachsene und die Probleme

ADHS-Zentrum ersetzt keinen Arztbesuch oder andere Fachkraft aus Pädagogik und Recht oder eine sonstige Beratung. Ob der Inhalt bei Ihnen oder ihrem Kind zutrifft, muss jeder für sich im Einzelfall abwägen und eigenverantwortlich entscheiden / prüfen lassen.

Medikamente für Erwachsene mit ADHS


Für Erwachsene ADHS-Patienten stehen inzwischen mehrere Medikamente zur Behandlung von ADHS zur Verfügung. Das war aber nicht immer so. Bis Mitte 2011 gab es keine Möglichkeit, ADHS mittels Medikamente zu behandeln. Wer aber darauf angewiesen war, musste sich über den Weg des "Off-Label-Use" Medikamente verschreiben lassen, welche nur eine Zulassung für Kinder und Jugendliche hatten. Die Handelsnamen sind u.a. Ritalin und Medikinet.


Später, als einige ganz rar gesäte Psychiater bereit waren, Medikamente auf Privatrezept auszustellen, musste man viel Geld haben, um sich Medikinet überhaupt leisten zu können. Die Packungsgröße N2 kostete rund 200,-€ - und das wurde von den Krankenkassen nicht übernommen.


Im Juli 2011 änderte sich das endlich. Denn seitdem gibt es das erste für Erwachsene ADHS-zugelassene Präparat mit dem Wirkstoff Methylphendiat. Das ist der gleiche Wirkstoff in (zum Beispiel) Ritalin. Es handelt sich dabei um Medikinet Adult.


Ein weiteres Medikament, welches zur Behandlung von ADHS im Erwachsenenalter zugelassen ist, gibt es erst seit Mai 2014. Es enthält als Wirkstoff Methylphenidat. Es ist also der gleiche Wirkstoff wie im Medikinet Adult.


Ein anderes Medikament mit dem Namen Strattera - dessen Wirkstoff Atomoxetin ist -, wurde schon 2005 für die Weiterbehandlung von jungen Erwachsenen zugelassen, sofern bereits vor dem 18. Lebensjahr eine Diagnose vorlag und eine Behandlung mit Medikamenten erfolgte. Erst im Jahr 2013 wurde die Zulassung dahingehend erweitert, dass auch Erwachsene Strattera verschrieben bekommen konnten, die als Teenager keine Diagnose und keine Behandlung vorweisen konnten.


Obwohl es jetzt endlich eine medikamentöse Behandlungsoption gab, ist es bis heute sehr schwer einen Arzt oder einen Psychiater zu finden, der sich mit ADHS beschäftigt und auch auch bereit ist, Medikamente zu verschreiben. Hauptgrund ist die bewusste Verbreitung von Falschinformationen in der Presse bzgl. ADHS. Kein Arzt oder Psychiater riskiert seinen guten Ruf für einen leidenden Patienten. Und deshalb gestaltet sich die Suche nach einem Arzt sehr schwierig. Beispielsweise gibt es in der Millionenstadt München zwei - vielleicht drei - empfehlenswerte Psychiater. Entsprechend lang sind die Wartezeiten. Statistisch sieht das dann so aus, als gäbe es jedes Jahr mehr ADHS-Fälle. Und dies wiederrum bringt die Presse erneut auf den Plan, über die Ärzte öffentlich herzuziehen. Ein Kreislauf beginnt, bei dem der Patient und der behandelnde Arzt verlieren.



Therapien für Erwachsene mit ADHS sind sehr schwer zu bekommen


Insgesamt sind die Behandlungsmöglichkeiten für Erwachsene also sehr schwer. Denn echte Alternativbehandlungen zur medikamentösen Therapie gibt es praktisch nicht. Die viel geforderte "ganzheitliche Behandlung von ADHS" ist eine Illusion. Es gibt so gut wie keine Therapeuten. Selbst bei der ADHS-Behandlung von Kindern ist es schon sehr schwer jemanden zu finden, der eine professionelle Ergotherapie oder Verhaltenstherapie mit dem Kind machen kann. Und hier sind Wartezeiten von mindestens 12 Monaten allgemein üblich. Als Erwachsener ist sowas praktisch unmöglich.


Wer also nach besseren Behandlungsmethoden verlangt - Presse, Politik, Hobbykritiker -, der muss diese auch zur Verfügung stellen, bzw. dies auch entsprechend fördern und unterstützen. Durch unsachliches Kritisieren sinkt die Bereitschaft von Psychiatern und Therapeuten, hier Angebote zu schaffen. Ebenso brauchen wir ein liberales Gesundheitssystem, das ohne Begrenzung vom gängigen Schlüssel "X Bürger auf eine Praxis" auskommt. Denn dies sorgt absichtlich für Engpässe und ist nicht mehr zeitgemäß - und die Patienten hätten mehr Möglichkeiten und Zugang zu Alternativbehandlungen.


    Kommentare 1

    • Ich hatte in den letzten Jahren Kontakt zu einer ganzen Reihe von ADHS Ärzten und Therapeuten. Viele waren/sind engagiert aber ich habe immer wieder festgestellt das nicht betroffene Fachleute die Probleme von ADHSler nicht wirklich verstehen und daher nur eingeschränkt helfen können.

      Das ist so wie ein Normalsichtiger zwar weiss das ein Farbenblinder Rot-Grün nicht unterscheiden kann, aber wie sich das anfühlt, das wissen nur die Selbstbetroffenen. Russel Barkley sagt: "People with adhs know exatcly what to do, they simply don't do ist". Und dieses Gefühl es eigentlich zu können, es dann aber doch nicht zu tun, dieser tägliche Frust, dieses tägliche "Versagen", das können nicht Betroffene nicht fühlen und machen dann Vorhaltungen die letztlich aber nur den Patienten beschädigt. Das habe ich selbst mehrfach erlebt, sogar von Therapeuten die eine ADHS-Abteilung in einer Klinik geführt haben, es also wirklich besser wissen sollten...