Mit ADHS ein Unternehmen gründen?

Das Problem zum Antrieb machen


Mit ADHS ein Unternehmen gründen ist genauso schwer, als hätte man kein ADHS. Das muss man sich klarmachen, weil wir hier nicht auf die Bürokratie hinweisen wollen oder wie man sich selbständig macht. Sondern es geht um die Umstände, warum es gut ist, sich gerade wegen ADHS in das Unternehmertum zu wagen.


Auf den ersten Blick sind die Symptome und Probleme, die ADHS mit sich bringen, kaum zu bewältigen. Es geht schnell um das Thema Therapie, vielleicht auch eine Einstellung auf Medikamente wie zum Beispiel Medikinet.


Man kann den Spieß aber auch umdrehen. Denn die Probleme und ADHS-Symptomatik sind auch Indikatoren für gute Unternehmer.



Impulsivität gegen Langeweile


Seien wir mal ehrlich: Die meisten Jobs sind langweilig. Es ist Tag ein Tag aus immer das Gleiche. Für jemand mit „Hummeln im Hintern“ kann das pures Gift sein. Es gibt nichts Neues. Nur den Alltag.


Wer den Schritt in die Selbstständigkeit wagt, der wagt immer wieder neu. Je nach Betätigungsfeld sind die Aufgaben anders. Es wiederholt sich nichts. Es wird nicht langweilig. Und wenn doch, dann gibt es etwas, was ich als Unternehmer immer machen kann: Ich erschaffe etwas Neues. Ich setze eine neue Idee um – ohne bitten und betteln zu müssen. Und ich setze meine Idee um, die ich auch noch verändern oder verbessern kann.



Risiko und das Neue


Als Unternehmer muss man auch bereit sein, Risiken einzugehen. Die allermeisten Unternehmen halten an Altgediegenem fest. Keiner traut sich heute noch etwas zu investieren oder gar zu riskieren.


Genau hier hat ADHS seine Vorteile. Das Neue, das Unbekannte, zu erforschen und auch dabei Risiken einzugehen um Erfolg zu haben. Das fängt bei der Einstellung von Mitarbeitern an und geht bis hin zu neuen Produkten und neuen Möglichkeiten.



Der Hyperfocus


Man interessiert sich für eine Sache, für ein Projekt oder für einen Kundenauftrag. Man sucht nach Lösungen, probiert, macht, - und man lässt nicht locker. Wer früher zehn Stunden am Stück mit Lego gespielt hat, kann diese typische ADHS-Eigenschaft – die im Erwachsenenalter nicht verschwindet - , als Vorteil für sich nutzen.



Wir trauen uns zu wenig


Viele, die bis hierher weitergelesen haben, werden vielleicht abwinken. Mit ADHS kann man das nicht machen. Das geht nicht. Das ist zu gefährlich. Oder ähnliches.


In Wahrheit sieht es so aus, dass wir uns viel zu oft viel zu wenig trauen. Der Weg in die Selbstständigkeit erfordert Mut (nicht immer Kapital) und einen starken Willen. Aber es ist auch das gesunde Kontrastprogramm zu einem langweiligen Alltagsjob.


Mach, was Dir Spaß macht, und finde dann einen Weg genau damit Geld zu verdienen. Nicht umgekehrt.


    Kommentare 1

    • Der Gegenstand meines Unternehmens war kreativ und wurde von regionalen sowie Fachzeitung gefeiert. Wirtschaftsverbände haben mich zu Empfängen eingeladen und waren sehr interessiert.

      Der Inhalt an sich war nicht neu aber innovativ aufbereitet.


      Anfänglich lies sich die kostenlose Werbung gewinnbringend einsetzen. Mir der Zeit holte mich ein, was ich heute als ADS zu deuten weiss. Die kreativen Gedanken wurden nicht weiter getragen, das Chaos störte de Abläufe, Abstürze gefährdetet die Auftragstermine und Fehleinschätzungen führten in Sackgassen.


      Irgendwann war noch in den schwarzen Zahlen das Ende absehbar und der Laden noch mit Gewinn geschlossen.


      Rückblickend ist mir klar woran es lag. Ich hätte eine Art Coach, Antreiber oder Buchhalter gebraucht, der mich motiviert und steuert. Nun haben die Mitbewerber meine damaligen Innovationen übernommen und zu einem Neustart fehlt mir die Kraft.


      Wer also ein Unternehmen gründen will sollte die rosarote Brille zur Seite legen und sich vor allem die Schwächen genau betrachten.

      Die Unternehmung sein zu lassen ist nicht immer die richtige Wahl. Vielmehr sollte es Unterstützer geben, die ihre Aufgaben klar kennen und wissen, worauf sie sich einlassen.